Neue Fränkische Zeitung (9.1.1849) / t_177

München, 7. Januar. (Priv.-Corr.) Gestern hatten wir wieder einmal einen Beweis davon, daß die ultramontane Partei in Bayern sich seitdem Hrn. v. Abel die huld­vollste Aufnahme bei Hofe zu Theil wird, wieder auf dem Gipfel ihrer Macht wähnt. Bei der gestern stattgehabten Beerdigung des berühmten Erfinders der Stenogra­phie, Ministerialsekretär Gabelsberger, zu der sich 600 Leidtragende aus allen Stän­den und von allen Confessionen eingefunden hatten, hielt der Geistliche eine, das Wirken und den ehrenwerthen Charakter des verstorbenen Greises gar nicht be­rührende Rede, hingegen erwähnte er mit besonderem Nachdruck, daß Gabelsber­ger plötzlich am Schlage und daher ohne mit den Sterbesakramenten versehen zu sein, gestorben sei, jedoch hoffe er, daß er Gnade vor Gott und ein Plätzchen im Himmel finden werde. »Weiter,« so schloß er seine eben nicht von christlicher Liebe überfließende Rede, »weiter weiß ich von ihm nichts zu sagen.« Sie können Sich denken, welche allgemeine Entrüstung dieses Benehmen des Geistlichen hervor­rief.

Neue Fränkische Zeitung. Ein grundrechtliches Staatsbürgerblatt. No. 9. Würzburg, Dienstag den 9. Januar 1849.


07-10-54 (Gabelsberger)