Neuer Nekrolog der Deutschen (1854) / t_276

Ferdinand v. Kobell, Assessor der Generaldirektion der königl. bayer’schen Ver­kehrs-Anstalten zu München; geb. den 12. Jan. 1798, gest. den 17. Sept. 1852.

München ist sein Geburtsort, wo sein Vater, der rühmlichst bekannte Maler Wilhelm v. Kobell, als Professor der Akademie der bildenden Künste lebt; seine Mutter, eine geb. v. Krempelhuber, aber vor 13 Jahren ihm im Tode vorausging. Nach vollende­ten Gymnasialstudien besuchte v. K. die Akademie der bildenden Künste und wid­mete sich dem Fache der Architektur, welches er aber nach kurzer Zeit wieder ver­ließ, um sich zu einer Anstellung im königl. Postdienste vorzubereiten, wofür er auch sodann die vorgeschriebene Prüfung bestand und am 20. Dec. 1816 den Po­stacceß erhielt. Er hatte sich nun mit allem Fleiße den ihm obgelegenen Geschäf­ten gewidmet und ward unterm 23. Juli 1822 als Oberpostamtsofficial angestellt. Am 1. Jan. 1837 erfolgte hierauf seine Beförderung zum Coursbeamteten bei der Generaladministration der Posten, und am 4. Juli 1843 zum Assessor und ersten Coursbeamteten dieser Centralstelle, welche in neuester Zeit die Benennung »Ge­neraldirektion der königl. bayer. Verkehrs-Anstalten« erhielt. v. K. war von ausge­zeichneten Kenntnissen im Postcourswesen und von ausdauerndem Fleiße in sei­nen Berufsgeschäften, von unerschütterlicher Treue und Anhänglichkeit an seinen König und sein Vaterland. Er zeigte sich im Umgange als treuer Freund seiner Freunde, und es gewährte ihm das größte Vergnügen, Ändern gefällig seyn zu kön­nen. Zumal in geselligen Kreisen, wo er seiner heiteren Laune wegen sehr beliebt war, wurde sein schnelles Hinscheiden – die Folge einer geringfügigen Veranlassung – lebhaft bedauert. Es entfiel nämlich seiner Hand eine Scheere in den Fuß. An­fangs wenig auf die kleine Verletzung achtend, ging er seinen Geschäften nach, als sich daraus in Kurzem eine Venenentzündung bildete, welche, jeden Versuch einer Rettung vereitelnd, binnen wenigen Tagen seinem Leben ein Ende machte. Nach 8jähriger glücklicher Ehe wird er von einer ihn zärtlich liebenden Gattin, einer geb. Binder, Senatorstochter aus Hamburg, von drei hoffnungsvollen Kindern und von zahlreichen Verwandten und Freunden tief betrauert.

Neuer Nekrolog der Deutschen für das Jahr 1852. Weimar, 1854.


23-13-20/21 (Kobell)