Regensburger Tagblatt (22.12.1853) / t_1765

– Vollstreckung des Todesurtheils an dem Muttermörder Jakob Englhart, Bauers­sohn von Schattenhofen. Trotz kaum durchdringlich dichtem Nebel und 9 Grad Käl­te strömte schon zeitig eine namhafte Volksmenge nach den Straßen, durch welche der Armesünder zu kommen hatte. Jakob Englhart, welcher mit wahrer Reue im Herzen und Ergebenheit in sein trauriges Schicksal in heutig früher Morgenstunde aufrichtige Beichte abgelegt und hierauf das heil. Abendmahl gereicht erhielt, be­stieg gegen halb 9 Uhr Vorm. den mit gewöhnlicher Bedeckung umgebenen Ar­mensünderwagen. Er war, wie herkömmlich, im Armensünderrocke angethan, übri­gens sorglich vor Kälte geschützt. Zwei über Brust und Schultern hängende Tafeln bezeichneten sein gräßliches Verbrechen, »wegen qualifizirten Mordes.« Der Un­glückliche verwandte auf dem ganzen Wege kein Auge von den ihm gegenüber ge­sessenen beiden Seelsorgern, deren fromme Trostsprüche er mit großer Andacht anhörte und öfters laut mitbetete. Am Stadtgerichtsgebäude angelangt erfolgte in Anwesenheit der kgl. Vollzugskommission durch den Stadtgerichtsfunktionär Frhr. v. Poißl mit lauter, gut betonter Stimme die öffentliche Verlesung des Todesur­theils, nach welcher über den Verurtheilten der Stab gebrochen und ihm zu Füßen geworfen wurde. Von da ab fuhr in offener Chaise vor dem Armensünderwagen die kgl. Gerichtskommission, der kgl. Kreis- und Stadtger.-Rath Hr. Weichsler, dessen Aktuar Muckenthaler und der kgl. Gerichtsarzt Hr. Prof. Dr. Hofmann mit dem Zuge nach der Richtstätte. Englhart blieb rüstig bis zum letzten Augenblick. Mit verbun­denen Augen geführt von den Wasenmeistern G. Schmid von Augsburg (Vorführer) und Jos. Schnellinger von Untersendling, (welcher auf dem Wagen hinter Engelhart gestanden) bestieg er standhaft das Schaffot. Kaum auf den Stuhl gebracht, trenn­te Ein von dem Nachrichter Schellerer sichergeführter Schwertstreich sein Haupt vom Rumpfe. Sein Leichnam wurde sofort in den Sarg und nach der Anatomie ge­bracht. Die von Hrn. Cooperator Schmidbauer hierauf gehaltene Rede hielt durch die treffliche Durchführung des gewählten Themas: »Ehre deine Mutter alle Tage deines Lebens, und vergiß nie, was sie deinetwegen ausgestanden«, die das Schaf­fot umstehende Menge bis zum Schlusse gefesselt. – Die traurige Execution ging heute mit außergewöhnlicher Raschheit vor sich, was bei der unfreundlichen, kalten Witterung die vollkommenste Anerkennnung verdient, Der Richtplatz und der Platz vor dem Stadtgerichtsgebäude waren von Infanterie umstellt. Die Seitens der k. Polizei wie der k. Stadtkommandantschaft umfassend getroffenen Sicherheitsmaß­regeln ermöglichten, daß trotz der Volksmenge auch kein Unfall zu beklagen war. (N.N.)

Regensburger Tagblatt Nr. 352. Donnerstag, 22.12.1853.


12-07-08* (Engelhard)