Unsere Zeit (1872) / t_983

Joseph Koch, der namentlich durch seine vortrefflichen Thier- und Landschaftsge­mälde allgemein bekannte münchener Künstler, ist am 17. Febr. 1872 seinen langen Leiden, welche in einem langsam um sich greifenden Zungenkrebs bestanden, erle­gen.

Er wurde als Sohn des geschätzten Arztes, des Obermedicinalrathes Dr. Koch, zu München im Jahre 1819 geboren. Seinen ersten gelehrten Unterricht empfing der geistig rege Knabe auf der Lateinischen Schule seiner Vaterstadt und machte als­dann, nachdem er die Malerei zu seinem Lebensberufe erwählt hatte, bei dem ge­nialen Albrecht Adam die malerische Vorschule durch; später war Friedrich Voltz sein Förderer und Beschützer. Schon damals waren Thier- und Landschaftsmalerei die Fächer, in denen sich der Pinsel des jungen Künstlers mit Vorliebe versuchte. Joseph Bernhard wußte ihm auch Geschmack für Porträtmalerei beizubringen. Al­lein sehr bald drängte seine Liebe zu Vorwürfen aus der Thiermalerei alle andern Genres der Malerei bei seiner Production in den Hintergrund.

Im Jahre 1841 debutirte er im Kunstvereine mit einer Reihe talentvoller Bilder, näm­lich mit einer Schweinsjagd, Weidenden Kühen und Pferden, Einem Rudel Rehe und Hirsche und Viehhändlern auf einer Fähre. Bald nach diesem Debüt ging er nach Belgien und suchte sich in Antwerpen, wo er längere Zeit weilte, künstlerisch wei­ter zu bilden. Namentlich nach der technischen Seite hin vervollkommnete er sich in Belgien wesentlich, sodaß er, als er im Jahre 1846 – er hatte inzwischen auch Pa­ris und Venedig besucht – nach München heimkehrte, eine nicht unbedeutende Höhe künstlerischer Vollendung erreicht hatte. Er schuf von nun an rastlos; wenn auch nicht behauptet werden darf, daß er besonders productiv gewesen, so pfleg­te er doch im münchener Kunstvereine in regelmäßigen Intervallen einige Bilder auszustellen. Namentlich sind unter solchen im Kunstvereine zur Ausstellung ge­kommenen Bildern Koch’s die folgenden nennenswerth: Ein Thierstück mit der Krapfborger Ruine (1849), Eine Partie bei Antwerpen (1851), Thiere im Walde (1852), Weidende Kühe (1853) u. a.

Koch weilte im Sommer gewöhnlich einige Wochen am Chiemsee. Die herrliche Na­tur dieser Seeufer gab ihm manchen willkommenen Stoff zu malerischer Verwer­thung und neue Kraft und Anregung zu frischem künstlerischen Schaffen. So ent­standen denn auf solchen Chiemsee-Villeggiaturen einige der schönsten Bilder Koch’s, so Eine Viehtränke auf Herrenchiemsee (1850), Frauenwörth bei Mondbe­leuchtung (1865), Eine Partie bei Feldries am Chiemsee (1862) und Die Insel Nonnenwörth (1864). Unter den sonstigen Koch’schen Gemälden nennen wir noch mit Auszeichnung Ein Morgen auf dem Felde (1856), Eine Viehweide bei Ant­werpen (1858) und Eine Erntelandschaft (1861).

Unsere Zeit. Deutsche Revue der Gegenwart. Monatsschrift zum Conversations-Lexikon. Leipzig, 1872.


ML-176/177 (Koch)