Universal-Handbuch von München (1845) / t_730

Eberhard, Konrad,

Professor der Akademie und Bildhauer, ist geboren zu Hindelang im Allgäu im Jah­re 1768. Er begann schon früh, unter der Leitung seines Vaters, in Holz und Stein zu schnitzen und zu meiseln, und größtentheils in Gegenständen für Kirchen, als Heiligenbilder oder gruppenreiche Darstellungen, die er mit größtem Fleiße und Zierlichkeit in ächt religiösem Sinne ausführte. Ueberhaupt ist in seinen Bildwerken von jeher die charakteristische Richtung tiefer, anmutiger Innigkeit und religiösen Gefühles ausgesprochen.

Eberhard fand an dem letzten Churfürsten von Trier und Fürstbischof von Augs­burg eine großmüthige Stütze, und durch ihn die Hülfsmittel, im Jahre 1798 die Akademie in München zu seiner weitern Ausbildung zu besuchen. Er arbeitete mehrere Jahre bei Roman Boos. Seine eigentliche Kunstentwicklung begann aber dann erst, als er in späterer Zeit dem Kronprinzen Ludwig von Bayern, jetzigem Kö­nig, bekannt wurde, und durch dessen Unterstützung nach Rom reisen konnte, um dort die klassischen Kunstwerke seines Faches zu studiren. In Rom verfertigte er eine Muse mit dem Amor im cararischen Marmor, welche in der Glyptothek aufge­stellt ist. Auch befinden sich von ihm mehrere Büsten in der Walhalla; ein Faun, eine Leda, eine Diana in fortschreitender Bewegung sind von diesem Meister im Kabi­netsgarten zu Nymphenburg vor den Fenstern des Höchstsel. Königs Maximilian aufgestellt, wo sie sich noch befinden.

Im Jahre 1816 wurde er Professor der Bildhauerkunst an der Münchner Akademie, und vollendete in diesem Jahre das Relief zu dem Grabmale der königl. Prinzessin I. M. Karoline, das in der Theatinerkirche im rechten Seitenschiffe sich befindet: 2 Engel heben den Vorhang vor dem Ruhebette des sterbenden Kindes empor, da­mit die Mutter, die Höchstselige unvergeßliche Königin Karoline von Bayern, sich zu den Lippen der geliebten Tochter hinneigend, das letzte Lebewohl der schei­denden Seele zuhauche.

Er führte noch mehrere Reliefs mit Darstellungen aus dem alten oder neuen Testa­mente – Christus- und Madonnenbüsten, so wie die von mehrern seiner Freunde aus; – die Statuen an der Vorderseite der Allerheiligenkirche, dann die Statue des Erzengels Michael und des heil. Georgs an dem Hauptportale des neu verschöner­ten Isarthores zu München sind von ihm. Auch den Dom von Regensburg schmü­cken die beiden Denkmale der Bischöfe Sailer und Wittmann, ausgeführt im Auftra­ge des Königs Ludwig I. durch Eberhards Meisterhand. Das erstere Denkmal, im mitteldeutschen Style gearbeitet, stellt den hochverehrten Bischof Sailer – im sehr getreuen Bildnisse – auf dem bischöflichen Stuhle im Amtsschmucke sitzend, das Haupt rechts emporgerichtet zu dem Kruzifixe, dar; in der rechten Hand hält er eine Feder, um in ein von einem Ministranten in knieender Stellung dargebotenes Buch zu schreiben, während die Linke auf der Brust ruht. Von der andern Seite naht ein zweiter Kirchendiener, in der Rechten ein Buch, in der Linken den Bischofsstab haltend. Das Denkmal des frommen Bischofes Wittmann schildert dessen letzte Au­genblicke, wie er auf einem Sarkophage liegend mit gefalteten Händen zu dem Ge­kreuzigten über ihn betend verscheidet.

In gegenwärtiger Zeit beschäftigt sich Eberhard viel mit Ausführung von Madon­nen und Zeichnungen religiöser, simbolischer Entwürfe, und genießt in seinen ho­hen Jahren noch der erfreulichsten Gesundheit.

Universal-Handbuch von München. Herausgegeben von Dr. V. Müller. München, 1845.


11-01-32 (Eberhard)