Regensburger Zeitung (29.6.1852) / t_234

München. Allgemeines Bedauern erregt ein Unglück, welches dieser Tage eine jun­ge Bürgersgattin von hier in Neuötting betraf. Die erst vor Kurzem mit dem Sohne des Zengerbräu Hrn. Hirl verehelichte 18jährige Tochter des Bierbrauers zum Fa­ber, welche mit einer gleichfalls verheiratheten jungen Tochter des Hackerbräu in genanntem Orte verweilten, fuhren unmittelbar nach Tisch an dem Flusse Isen vor­bei, von dessen klarem Wasserspiegel sie sich zum Baden eingeladen fühlten. Sie ließen den Kutscher in einiger Entfernung halten, entkleideten sich rasch und gin­gen ins Bad. Frau Hierl wurde aber, kaum ins Wasser gelangt, von einem Krampfe befallen, ging unter und ertrank. Ihre Begleiterin, selbst vom Schrecken ohnmäch­tig, könnte nur noch schwach um Hilfe rufen, worauf der Kutscher herbeieilte, ohne dessen Beistand auch sie ein Raub der Wellen geworden wäre. Beide Frauen sind heute hier angelangt, erstere als Leiche, letztere schwer erkrankt.

Regensburger Zeitung No. 177. Dienstag. 29. Juni 1852.


MR-115 (Hierl)