Universal-Lexikon der Tonkunst (1849) / t_1049

Mad. Betty Spitzeder-Vio, zweite Gattin des vorhergehenden [Joseph Spitzeder] und seit 1838 Mad. Maurer, eine ausgezeichnete Sängerin, wenn sie auch die schönste Zeit ihrer Blüthe bereits überlebt haben dürfte, irren wir nicht, aus Lübeck gebürtig, kam, vom Schicksal begünstigt, früh nach Italien, und, nachdem sie dort einen guten Grund gelegt hatte, nach Wien, wo sie ihre Bildung vollendete. In dem Jahre 1824 und später erfreute sie sich eines bedeutenden Rufs, besonders hin­sichtlich der Darstellung heiterer Rollen und was Kehlfertigkeit anbelangt. In diesen beiden Stücken wollten sie Einige selbst mit der Sontag in Vergleich stellen, und die Veranlassung dazu möchte auch wohl um so näher liegen, als sie hinsichtlich ih­rer äußeren Körperbildung und ihres ganzen Wesens in der That sehr viel Aehnlich­keit mit jener einst weltberühmten Sängerin hat. 1828 machte sie eine Kunstreise durch Deutschland, gastirte auf der Königsstädter Bühne zu Berlin, ward auf ein Jahr für dieselbe engagirt und blieb auch, bis sie sich mit jenem Bassisten Spitze­der verheirathete und mit demselben nun nach München ging, wo sie sich auch jetzt noch befindet, und einst selbst neben der Vespermann und Schechner noch vielen Beifall fand, wenn gleich ihr später meist nur zweite Rollen angewiesen wur­den.

Dr. F. S. Gaßner: Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Hand-Ausgabe in einem Bande. Stuttgart, 1849.


18-14-26 (Maurer-Spitzeder & Schmid & Spitzeder)