Tage-Blatt für München (18.9.1827) / t_388

Historischer Tags-Kalender.

Den 13. September 1813. Heute war jener schreckliche Tag, an welchem Abends dem Anbruche eines schwarzen Gewitters die zwei äußersten Gewölber der äuße­ren Isarbrücke einstürzten, und die Wellen gegen 100 Menschen verschlangen, wel­che das vom Hochwasser unterspülte Kaiserhaus wollten einstürzen sehen. Das Verhältniß war folgendes: In den älteren Zeiten bestand an dieser Stelle eine höl­zerne Brücke. Später wurden die Rostpfähle derselben abgeschnitten, und steiner­ne Pfeiler daraufgesetzt. Oben blieb die Brücke noch immer von Holz mit Endsbäu­men belegt, bis auch diese endlich in eine ganz steinerne Brücke verwandelt wur­de. Unterhalb der Bögen stromabwärts befand sich ein queer unter dem Wasser fortlaufender Grundbau, dessen zwei Grundbänke mit Pfählen im Materiale befesti­get, innwendig mit Läden versetzt, und vielleicht 5 Schuhe im Lichte breit mit Fa­schinen und Steinen ausgefüllt waren. Dieser Grundbau lief paralell, und eben so hoch als die Rostläden der Pfeiler, welche Rostläden damals gegen 6 Schuhe höher standen, als die Rostläden der gegenwärtigen neuen Brücke, und sohin beim nie­dersten Wasserstande öfters entblößt wurden. Zunächst dieses Grundbaues gegen den Prater zu war der Grund der Isar meistens mit Sand und Kies ausgefüllt.

Bei dem Hochwasser, welches damals eingetreten war, konnte der Strom durch die engen, zum Theile mit Holz verlegten Bögen nicht durcharbeiten, wirkte also keil­förmig abwärts, und hohlte vor allem den Kies und den Sand aus, welcher sich un­terhalb des Grundbaues angelegt hatte. Jetzt erschütterte der Strom den durch die lange Zeit vielleicht morsch gewordenen Grundbau selbst, und nahm ihn mit sich fort. Von diesem Momente angefangen, hatte der Kies, in welchem die Rost­pfähle der Brückenpfeiler standen, keinen Anhaltspunkt mehr. Der Strom durch­wühlte diesen Kies dergestalten, daß die Rostpfähle allein standen, ohne mehr im Materiale befestiget zu seyn. So stürzten endlich die Pfeiler nach, und mit ihnen zwei Brückenbögen zunächst des rechten Widerlagers, und brachten so vielen Menschen den unvermeidlichen Tod.

Anton Baumgartner als Augenzeuge eine Minute nach dem Brückenstürz, und spä­ter, als sich die Gewässer verlaufen hatten, und man in den Grund hinunter sehen konnte.

Tage-Blatt für München Nro. 74. Donnerstag, 18. September 1827.


04-01-43/44 (Reuther)