Neuer Nekrolog der Deutschen (1835) / t_1364

71. Wilhelm Urban,
königl. Hofschauspieler zu München;
geb. im J. … , gest. d. 28. Febr. 1833 (Abendzeitung 1833, N. 33.)

Er war einer der genialsten Schauspieler Deutschlands, und starb in dem noch nicht vollendeten 39. Jahre seines Lebens. Auf ihn kann man wörtlich anwenden, was von dem größten Schauspieler, dessen die Bühne sich je erfreut hat, von Garrick gesagt wurde: »Er war klein von Person, aber wohl gebaut und gut gebildet, hatte schwarze, lebhafte Augen und eine reine melodische Stimme. Seine Gestalt, seine Mienen hatte er auf das bewundernswürdigste in seiner Gewalt; jede Leidenschaft stand ihm zu Gebote, Alles war an ihm voller, treffender Ausdruck derselben«. Da­her war er auch gleich groß im Tragischen wie im Komischen. Uebrigens verband Urban mit mit einem feurigen Geiste eine lebhafte Phantasie, einen durchdringen­den Scharfsinn in der Auffassung dramatischer Werke und alle Mittel zu einer voll­endeten Darstellung. Den berühmten Monolog Hamlet’s »Sein oder Nichtsein u. s. w.« trug er unübertrefflich vor.

Urban hinterläßt eine Witwe und 8 unmündige Kinder. Seine Krankheit, die über 4 Monate währte, war äußerst schmerzhaft.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1835.


25-10-40 (Mayer & Urban)