Sion (30.12.1868) / t_1466

Literarisches.

Dramen für das christliche Haus von Frau Maria Arndts in Wien. Wien und Gran. Verlag von Carl Sartori, päpstlicher und Primatialbuchhändler, 1869.

»Kunst bleibt Kunst, und auch durch einen heiligen Gegenstand wird das mit den natürlichen Kräften der Phantasie, des Gemüthes und Verstandes gearbeitete Kunstwerk noch nichts wesenhaft Heiliges (etwa eine kirchlich-religiöse Handlung), welches durchaus einen eigens ihm geweihten Ort und eigene Diener erforderte«, sagte Fräulein Emilie Ringseis in der Einleitung zu ihrer Tragödie »Sebastian«. Hie­mit dürften auch die religiösen Dramen für das christliche Haus der Frau Maria Arndts in Wien, von denen mir die dritte Abtheilung »Ostern in fünf Bildern« vor­liegt, gerechtfertiget sein. Sie sind geeignet, am häuslichen Herde, besonders der Jugend, jene Genüsse rein und erhebend zu gewähren, welche sie im Theater in der jetzt beliebten Form nicht ohne große Gefahr für ihre kostbarsten Güter su­chen kann.

Das erste Bild bringt zur Darstellung : Die frommen Frauen am Grabe des Herrn;
das Zweite: Die Wache am Grabe;
das Dritte: Die Rathsversammlung im Hause des Hohenpriesters Caiphas,
das Vierte: Die Marien am Ostermorgen;
das Fünfte: Der Gang nach Emaus.
Eine musikalische Composition »Alleluja« von Frau M. Arndts bildet den Abschluß.

Tendenz dieser Bilder ist eine Apologie der christlichen Lehre von der Auferste­hung des Herrn gegenüber den Sophismen unserer Zeit, geeignet im jugendlichen Gemüthe der Darsteller und Zuschauer einen nachhaltigen Eindruck hervorzubrin­gen. Die Sprache ist edel und einfach, jede Localität geeignet für die nothwendige Inscenirung; jede größere Familie bietet das nothwendige Personal zur Vertheilung der (4–12) Rollen. Mögen sie durch vielfache Anwendung in christlichen Familien und Erziehungsanstalten erbauen und erfreuen.

Sion Nr. 105. Eine Stimme in der Kirche für unsere Zeit. Mittwoch, 30. Dezember 1868.


ML-335* (Arndts von Arvensberg)