Neuer Bayerischer Kurier für Stadt und Land (29.11.1866) / t_1182

Philharmonischer Verein.

Die am verflossenen Sonntag stattgehabte Matinée zeichnete sich durch talentirte musikalische und deklamatorische Novitäten aus, deren Auftreten uns zu der wie­derholten Ansicht brachte, daß wir es dem Gründer dieses Vereines, dem sel. Vater Schönchen wie seinem Sohne, dem strebsamen und unermüdeten jetzigen Leiter Hrn. Prof. H. Schönchen zu besonderem Danke wissen dürfen, jungen – für das Büh­nen- wie musikalische Kunstfach – sich heranbildenden Talenten Gelegenheit zu ver­schaffen, die Produkte ihres Fleißes und ihrer Fähigkeit vor das Forum der Oeffent­lichkeit gelangen zu lassen.

Besonderes Interesse in dieser Matinée, welche von den HH. A. Geiger, P. Moralt und C. Thoms mit einem Trio von Täglichsbeck eröffnet wurde, erregten die Dekla­mationsvorträge von Frln. Marie Beilhack, einer begabten Schülerin von Frau Schunke. Gemäß der schönen, wohldurchdachten Auffassung, als auch des innigen, zu Herzen sprechenden Vortrages der beiden Gedichte: »Erdenfluch und Himmels­segen«, von Saphir und »der Christbaum«, von J. Weil (letzteres mit Pianofortebe­gleitung von Proch) gelangten wir zu der Ueberzeugung, daß Frln. Beilhack ein viel­versprechendes Bühnentalent besitzt, und – ausgestattet mit anmuthiger Persön­lichkeit – bei fortgesetztem sorgsamen Studium einem schönen Ziele auf ihrer nun angetretenen Künstlerlaufbahn entgegen gehen wird.

Neuer Bayerischer Kurier für Stadt und Land Nr. 327. München, Donnerstag den 29. November 1866.


06-14-29 (Beilhack & Reubke)