Schweizerische Bauzeitung (1885) / t_1199

Necrologie.

† Alois von Röckl. Am 1. v. M. starb zu München in Folge eines Gehirnleidens der bayerische Eisenbahndirector a. D. Alois von Röckl im kaum vollendeten 64. Le­bensjahre. Mit ihm ist ein Ingenieur von hervorragender, wissenschaftlicher Bil­dung, grossem Organisationstalent und durchdringendem Scharfblick aus dem Le­ben geschieden. Röckl hatte zuerst Philosophie, dann Medicin studirt und trat erst später von der Universität an die Münchener polytechnische Schule über, wo er sich den technischen Studien mit ausserordentlichem Erfolge hingab. Gleich am Anfang seiner practischen Thätigkeit, als technischer Gehülfe der Eisenbahnbau-Commission, vervollkommnete er das von Ingenieur Bruckner erfundene sogenann­te Massen-Nivellement; im Jahre 1853 wurde er zum Betriebsingenieur in Neu-Ulm ernannt und 1857 nach Augsburg versetzt, erbaute er die Eisenbahn von Nördlin­gen an die württembergische Grenze. Im Jahre 1863 zum Vorsteher des neu errich­teten Projectirungsbüreaus der Generaldirection der bayerischen Verkehrsanstalten gewählt, entfaltete Röckl eine umfassende Thätigkeit; erstellte zuerst den Grund­satz auf, dass bei der Projectirung von Eisenbahnlinien nicht allein die Baukosten, sondern diese sammt den capitalisirten Betriebskosten ein Minimum ergeben sol­len. Nach diesem Grundsatz projectirte und baute er später eine Reihe neuer Lini­en. Inzwischen war er 1866 zum Bezirksingenieur, 1868 zum Oberingenieur, 1869 zum Generaldirectionsrath und 1874 zum Baudirector befördert worden und es wurden unter seiner Leitung allein 18 Hauptbahnlinien und 11 Vicinalstrecken aus­geführt und der Bau resp. Umbau von neun der grössten bayerischen Bahnhöfe in’s Werk gesetzt. In diese Zeit fallen auch die von Röckl in der Zeitschrift für Baukunde (Jahrgang 1880) veröffentlichten Versuche über die Widerstände der Eisenbahn-Fahrzeuge bei ihrer Bewegung in den Geleisen, welche als eine mustergültige Ar­beit betrachtet werden können. Wegen seiner stark angegriffenen Gesundheit musste Röckl im Jahre 1881 um seine Versetzung in den Ruhestand einkommen, die ihm unter Anerkennung seiner grossartigen Verdienste um das bayerische Ei­senbahnwesen ertheilt wurde.

Schweizerische Bauzeitung. Wochenschrift für Bau-, Verkehrs- und Maschinentechnik. Organ des Schweiz. Ingenieur- und Architekten-Vereins und der Gesellschaft ehemaliger Studirender des eidg. Polytechnikums in Zürich. Herausgegeben von A. Waldner. V. Band. Zürich, 1885.


12-13-42/43 (Röckl & Wening-Ingenheim)