Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (6.3.1850) / t_1280

München, 5. März. Gestern Abends 5 Uhr fand die bereits gemeldete Transferirung der Gebeine des Ritters v. Schwanthaler, Professors der Akademie der bildenden Künste etc. etc. in seine ihm vom König Ludwig bestimmte Gruft unter den Arka­den des neuen Friedhofes auf ebenso feierliche als den Verblichenen ehrende Wei­se statt. Tausende und Tausende aus allen Ständen waren schon um die vierte Abendstunde nach dem Friedhofe geströmt, um diesem Traueracte anzuwohnen. Gegen ½5 Uhr ward der Sarg, welcher die Gebeine des als Mensch und Künstler im Leben so hochgefeierten Mannes bewahrte, aus der Gruft des Domkapitels – unter den Arkaden des alten Friedhofes, in welcher derselbe vor. Jahr provisorisch beige­setzt wurde – gehoben und unter den Hallen Eingangs des neuen Friedhofes feier­lich ausgesetzt.

Uniform-Hut und Degen, sowie ein Lorberkranz schmückten den Sarg, 18 Künstler, 12 mit brennenden Wachslichtern, von denen 6 mit weißen, 6 mit schwarzen Flören über die Schultern (letztere aus Schwanthalers Atelier) umgaben den Sarg, zu wel­chem sich dichte Menschenmassen drängten, dem im Leben so hoch geachteten und geliebten Manne nach religiösem Gebrauche Weihwasser spendend. Nach 5 Uhr begann der feierliche Traueract mit kirchlicher Aussegnung, den Leichenzug er­öffnten über hundert Künstler der Akademie, welche sich bereits mit brennenden Fackeln im neuen Friedhofe aufgestellt hatten, denen sich die Geistlichkeit von St. Peter mit Choralbegleitung anschloß, dieser folgte der wie vor erwähnt ge­schmückte Sarg, getragen von 6 Künstlern der Akademie, mit weißen Florschärpen über den Schultern, zur Seite obengenannte 12 Künstler mit brennenden Wachs­lichtern und hinter demselben die Verwandten, Freunde und Verehrer des Verbli­chenen in namhafter Anzahl, dann Beamten, eine Deputation des Magistrates u. der Gem.-Bevollm., welchen sich zahlreiche Teilnehmer aus allen Ständen ange­schlossen hatten. Der lange Zug bewegte sich durch den mittleren Weg bis zum Bassin, bog dann nach der linken Seite, von welcher derselbe nach der bereits mit Blumen und Kränzen und mit des Verblichenen Büste geschmückten Gruft zurück zog, worauf sich die Künstler mit ihren Fackeln in großem Kreise vor derselben auf­stellten. Als der Sarg dort angelangt war, ward derselbe mit einem Lorbeerkranze geschmückt u. unter kirchlichen Ceremonien in dieselbe feierlich eingesenkt.

Dieser Handlung folgte eine Grabrede, in welcher der ehrende Character des Man­nes, dessen Gebeine eben hier bestattet worden, dessen Verdienste, welche für die Nachwelt durch seine Kunstwerke fortleben, und daß und wie aber der biedere Verblichene im Leben geliebt und geehrt gewesen, die hier zahlreich versammelten Theilnehmer aus allen Ständen glänzend bethätige, mit gediegenen Worten ge­schildert wurden. Das hierauf gefolgte übliche Vaterunser schloß den kirchlichen Traueract. Nun ertönte zur Seite der Gruft, unter den Arkaden, ein ergreifender Trauergesang mit Instrumentalbegleitung, von der hiesigen Liedertafel ausgeführt, welchem noch weitere Grabmusik (Blechinstrumente) folgte. Die Wirkung des Ge­sanges, sowie der Blechmusik, beides unter den Arkaden ausgeführt, war wahrlich mächtig und tief ergreifend. Nach geschlossener kirchlichen Feier wurden die Fa­ckeln auf demselben Platze, wo sich die Künstler aufgestellt hatten, zusammenge­worfen und verbrannt.

Das herrlichste Wetter hatte die über eine Stunde gewährte Trauerfeierlichkeit be­günstigt. Auch die seit v. J. unter den Arkaden des alten Friedhofes aufgestellte Büste Schwanthalers war von sinniger Hand mit Kränzen geziert. – Des Nachmittags wurden drei blutjunge Burschen von dem alten Friedhofe, woselbst sie des Ta­schendiebstahls auf der That erwischt wurden, zusammen gekettelt auf die Polizei gebracht. – Heute schmückt Schwanthalers Gruft: dessen Büste ein Lorbeerkranz auf dem Haupte und Kränze an dem Sockel.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nro. 65. Mittwoch, den 6. März 1850.


NA-001 (Schwanthaler)