Regensburger Zeitung (30.1.1833) / t_1955

Vermischte Nachrichten.

München, den 26 Jan. Der als ein neues Opfer der unseligen Duellwuth gefallene Junker, Heinrich Baron von Keßling, Neuve Sr. Excell. unsers allgemein verehrten königlichen Oberststallmeisters Frhrn. von Keßling, welcher vorgestern Nachmittag 5 Uhr mit den seinem Range und Stande angemessenen Ehrenbezeugungen unter großem Zudrange des Volkes begraben wurde, wird allgemein bedauert. So viel man noch über diese traurige Geschichte vernimmt, hatten die Duellanten zu gleicher Zeit geschossen, wobei die eine Kugel dem Wallachen durch den Hut gegangen ist. Die Brustwunde des Gefallenen war absolut tödtlich, und der bei diesem Vorfall anwesende Arzt verließ den Unglücklichen erst dann, als er verschieden war; alle andern Gerüchte haben sich unbegründet befunden. Wie viele Opfer werden wohl noch fallen müssen, bis es der gesetzlichen Macht oder der Vernunft gelingt, diese wahnsinnige Selbsthülfe, dieses abscheuliche Ueberbleibsel aus dem barbarischen Zeitalter des Faustrechts, welches die Gesittung, das Gesetz und das Menschenrecht in gleichem Grade so tief verletzt, zu verdrängen und auszurotten?

Regensburger Zeitung Nro. 26. Mittwoch, 30. Januar 1833.


↑ AA-23 (Kesling)