Neuer Nekrolog der Deutschen (1828) / t_429

Johannes von Spix, Doctor der Medicin, königl. baier. Hofrath, Ritter des Civil-Ver­dienstordens der baier. Krone, Mitglied, d. königl. Akademie der Wissenschaften zu München. geb. d. 9. Febr. 1781, gest. d. 13. Mai 1826* (* Größtentheils aus dem Fränkischen Merkur v. 1826. Beilage Nr. 25.).

Er war zu Höchstadt an der Aisch geboren, wo sein Vater Stadtchirurg und Bürger­rath war, den er aber frühzeitig durch den Tod verlor. Johannes legte den ersten Grund zu seiner wissenschaftlichen Bildung in der lateinischen Vorbereitungsschule seiner Vaterstadt und setzte dieselbe noch ein Jahr in der Domschule zu Bamberg fort. Im J. 1793 kam er als Gymnasiast in das vormalige von Aufsees’sche Studen­tenseminar zu Bamberg, wo er dann seine Gymnasial- und philosophischen Studien mit großer Auszeichnung vollendete. Zehn Jahre später trat er in das fürst-bischöf­liche Klerikal-Seminar zum guten Hirten in Würzburg, ging aber ein Jahr darauf, auf dringendes Zureden des damaligen Leibarztes Dr. Marcus, vom Studium der Theo­logie, das ihm auch anderswoher verleidet worden war, zu jenem der Arzneikunde über, deren er sich in der Stille schon ein Jahr zuvor beflissen hatte. Im Laufe seiner ärztlichen Studien vertrat er zu seinem Fortkommen nebenher im Hause des Gene­rals Grafen v. Isenburg und des Fürsten von Thurn und Taxis Privatlehrersstelle in Würzburg. Sobald er aber an der Universität daselbst das Doctorat in der Arznei- und Wundarzneikunde erlangt hatte, begab er sich nach Bamberg zurück, wo er, je­doch nur kurze Zeit, die ersten praktischen Versuche seiner Wissenschaft machte, als er durch die vielvermögende Empfehlung seines frühern Lehrers in der Philoso­phie und besondern Gönners, Dr. Schelling, bald den Ruf als Adjunkt der kön. bai­er. Akademie der Wissenschaften nach München erhielt. Als solcher machte er auf Staatskosten sehr belehrende Reisen nach Frankreich und Italien bis Neapel. Bei seiner Rückkehr ward er mit dem Titel eines Professors als Conservator des zoolo­gischen Museums zu München angestellt und zum wirklichen frequentirenden Mit­glieds der königl. Akademie der Wissenschaften ernannt.

Späterhin wurde er mit seinem treuen Gefährten Dr. Martius zu einer wissenschaft­lichen Reise nach Brasilien, im Gefolge der k. k. östreichischen Prinzessin Leopoldi­ne ausersehen, und war am 9. April 1817 auf der Fregatte Austria von Triest aus un­ter Segel gegangen; im Dec. 1821 mit reichen Schätzen aus dem Thier- und Mine­ralreiche, aber mit sehr geschwächter Gesundheit nach München zurückgekom­men, wurde er noch vor seiner Ankunft daselbst mit dem kön. baier. Civil-Ver­dienstorden beehrt und mit einer Besoldung von 3000 fl. ausgestattet. Großen Ruhm hat er sich durch diese Reise erworben, denn die Ausbeute derselben ist, wie die zum Theil durch den Druck bekannt gemachten* (* Der erste Theil dieser Reise­beschreibung erschien 1823 in München, der zweite ist gegenwärtig unter der Presse. Interessante Auszüge daraus enthält die Zeitschrift Hesperus 1827. Nr. 222, 223). Resultate zeigen, zum Erstaunen groß, so daß die naturhistorische Sammlung der Akademie in München dadurch einen bedeutenden Zuwachs erhalten hat.

Die Erweiterung der Naturgeschichte würde aber durch ihn mittelst dieser Ausbeu­te noch weit ausgebreiteter erschienen seyn, hätten ihn nicht die Anstrengungen, denen er sich dabei unterzog, einem frühzeitigen Tode im 45. Jahre seines Alters zugeführt. Seine zahlreichen Werke bewähren seine Verdienste als Naturforscher und werden seinen Namen noch in späten Zeiten erhalten.

Sie sind: Abhandl. üb. d. Naturgesetz. 1811. – Gesch. u. Beurtheilung aller Systeme in d. Zoologie. 1811. – Abhandlg. üb. d. Affen d. alten u. neuen Welt 1812. – Cepha­logenesis. 1815. – Brasilien in s. Entwickelung seit d. Entdeckung b. auf uns. Zeit. 1822. – Mit Karl Phil. Friedr. v. Martius: Reise in Brasilien in d. J. 1817-20. 1r Band. 1823. – Serpentum Brasiliensium Species novae. 1824. – Simiarum et Vespertilionum Brasil. Spec. novae. 1824. – Darstell. d. gesammt innern Körperbau’s des gemeinen Blutegels in d. Denkschr. d. Münchner Akad. d. W. 1813. – Ueb. e. neues, vermuth­lich d. Pteropus Vampyrus Linn. zugehöriges Petrifikat a. d. Solenhofer Kalkbruch in Baiern, ebd. 1316-17.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1828.


05-01-26 (Spix)