Stad-Frau-Bas (1869) / t_550

Die Gesellschaft »Rennklub« dahier, welche schon so viele und ehrende Beweise ih­rer theatralischen Thätigkeit gab, und deren verehrliche Mitglieder so gerne ihr Ta­lent zur Münze für fremdes Leid schlagen, wird neuerdings eine Wohlthätigkeits-Vorstellung geben, die für das Münch’ner Publikum von doppeltem Interesse sein dürfte und zu zahlreichem Besuch animiren wird.

Der junge Binder, Sohn des beliebten Schauspielers Eduard Binder, welcher so viele Jahre als engagirtes Mitglied bei Max und Johann Schweiger das Publikum durch sein gediegenes Spiel erfreute, hatte vor 14 Jahren das Unglück durch einen jähen Sturz in das Wasser gänzlich gelähmt zu werden, so daß es ihm unmöglich wurde, irgend mehr etwas verdienen zu können und er nur von der Hilfe seines Vaters lebt, der ihn mit unendlicher Sorgfalt und Geduld pflegt, aber leider, da er mit seinem kontrakten Sohn keine weiten Reisen unternehmen kann, gezwungen ist, die Direk­tion kleinerer Bühnen in Bayern zu leiten, die für einen ehrlichen Direktor nur so viel abwerfen, daß er wohl redlich seine Familien ernähren aber nicht so viel erübri­gen kann, um mit seinem kranken Sohn in das ihm vom Arzte dringend verordnete Bad reisen zu können. Um nun die Mittel zu dieser höchst nothwendigen Badreise zu schaffen, gibt die obengenannte verehrliche Gesellschaft am 20. Juli im Elysium eine theatralische Vorstellung, wobei die Hauptrolle Direktor Binder übernehmen wird. In Anbetracht des guten Zweckes und bei dem oft erprobten Mildthätigkeits­sinn der guten Münch’ner wird diese Vorstellung in unserer ohnehin armen Thea­terzeit gewiß zahlreich besucht werden, um so mehr Gelegenheit geboten ist, für einen alten Liebling etwas zu thun und sich an dessen Leistungen wieder erfreuen zu können.

Den edelmüthigen Mitgliedern des Rennklubs, sowie den wackern Besitzer des Theaters, Hrn. Gastwirth Schießl, welcher zu diesem wohlthätigen Zwecke sein Lo­kal unentgeldlich überläßt, sei von der Stadtfraubas im voraus ein dankbares »Ver­gelts Gott!« gesagt.

Stadt-Frau-Bas Nr. 29. München, 1869.


15-10-06* (Binder)