Neuer Nekrolog der Deutschen (1830) / t_420

Karl August Freiherr von Seckendorf, königl. baier. Reichs- und Staatsrath und Prä­sident des protestantischen Ober-Consistoriums zu München, Großkreutz des Civil-Verdienstordens der baier. Krone; geb. im J. 1773, gest. d. 6. März 1828.

Er ward im J. 1800 als Assessor am Reichskammergericht zu Wetzlar angestellt und trat bei der 1806 erfolgten Auflösung desselben mit mehrern Andern in baier. Dienste, wo er 1807 zum Vice-Präsidenten des Hofgerichts zu Bamberg und bei der folgenden Jahres geschehenen Organisation zum Präsidenten des Appellationsho­fes für den Mainkreis vorrückte. – Bei der Ministerial-Organisation von 1817 zum wirklichen Staatsrath ernannt, war der als solcher in der Sektion der Justiz ange­stellt und in der Folge bei Errichtung des protestantischen Oberconsistoriums zum Chef-Präsidenten desselben ausgewählt. In dieser höchst bedeutenden Würde (Bai­ern zählt bekanntlich mehr als eine Million Protestanten unter seinen Bewohnern) war er zugleich gesetzliches Mitglied der Kammer der Reichsräthe, wo er durch ein kluges Verhalten jederzeit das Interesse seiner Kirche mit dem der katholischen in Uebereinstimmung zu bringen suchte. Bei der Regierungsveränderung von 1825 aus der Reihe der wirklichen Staatsräthe in permanente Quieszenz versetzt, behielt er doch bis zu seinem erfolgten Tode die Stelle eines Präsidenten des Oberconsis­toriums bei.

Neuer Nekrolog der Deutschen (1830).


MR-112 (Seckendorf)