Salzburger Volksblatt (4.10.1929) / t_1716

Aus dem bayrischen Nachbarlande.

Eine Altmünchener Künstlerfrau gestorben. In München starb im 81. Lebensjahr nach kurzer Krankheit Frau Mina Gedon, die Witwe des bekannten Bildhauers und Erbauers der alten Schack-Galerie. Das Leben Frau Gedons fiel in die glanzvollste Periode des Münchener Künstlertums. Ihr Gatte war schon 1883 gestorben. Auf dem Künstlerfest früherer Zeit erschien Frau Gedon als eine der bekanntesten und reizvollsten Figuren. Berühmt ist das Gemälde, das Fritz August Kaulbach von ihr schuf. Auch Lenbach hat sie wiederholt gemalt. Ein Porträt, das Wilhelm Leibl von ihr malte, begründete den internationalen Ruhm seines Schöpfers. Das Bid erlebte mancherlei Schicksale, tauchte vor dem Weltkrieg in Paris auf und wurde daselbst in einer Auktion in heißem Kampfe von einer Münchener Kunsthandlung ersteigert, die es der bayerischen Staatsgalerie zum Geschenk machte, wo es sich heute befin­det. Frau Gedon hinterläßt fünf Kinder, von denen sich mehrere dem Künstlerberuf widmeten.

Salzburger Volksblatt Nummer 228. Freitag, den 4. Oktober 1929.


ML-356 (Gedon)