Neues Kunst- und Gewerbeblatt (14.5.1825) / t_52

Nekrolog.

Alois Ammann, Sohn des k. Landes-Direktions-Raths und Ritters des Civil-Verdienst­ordens von Ammann zu Dillingen, war 1780 zu Sonthofen in Schwaben geboren. Er studierte die Rechte zu Landhut, und bestand 1805 bei der churfürstlichen Landes­direction zu Ulm eine Prüfung mit sehr rühmlichem Ergebniß. Noch in demselben Jahre erfolgte seine Anstellung als Strassen und Wasserbau – Inspektor zu Kemp­ten. Von da wurde er als Ober-Inspektor nach Straubing, und 1814 als Direktor nach Ansbach befördert. Er bewährte sich in dieser öffentlichen Wirksamkeit immer als treuer, geschickter und fleißiger Staatsdiener, seinem Vaterlande und dem Mo­narchen ergeben, offen und bieder gegen Jedermann, stets bereit seinen Mitbür­gern nützlich und gefällig sich zu erweisen. In Widerwärtigkeiten gefaßt, ertrug er mit der Kraft eines Mannes, so manche Unbill, im beruhigenden und tröstenden Gefühl seiner Unschuld. Seine Vorgesetzten schätzten an ihm seine strenge Pflicht­erfüllung: seine Mitbürger ehrten sein thätiges Bestreben gemeinnützig zu wirken, und achteten die ihm angeborne Redlichkeit und Dienstfertigkeit: seine Freunde liebten ihn desto inniger, je genauer sie ihn kannten.

Als im Jahre 1821 die Anlegung einer polytechnischen Sammlung beschloßen wur­de, erhielt Ammann die Stelle eines Conservators derselben. Da dieses Geschäft seinen Fähigkeiten und Neigungen vollkommen angemessen war, so unterzog er sich demselben mit wahrhaft leidenschaftlicher Vorliebe, und seinem unermüdeten Eifer ist es ohnfehlbar vorzüglich zu verdanken, daß diese Sammlung technischer Modelle, eine wahre Zierde der Residenz, in sehr kurzer Zeit einen Grad von Voll­ständigkeit erreicht hat, der sie mit den besten dergleichen Anstalten des Auslan­des in gleiche Linie stellt. Jedermann besieht dieses reiche Kabinet künstlicher Ma­schinen und Werkzeuge älterer und neuerer Erfindungen mit Vergnügen und Be­wunderung, Viele mit Belehrung und Nutzen. Aber es ist billig, hier öffentlich anzu­erkennen, daß das schnelle und vollständige Zusammenbringen, Herstellen und Ordnen dieser vielen allenthalben zerstreut – und zum Theil mehr oder weniger be­schädigt – gewesenen Gegenstände besonders dem emsiges Betrieb und den Kenntnissen den Conservators zuzuschreiben ist. Auch das gedruckte systemati­sche Verzeichniß dieser Sammlung war sein Werk. Wer die manchfaltigen Schwie­rigkeiten solcher Beschäftigungen kennt, wird die Bemühungen mit dankbarer Ach­tung erkennen, womit der thätige Vorsteher diese Staats-Anstalt ihrer nützlichen Bestimmung gemäß einrichtete, und in kurzer Frist so praktisch hinstellte, daß sie den beabsichteten Nutzen gewährt.

In diesem sich gleichsam geschaffenen Wirkungskreise bewegte sich Ammann mit dem lebendigen Bestreben, die Sammlung immer mehr zu vervollkommnen, beson­ders sie ihrer ersten und würdigsten Bestimmung für den Gewerbsstand zuzueig­nen.

Mit der Bereitwilligkeit eines väterlichen Freundes und Rathgebers nahm er Jeden auf, der dort Belehrung suchte, und es war ihm nicht bloß ein Vergnügen, sondern wahres Bedürfniß, lehrbegierigen Gewerbsbeflissenen überhaupt, und den Bauge­werks-Schülern insbesondere, die Beschaffenheit, Anwendung und Vortheile dieser mechanischen Geräthschaften zu erklären, und sie aus seiner Wissenschaft und viel­seitigen Erfahrung und Beobachtung zu belehren. Er suchte ausgezeichnete Profes­sionisten in ihrem Werkstätten auf, ermunterte sie, machte ihre Vorzüge bekannt, und strebte, ihnen in jeder Hinsicht förderlich zu seyn.

Hierzu benutzte er denn auch das Kunst- und Gewerbblatt, dessen Redaction ihm der polptechnische Verein, als ihrem dazu ganz qualifizieren Mitgliede, vom Anfang des Jahres 1823 an übertragen hatte. Es würde zu weit führen, hier alles dasjenige zum Lob dieser Wochenschrift zu sagen, was man der Wahrheit schuldig ist. Aber übergehen darf man nicht, daß ein großer Theil der allgemein anerkannten Vorzü­ge derselben dem Herausgeber gebührt, der, von dem Wunsche beseelt, vaterlän­dische Industrie zu befördern, alle Kräfte aufbot, diesem erhabenen Zwecke unse­rer preiswürdigen Regierung dadurch zu entsprechen.

Diesem lebhaften patriotischen Vorsätze eines nur für seinen Beruf lebenden, wohl­wollenden und verständigen Mannes lohnte bereits günstiger Erfolg, und manche Frucht wird seiner Saat noch künftig verdankt werden.

Nur die rastlose Thätigkeit eines für seine Pflicht mit Enthusiasmus erfüllten Man­nes, seine Verbindungen mit den Beschützern und mit den im ganzen Königreich zerstreuten Mitgliedern des polytechnischen Vereins, dem seine Anregungen im­mer mehr Theilnehmer gewannen, seine Bekanntschaften im Auslande, seine Sprachkenntnisse, welche ihm die Uebertragung fremder Erfindungen und Entde­ckungen im weiten Gebiete der Technik erleichterten: nur ein Zusammentreffen so vieler schätzbarer Eigenschaften, Talente und Hülfsmittel, mit Kraft und Wille, mit Beharrlichkeit und Consequenz gepaart, konnten ein so ergiebiges Resultat bewir­ken.

Kurz war seine Laufbahn in diesem großen gemeinnützigen Kreise: aber reich war die Summe seines Wirkens, Durch jenes von ihm eingerichtete Maschinen-Modell-Kabinet hat er sich ein Denkmal gestiftet; und die Leser dieser Blätter werden sei­nem darin entwickelten, redlichen Streben für das allgemeine Wohl dankbar Ge­rechtigkeit widerfahren lassen.

Eine kurze nur acht Tage lange Krankheit führte am 29. April dieses Jahrs den Tod dieses erst in seinem 45ten Jahre gestandenen Mannes so schnell als unerwartet herbei. Ein starker Körperbau, ungeschwächte Kraft, geregelte Lebensweise, ein sorgenfreies Auskommen für mäßige Bedürfnisse, ein glückliches, häusliches Ver­hälniß, ein heiteres, lebensfrohes Gemüth, und ein seinen Wünschen und Fähigkei­ten gleich sehr entsprechender, öffentlicher Beruf, die volle Zufriedenheit seiner Vorgesetzten, die allgemeine Achtung seiner Mitbürger, und die Ergebenheit sei­ner Freunde und Bekannten, so viele wünschenswerthe, selten so vollständig und in so reichem Maas vereinigte Güter hatte die Vorsehung ihm gegeben, und wer mochte folglich wohl einer langen glücklichen Zukunft vertrauungsvoller entgegen zu sehen sich für berechtigt halten, als Er! Das Schicksal, dessen dem Sterblichen oft hart und unbegreiflich scheinende Schlüsse schweigend zu ehren Religion und Vernunft gebieten, beschloß es anders. Milde und schonend, ohne körperliche Lei­den, und der herben Trennung von den Seinigen unbewußt, entrückte sein Genius ihn sanft der Erde. Seine letzten unwillkürlichen Aeusserungen waren noch Anklän­ge an eine unvollendete Berufs-Arbeit; so stark hatten Pflicht und Liebe für das all­gemeine Beste sein ganzes Wesen beherrscht.

In ihm verliert der König einen rechtschaffenen Diener und treuen Unterthan, der Staat einen patriotischen Bürger, die Wissenschaft einen unterrichteten Beförderer, der Gewerbsstand einen thätigen, sachverständigen Rathgeber, sein Amt einen ge­wissenhaften Verwalter, seine Freunde einen aufrichtigen, theilnehmenden Freund. Eine zärtliche Gattin und vier zum Theil noch unerzogene hoffnungsvolle Kinder stehen an seinem Grabe: ihr Schmerz hat keine Grenzen, sie fühlen ihren Verlust in seiner ganzen Größe.

Seine Königliche Majestät, gewohnt jeden Tag Ihres theuern Lebens mit Beweisen väterlicher Huld und Grosmuth zu bezeichnen, hatte kaum von dem harten Loos dieser verwaißten Familie Nachricht erhalten, als Allerhöchstdieselben auch so­gleich durch ausserordentliche Hülfe die unglücklichen Hinterbliebenen trösteten, und dadurch die Regungen Ihres eigenen, wahrhaft königlichen Herzens befriedig­ten.

Möchten doch die zahlreichen Freunde des Verblichenen ihr demselben gewidme­tes Wohlwollen, zur Ehre seines Andenkens auf jede Weise der Familie zuwenden, welche thätiger Beihülfe so würdig als bedürftig ist. W.

Neues Kunst- und Gewerbeblatt Nr. 20. Herausgegeben von dem polytechnischen Verein für Baiern. München, den 14. Mai 1825.


01-01-07 (Ammann & Geromiller & Hopmann)