Universal-Handbuch von München (1845) / t_1613

Schnitzler, Michael.

Der k. Hoftheatermaler Michael Schnitzler, Malers-Sohn von Neuburg an der Ram­lach, wurde im Jahre 1786 geboren.

Ohne Vermögen verließ er im 18ten Lebensjahre seinen Geburtsort und begab sich nach Augsburg, woselbst er sich durch Glas- und Oelmalen seinen Verdienst such­te, die abendlichen Feierstunden aber dem Besuche der Künstler-Akademie zu Augsburg widmete und zwar mit einem derartigen Erfolge, daß er in den Jahren 1805 und 1808 seine dießfallsigen Bemühungen mit zwei ersten Preisen gekrönt sah.

Einige Jahre später begab er sich nach München und hier eröffnete sich ihm in dem damaligen Weinmüller’schen Theater eine neue Bahn als Decorations-Maler. Nach der Einäscherung dieses Theaters erhielt er den Auftrag, sowohl das k. Hoftheater vor dem Isarthore als auch das alte Hoftheater theilweise zu decoriren.

Nach einiger Unterbrechung in dieser neuen Laufbahn, während dessen er sich in der Porzellan-Malerei bei der hiesigen Porzellain-Manufaktur beschäftigte, ward er von der damaligen k. Hoftheater-Intendanz neuerdings berufen, um an der Decor­irung des jetzigen neuen Hoftheaters bei dessen Entstehen Theil zu nehmen. Um diese Zeit war es auch, daß derselbe die ersten Versuche in der Thier-Malerei machte und zwar mit so günstigem Erfolge, daß er alsbald die Aufmerksamkeit und Unterstützung hoher Gönner, namentlich Sr. Excellenz des Herrn Grafen von Rech­berg und des k. Hrn. Central-Galerie-Direktors Ritter von Mannlich erregte. Einzel­ne seiner Thierstücke erhielten den allerhöchsten Beifall des verstorbenen Königs Maximilian, dessen Huld ihm nicht nur Arbeiten in diesem Fache in der k. Menage­rie zu Nymphenburg verschaffte, sondern auch einige seiner Thierstücke für mehre­re königl. Galerien ankaufte. Schnitzlers Thierstücke gehören zu den kostbarsten Leistungen in der Oelmalerei. Die naturgetreue Darstellung und Ausführung leben­der oder getöteter Thiere sucht ihres gleichen. Besonders das Federwild, Singvö­gel, auch Hausthiere, sind von Schnitzler in solcher Meisterschaft vollendet, daß je­der Kunstkenner seine vollste Bewunderung hierüber äußert. In neuester Zeit hat Schnitzler mehrere Köpfe getödteter junger Hirsche, die gerade im Aufsetzen sind, gemalt und hat dadurch neuerdings den eklatantesten Beweis seiner Kunst abge­legt. Se. Maj. der König Ludwig kaufte jetzt erst wieder ein Gemälde dieses Meis­ters, welches »Rebhühner« darstellt. Aus unbekannten Gründen sind von Schnitzler nicht leicht Gemälde zu bekommen.

Universal-Handbuch von München. Herausgegeben von Dr. V. Müller. München, 1845.


14-02-55 (Mössmer & Schnitzler)