Neuer Nekrolog der Deutschen (1824) / t_200

Friedrich Ignaz Freiherr von Gruben,
königl. bair. Cammerherr, wirklicher geheimer Staatsrath etc.,
geb. den 19. Jan. 1736, gest. den 30. Aug. 1823.

Bonn war seine Geburtsstadt. Schon in früher Jugend erwarb er sich bei vorzügli­chen Geistesgaben und musterhaftem Fleiße so viele gelehrte Kentnisse, beson­ders in der Rechtswissenschaft, daß der damalige Kurfürst von Cöln, Maximilian Friedrich, ihn, den erst sechzehnjährigen Jüngling, zum wirklichen Hof- und Regie­rungsrathe ernannte. Diese frühe Auszeichnung spornte ihn zur weiteren Vermeh­rung seiner Kenntnisse an, und dazu diente ihm ein mehrjähriger Aufenthalt bei sei­ner Mutter Bruder, dem gelehrten kurcölnischen geh. Rathe, Freiherrn von Bogelius zu Worms, demnächst bei dem Reichscammergerichte zu Wetzlar, dem Reichshof­rathe zu Wien und bei dem großen Staatsminister, dem Grafen von Herzberg in Berlin, dessen Gewogenheit er sich zu erwerben wußte. Im Jahre 1793 wurde er von Kurmainz als Assessor bei dem Reichskammergericht eingeführt. Nach der im Jahre 1806 erfolgten Auflösung dieses höchsten Reichsgerichts erhob ihn der Fürst Primas, Großherzog von Frankfurt und Fulda, zu seinem wirklichen geh. Staatsrathe und Gesandten an den Höfen des Rheinbundes, zum Landesdirector in den Fürs­tenthümern Regensburg und und Aschaffenburg. Nach Vereinigung besagter Fürs­tenthümer mit der baierischen Monarchie trat er in baierische Dienste als wirklicher geheimer Staatsrath. Dabei bekleidete er lange Zeit die Stelle eines königl. Minis­ters bei der deutschen Bundesversammlung, wurde ferner mit den Würden eines königl. Cammerherrn und Großkreuzes des Civilverdienst-Ordens der baierischen Krone von seinem Monarchen begabt und zuletzt zur Leistung wichtiger Staatsge­schäfte nach München berufen. In allen diesen Stellen that er sich durch Geschick­lichkeit, Rechtlichkeit und Berufstreue hervor; zugleich aber lebte er auch für das Glück seiner Familie und aller derer, denen er nützlich zu seyn vermochte.

Neuer Nekrolog der Deutschen für das Jahr 1823. Ilmenau, 1824.


MR-074 (Gruben & Temple)