Steirische Zeitschrift für Geschichte (1905) / t_1528

Johann August Stöger, Sohn eines kinderreichen Maurermeisters, 1791 zu Stocke­rau in Niederösterreich geboren, hieß mit seinem bürgerlichen Namen Althaller und gehörte einer Familie an, deren Nachkommen in Graz heute zahlreich vertre­ten sind. Stöger war zuerst als Tenorist und Schauspieler bei dem bekannten Thea­terdirektor Johann Karl Liebich in Prag engagiert, der seit 1806 die Leitung des dortigen Landestheaters führte. Nach Liebichs Tode (1816) übernahm dessen Wit­we Johanna, geborene Wimmer, eine tüchtige Schauspielerin, die er am 13. De­zember 1803 geheiratet hatte, die Direktion der Prager Bühne. Stöger, sein Kollege Ferdinand Polawsky und Franz v. Holbein wurden ihre stillen Teilnehmer. Im März 1821 löste sie Holbein in der Direktion des Prager Theaters ab. Nun pachtete Stö­ger das Grazer Theater im Vereine mit Madame Liebich, die seine Frau geworden war, ohne den Namen ihres ersten Gatten abzulegen. Stöger pflegte in Graz, wo damals schon ein Bruder von ihm ansässig war, besonders die Oper, aber auch dem Schauspiel wandte er mehr Sorgfalt zu als die meisten seiner damaligen Kollegen. Bisher hatte der Pächter des Grazer Theaters den Ständen 5 fl. vom Ertrage jeder Vorstellung als Mietzins für das Gebäude zu bezahlen, der Theatermaler und alle anderen Dienstleute des Hauses wurden aber von den Ständen besoldet. Erst der allgemein beliebten Direktion Stöger-Liebich wurde diese Abgabe erlassen, wahr­scheinlich nach dem Brande des Theaters, als das materielle Auskommen der Direk­toren gefährdet war. Dafür aber stand von nun an das ganze Dienstpersonal im Lohne des Direktors. Stöger übernahm bald auch das Triester und 1823 noch das Preßburger Theater, so daß er in den Zwanzigerjahren drei Bühnen mit demselben Ensemble leitete. (Die bezüglichen Angaben in Wurzbachs »Biographischem Lexi­kon« und in Eisenbergs »Großem Bühnen-Lexikon« sind ungenau.) Im Jahre 1832 erst gab das Ehepaar diese anstrengende Geschäftsführung auf und Stöger über­nahm das Josefstädter-Theater in Wien, das er bis 1834 leitete. Die meisten Sänger und der Kapellmeister des Grazer Ensembles, von denen noch die Rede sein wird, folgten Stöger auf seinen Wanderungen, die sich bis Petersburg erstreckt haben sollen, von 1834 bis 1836 leitete er das Prager, 1848 bis 1852 noch einmal das Jo­sefstädter- und 1852 bis 1859 wieder das Prager Theater. In den Jahren 1858 bis 1860 war er noch stiller Kompagnon des Direktors Franz Thome in Prag und zog sich dann nach München zurück, wo er bei seiner einzigen Tochter Auguste Stöger-Lehfeld († 1866), damals bayrische Hofopernsängerin, 1861 an einem Gulasch er­stickt sein soll. Seine Frau Johanna hatte sich schon 1834 von der Bühne zurückge­zogen und war um 1850 in Wien gestorben. Eine Nichte Stögers, die später als Frau Prinz in Graz lebte, war in seinem Prager Balletensemble engagiert.

Otto Erich Deutsch: Beiträge zur Geschichte des Grazer Theaters. Steirische Zeitschrift für Geschichte. Graz, 1905.


06-13-57* (Althaller)