Neuer Nekrolog der Deutschen (1829) / t_1786

130. Johann Nepomuk Graf v. Triva,

königl. baier. General der Artillerie, ehemaliger Kriegsminister u. Staatsrath, Groß­kreuz des Militär-Max. Josephs u. des Civil-Verdienstordens der baier. Krone, Kapi­tular des Ordens vom heil. Hubertus, Groß-Offizier der franz. Ehrenlegion u. Ritter des russ. St. Annenordens 1r Klasse zu München; geb. d. 20. Sept. 1755, gest. d. 8. April 1827.

Wenn große Männer vom Schauplatz abtreten und die Stufe verlassen, auf die sie Verdienst oder Geburt gestellt hat, dann folgt ihnen die Geschichte zu Grabe und zeichnet dort nach dem Ausspruche der Hinterbliebenen ihre Thaten auf. Dem ver­ewigten Grafen von Triva, diesem langjährigen und treuen Diener des baierschen Hauses ist sein Vaterland großen Dank schuldig geworden. Er war zu München ge­boren; die Familie Triva stammt aber eigentlich aus Italien, von der ein Glied dersel­ben, der Hofrath Askan Triva, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in Baiern erst geadelt wurde. Sein Enkel war so glücklich, daß er seiner Voreltern bürgerliche Ab­kunft gänzlich vergessen machte. In den ersten Feldzügen gegen die französische Republik sehen wir ihn schon als Obersten und Chef eines Infant.-Reg. und nament­lich im Feldzuge vom J. 1799 als Befehlshaber des baier. Kontingents in der Reichs­festung Philippsburg. Die schöne Vertheidigung dieses Platzes wird dem Grafen Salm, dem damaligen Gouverneur, stets zur Ehre gereichen, von der jedoch auch ein Theil dem Hrn. v. Triva zukommt. Im Feldzuge des J. 1800 wohnte er der Schlacht von Hohenlinden bei und wurde hierauf nach wiederhergestelltem Frieden zum Brigadegeneral und Generalquartiermeister ernannt. Im März 1804 vertraute ihm der Kurfürst, sein Herr, den hohen Posten als Vorstand des Geheimen-Kriegs­büreaus, welches im J. 1808 die Benennung »Ministerium der Armee« erhielt. Auch jetzt blieb dem zum Generallieutenant vorgerückten Offiziere wieder das Porte­feuille dieses Ministeriums, jedoch nur mit dem Titel eines Minister-Staatssekretär, da sich der König selbst noch die persönliche Leitung des Kriegswesens vorbehielt. Doch zwei Jahre darauf übertrug ihm der König die ausschließliche Leitung des Kriegswesens des Reiches, ernannte ihn zum Beisitzer des Staatsrathes und wirkli­chen Kriegsminister, wie er ihn früher schon zum Großwürdenträger zweier Orden erhoben hatte.

In den Tagen der rheinischen Conföderation, der sich manche unserer Zeitgenos­sen mit Schmerz erinnern, weil sie nur der Uebel, aber nicht der Vortheile dersel­ben gedenken, in jener glanzvollen Periode, wo Baierns tapfere Krieger so oft Ruhm und Ehre ernteten, zierte der Kaiser Napoleon, die Verdienste v. Triva’s anerkennend, ihn mit dem großen Bande der Ehrenlegion.

Als die Verbindung mit Frankreich ihr Ende erreicht hatte und der Austritt des Gra­fen Montgelas aus dem Ministerium eine gänzliche Veränderung in der Staatsver­waltung erwarten ließ, behielt dennoch v. T. sein Portefeuille, bis ihn endlich fort­dauernde Kränklichkeit zwang, im J. 1823 um seine Entlassung aus dem Staats­dienste nachzusuchen, die ihm der König in den huldvollsten Ausdrücken zuge­stand. Was v. T. während der 20 J. seiner Verwaltung für das Wohl des Vaterlandes gethan, wie er, unbeschadet der Verdienste des Feldmarschalls Fürsten Wrede, so wesentlich zur Umgestaltung der Streitkräfte Baierns wirkte, wie er die Errichtung der Nationalgarden und der Landwehr anordnete, die Kriegsschulen verbesserte, Militärwittwen und Waisenfonds begründete und was er überhaupt für den Ruhm des baier. Heeres geschaffen, wird das dankbare Vaterland nie vergessen, wie ihn auch der König in Berücksichtigung seiner großen Verdienste im Dec. 1816 in den Grafenstand erhob und die letzten Jahre seines Ministeriums noch mit dem Huber­tusorden zierte. Die letzten Jahre seines Lebens bildeten ein ununterbrochenes Krankenlager. Sein hohes Alter und die allgemeine Entkräftung ließen kein Aufkom­men mehr gedenken und so starb er denn alt und lebensmüde – ergeben in den Willen des Höchsten. Wir haben bereits der weltbürgerlichen Verdienste des Ver­ewigten gedacht, wir dürfen nun auch der Biederkeit seines Herzens gedenken und erinnern deswegen nur an sein Benehmen gegen den Sohn des berüchtigten Speckbacher Insurgenten-Chefs von Tyrol, dem er Vater und Freund ward und von dem uns Bartholdy einen rührenden Brief aufbewahrt hat. Sein Andenken wird den Baiern stets theuer seyn.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1829.


09-01-15/16 (Triva)