Neues allgemeines Künstler-Lexicon (1835) / t_573

Boos, Roman Anton, Bildhauer, geb. zu Roshaupten bei Füssen 1730, gest. zu Mün­chen 1810. Er lernte bei A. Sturm zu Füssen, ging dann auf Reisen, und arbeitete einige Zeit bei J. B. Straub in München und bei Verhelst in Augsburg. Später ging er nach Wien, um an der k. k. Akademie der Künste seine künstlerische Bildung zu vollenden, und er erreichte auch durch das Studium von guten Mustern keine unbe­deutende Höhe seiner Kunst. Nach seiner Rückkehr ins Vaterland wurde er chur­fürstlicher Hofstatuar und Professor an der Akademie der Künste zu München, und theilte nun zwischen dem Unterrichte und der praktischen Ausübung der Kunst sei­ne Zeit.

Boos hinterliess mehrere Werke, in Statuen und Epitaphien bestehend, die zwar nicht im reinsten Geschmacke gearbeitet sind, aber dennoch Verdienste haben. Un­ter die vorzüglichsten gehören die vier colossalen Marmor-Statuen an der Facade der St. Cajetans-Hofkirche zu München, und die acht Statuen aus Holz, welche ehe­dem die Arcaden des k. Hofgartens zierten. Sie sind 9 Fuss hoch und nach den Zeichnungen des Peter Candito verfertiget, die grössere Zahl aber musste glänzen­deren Unternehmungen weichen, indem der kunstsinnige König Ludwig die er­wähnten Arcaden in eine Gallerie trefflicher Frescomalereien umschuf. In der ehe­maligen Klosterkirche zu Fürstenfeldbruck sind von ihm die 13 Fuss hohen Holzsta­tuen Ludwig des Bayers und Herzogs Ludwig des strengen, und sein Werk ist auch die Kanzel in der Metropolitankirche zu München, und etliche Epitaphien daselbst.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeich­ner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter etc. Bearbeitet von Dr. G. K. Nagler. München, 1835.


SK-W-1 (Boos)