Universal-Handbuch von München (1845) / t_1025

Leeb, Johann,

geboren 1790 zu Memmingen, erhielt seinen ersten Unterricht bei einem Stein­metzmeister in Lindau. 1809 verließ er diese Stadt und begab sich als Steinmetzge­selle nach Winterthur, Lausanne und Genf. Im Jahre 1811 bot sich ihm Gelegenheit in der Ausführung kunstreicher Verzierungen und Kapitäler in korinthischer Ord­nung sich zu üben. Bald darauf kam er nach Paris und er fand Beschäftigung in sei­nem Fache. Später widmete er sich den Studien in der Bildnerei und besuchte Pri­vat- und öffentliche Akademien. Als Kronprinz Ludwig im Jahre 1816 in Paris war, wurde er durch den Grafen Rechberg demselben empfohlen und sodann mit der al­banischen Kunstsammlung, welche der Kronprinz angekauft hatte, nach München geschickt. Hier fand er nun ein weites Feld zu seiner Ausbildung; er arbeitete 2 Jahre lang, nach Klenze’s Entwürfen, Verzierungen und Modelle für die Glyptothek und übte sich mit großem Eifer an plastischen Entwürfen und Darstellungen. Die gelungene Ausführung eines lebensgroßen Modelles einer Leda verschaffte ihm ein Reisestipendium auf 2 Jahre, um sich in Italien ganz der Bildhauerkunst zu widmen Er ging nach Rom, und im Jahre 1819 gab er eine Bacchantin und ein Relief, dar­stellend die 3 Horen, welche den Pegasus pflegen, zur Kunstausstellung auf das Capitol. 1820 ging er nach Neapel und entwarf für den Herzog von Alba die Grup­pe des Hias mit einer Nymphe; dort fertigte er auch eine Psyche in Marmor und das Brustbild Paganinis. Er kehrte wieder nach Rom zurück, und fand im Atelier Thorwaldsens Beschäftigung; er erhielt sodann den ehrenvollen Auftrag vom Kron­prinzen Ludwig von Bayern, mehrere Brustbilder in Marmor für die Walhalla auszu­führen. Außer vielen schönen Werken wollen wir nur noch einige anführen, worin er sich besonders auszeichnete: Die Statue des Mathäus für die Grabkapelle der Höchstsel. Königin von Württemberg auf dem Rothenberg; einen schlafenden Amor für den Grafen Schönborn; dann die allegorische Darstellung der Unschuld in carrarischem Marmor, in der Gestalt eines lieblichen Mädchens mit Amoretten in ei­nem Neste, die eben flügge werden. Im Jahre 1826 führte er die Brustbilder der berühmtesten Tonkünstler für den großen Saal des Odeons aus, schmückte in der Pinakothek 2 Säle mit Reliefs nach Klenze, und vollendete 2 Statuen für das Giebel­feld der Glyptothek. Für den Grafen Bray nach Irlbach lieferte er ein 35 Fuß langes Relief in Gyps: Darstellungen aus dem Leben des Odysseus. Längere Zeit beschäf­tigte er sich mit der Ausführung von Denkmälern für berühmte und hochgestellte Männer: für den Grafen Preying in der Kirche zu Niederaschau, für die Gräfin Rech­berg in der Kirche zu Donsdorf, für Westenrieder in den Arkaden des Münchner Kirchhofes, 2 Denksteine für die berühmten Aerzte Simon und Franz Xav. Häberl, in der Vorhalle des allgemeinen Krankenhauses zu München aufgestellt. Eine kleine Statue des Admirals Miaulis, wie er sich auf den Anker stützt, in der Rechten das Fernrohr haltend, ist ebenfalls von ihm und wurde von Stiglmaier in Erz gegossen. Seine Modelle zu öffentlichen Brunnen verdienen ebenfalls rühmliche Erwähnung. Wunderschön ist die Statue eines Sohnes der Niobe, der auf dem bäumenden trefflichen Pferde sich rückwärts beugend mit der einen Hand den Todespfeil abzuwehren sucht. Zu seinen neueren Werken gehört ein Eros in carrarischem Mar­mor. Er ist stets mit der Ausführung von Aufträgen zu Brustbildern und Denkmälern beschäftigt

Universal-Handbuch von München. Herausgegeben von Dr. V. Müller. München, 1845.


07-10-15 (Leeb)