Nachrichten über den am 13. September heuerigen Jahres erfolgten Einsturz mehrerer Joche der hiesigen zweiten Isar-Brücke (17.9.1813) / t_387

Seit einigen Wochen stieg die Isar durch die steten Regengüsse auf eine bedeuten­de Höhe: doch beruhigte wiederholt eingetretenes Sinken des Wassers jene Sor­gen, welche derselbe Strom in den Jahren 1729, 1739, 1778, 1783, 1786,1793 und vorzüglich im August des Jahres 1807 herbei geführt hatte.

Neuer Wechsel des ersehnten günstigern Wetters und die ungewöhnliche Erschei­nung, daß der in Baiern beinahe immer durch heitern Himmel berühmte September ungeheuere Schnee-Lasten (im Bezirke des Landgerichtes Miesbach war der Schnee fünf Fuß hoch geschichtet, im Gebirge erstarrten Heerden und Menschen) warf, daß in dem Vorlande der Regen unaufhörlich fiel, ließ die Wiederkehr früher beklagter Ueberschwemmungen ahnden. Wirklich durchbrach der Strom, welcher eine bedeutende Höhe erreichte, in den lezten Tagen der vorigen Woche das ober­halb der Kaserne liegende Ueberfall-Wehr, vorzüglich wirkte die zufällige Holz-Trift, welche schon seit Wochen im Gange war, und nicht mehr gestellt werden konnte, durch das Andrängen der Holzblöcke bei, daß auch die ohne Verzug zur Beginnung der Wiederausbesserung dieser Wehre gebauten Gerüste stürzten, und der Strom, welcher an dieser Stelle bloß zur Sicherung einen Abfluß (Ueberfall) haben sollte, geborsten ein neues Wasserbett in dem zweiten, ehehin fast immer trockenem Rinnsale grub.

Gerade, weil die Wassermasse so fürchterlich angeschwollen war, drang das Was­ser – beinahe bergartig hinunterrollend – gegen die Au, deren Wohnungen und un­unterbrochenen Verkehr bisher drei Brücken mit der Hauptstadt verbanden […]: deßwegen trat Schutt und Kies an der westlichen Linie neben dem Kasern-Gebäu­de hervor, obgleich beim wirklichen Ueberfalle des Wassers sonst hier die Tiefe war; verheerend schien der Strom sich durch die Häuser dieses gewerbsamen Or­tes seine Bahn brechen zu wollen: wo trocknes Land war, erreichten Sonden von 22 Fuß das nunmehrige Strombett nicht mehr. Ein Gebäude des Tuchscherer Crocius und des Lebzelters Salinger sanken wirklich in die Ruinen: vergeblich war das Be­mühen des königlichen Landgerichtes etc. Die Uebergewalt des Stromes machte auch der Kommunal-Bau-Inspektion die Wiederherstellung der Wehre in diesem Augenblicke zur reinsten Unmöglichkeit. Es muß hiebei bemerkt werden, daß we­der die Erhaltung der Ueberfallwehren, des Abrechens noch der eingestürzten Brü­cke in den Geschäfts-Kreis der General-Direktion des Wasser- Brücken- und Strassenbaues gehörte.

Wer vermag mit den beschränkten menschlichen Kräften der Natur zu gebiethen, wenn diese willenlos aus ihren Gränzen bricht? Wer vermochte vor Kurzen zu hin­dern, daß der geborstene Fluß Waag in dem ungarischen Trentschiner-Komitate fünfzig Ortschaften zerstörte, Früchten und Heerden vernichtete, über tausend Menschen in den Tod fortriß?

Tag und Nacht waren die Polizei-Behörden bemühet an beiden Ufern für Sicherung zu sorgen: man sperrte allenthalben selbst für Zuseher jene Gänge, wo Gefahr ge­ahndet werden konnte; Werkleute wagten es sogar gegen die öffentliche Meinung, welche in der steinernen Brücke eine unerschütterliche Sicherheit findet, von Zeit zu Zeit die zweite Brücke zu untersuchen: mit Lebensgefahr sorgten diese, an Sai­len festgebunden, immer das angetriebene Holz von den Pfeilern zu schaffen, durch dessen Entfernung jedes widernatürliche und gefährliche Treiben des Was­sers aufzuheben: noch am 13. September war dieß der Fall; mehrere Stunden ver­richtete der städtische Zimmerpalier Xaver Reifenstuhl, ein Mann, welcher durch Fleiß und Ordnung den bekannten Namen würdig ehret, diese wagliche Arbeit. Keine Spur von Gefahr zeigte sich an den Pfeilern oder Bogen, die schwersten Lastwagen zogen über das Gewölb, während dieser Mann unter denselben arbeite­te.

Indessen hatte seit mehreren Tagen der besorgte und wahrscheinliche Einsturz ei­nes großen Hauses am rechten Ufer (des sogenannten Kaiser-Wirthshauses) eine ungeheuere Zahl von Zusehern auf die Brücke gelockt; theilnehmend sah jedes Aug auf diese baldige Ruine, während künstliche Ableiter an demselben Ufer mit höchster Anstrengung entstanden, um wo möglich, zu retten. Die Gefahr schien je­doch immer näher zu rücken, jedes Spiel der Sonne erzeugte bei manchem ge­spannten Seher den schon sichtbaren Sturz; unvermeidlich hielt die Menge eine solche Folge am 13. September; nicht ahnend, daß dieser in Münchens Jahrbü­chern mit Trauer geschriebene Tag eher das für unerschütterlich gehaltene Brü­cken-Gebäude zerstören, durch das Hinbiethen einer scheinbaren Ruine eine große Menschen-Zahl fesseln sollte, um diese als sichere Opfer dem Strome zuzuliefern.

Jeder Einwohner Münchens weiß, daß der Nachmittag des 13. Septembers Men­schen an Menschen auf diese Brücke drängte, welche jedem Strome getrozt hatte, so fest wie in dem Augenblicke ihrer Vollendung schien. Es schlug sechs Uhr: Per­sonen aus allen Ständen folgten der Einladung des freundlichen Abendes dahin, wo so viele Menschen sicher stunden: noch waren drei Minuten bis zum Glockenstrei­che sieben: ein dumpfer Schlag überstimmt von einem gräßlichen Menschen-Ge­heule, eine Staubwolke, vergleichbar mit einer gelblichten Rauch-Säule, die sich am lezten Sonnen-Strahle färbt, verkündet, daß ein Joch der Brücke in den Strom ge­stürzt: ein zweiter Schlag, daß noch drei Bogen mit einer Menge Menschen, welche durch das unverständliche erste Lärmen wie gelähmt sich einige Augenwinke hin und her bewegt um den Gang in das Leben zu finden, in die Fluthen gesunken.

Bei diesem Bilde erstarret das Aug und jede Schilderung. Einen Augenblick noch zeigt die des Raubes frohe Welle die Opfer: fürchterliches Hilfrufen, gefaltete Hän­de, konvulsivische Bewegungen der Ringenden, selbst ein verzweiflungsvolles Ar­beiten der Schwimmer über den schon wieder Verschlungenen, Jammern fliehen­der Freunde, Väter, Mütter, Bekannter erfüllet die Szene des furchtbarsten Schre­ckens.

So mag einst in Stabia und Herkulanum die glühende Asche des feuerspeienden Vesuvs die ruhigen Wohnungen und Menschen verschüttet, so in Lissabon die ge­spaltene Erde Tausende ihrer Gebäude und Einwohner verschlungen, so ein Typhon in andern Ländern Familien in sicher gehaltenen Wohnungen fortgestäubt haben.

Nur kalter Schrecken bleibt nach dem fürchterlichen Momente das Tosen der zer­trümmerten Pfeiler, das düstere Dunkel der eingebrochenen, durch ein schwarzes Gewitter beschleunigten, Nacht, der Fackelschein an beiden Ufern, und die Be­leuchtung der gebliebenen Brücken Reste, die mit zauberartiger Schnelle erfolgte Scheidung der Haupt- und Vorstadt, welche in Momenten der Gefahr durch schnel­le Hilfe und Rettung seit Jahrhunderten keine Trennung kannten, bildeten ein Gan­zes, an dessen Darstellung jede Schilderung erliegt.

Hier war nicht an Rettung zu denken: unsicher ist der Boden, den die Isar im friedli­chen Laufe bespült; kein Kahn würde unter den hohen Wellen zu retten vermögen, wenn auch die Isar geübte Schiffer erzöge, und nicht blos Flösser zählte; die Schnelle, welche die kürzeste Zeit-Bezeichnung nicht anschaulich machen kann, machte jede Hoffnung sinken.

Wer dagegen Zweifel zu erheben waget, der möge bedenken, daß ein zur Patrouil­le kommandirter Polizei-Soldat seinem vorübergehenden Kameraden noch den Nachtgruß giebt, ein vorübergehender Handwerker noch seinem zwei Schritte fer­nen Gefährten siehet, ein beklagter Gatte an dem Arme der geängstigten Gattin stehet, und derselbe Moment an derselben Stelle Eines von dem andern auf ewig trennt; daß der Gastwirth auf der gegen 300 Schritte abwärts liegenden Brater-In­sel den Schlag des Einsturzes hört, und in diesem Augenblicke schon an dem Rande seiner beengten, ebenfalls hart bedrohten, Insel die ausgestreckten Arme eines Vorübergetriebenen, einen Schwimmer auf dem Endpunkte eines Blockes, ei­nen bald verschlungenen Mann siehet, welcher noch des Wirthes Namen besonnen rufend um Hilfe schreiet; eine Minute später nur mehr Hüte, Tschakos etc. gewahr wird, keinen Laut weiter vernimmt, keine fernere Spur entdeckt!

Ein Augenblick: und die Kunde des Jammers ist bis in die fernsten Winkel der Hauptstadt und der Vorstädte getragen! Allenthalben begegnet sich die Trauer und der Schrecken. Hätte man damals die Namen der Vermißten aufgezeichnet, ihre Zahl würde über drei hundert gestiegen seyn: es wurde nichts versäumt, was Beruhigung in solchen Augenblicken schaffen kann. Man durchsuchte Ufer und In­seln, man hatte die Belebungs-Apparate allenthalben zur Hand gebracht, man suchte durch Wachposten, schnelle Beleuchtung, Aufnahme aller Angaben während der ganzen Nacht im Polizei-Gebäude, Versendung von Estafeten an die längs dem Strome befindlichen Polizei-Behörden – wegen Bewahrung der Leichen etc. – jedem Wunsche zu begegnen, welchen im Zeitpunkte höchster Angst so mancher Einwoh­ner auszudrücken keine Stimme fand. Gewiß ist jedem Bewohner Münchens, Je­dem, der des Glückes, Baiern anzugehören, sich freuen darf, eine trostvolle, erqui­ckende Nachricht, daß schon in den ersten Augenblicken der Beste aller Könige, mit Vater-Sorgfalt die bestimmtesten Nachrichten über diesen Unfall forderten, beim ersten Morgen des kommenden Tages selbst die Stätte des Unglückes besa­hen, gleiche Sorge der Staats-Minister trug, dessen Name Jeder dankbar feiert, und so augenblicklich Hilfe und Erhaltung manchem hilflos gewordenen Waisen ward; daß allenthalben die Gefühle der menschenfreundlichsten Theilnahme wirk­ten, unaufgefordert die schönsten Gaben flossen, (Polizei-Anzeiger St. 74. und 75. etc. etc.) auch alle Behörden beispiellos thätig wirkten, um sogleich die für Leben und Gewerbe nöthige sichere Verbindung mit dem jenseitigen Ufer auch an der ge­wöhnten Stelle (eine dankbar erkannte Wohlthat both in dieser Zeit die mit königli­cher Munifizenz erbaute, herrliche Bogenbrücke bey Bogenhausen) zu gründen.

Man glaubt übrigens den Wünschen der theilnehmenden Bewohner Münchens, den Wünschen jedes Baiers zu entsprechen, wenn mit diesen Nachrichten ein Verzeich­niß der Verunglückten verbunden, zugleich eine Sammlung von auffallenden Vorfäl­len, welche als Züge aus dem schauerlichen Gemälde gehoben werden, und deren Glaubwürdigkeit auf aktenmäßiger Untersuchung ruhet, verbunden wird.

Das angehängte Verzeichniß enthält 93 Personen (Am Schlusse des Verzeichnisses ist über die wahre Gesammtzahl das Nöthige bemerkt.); von diesen sind 6 gerettet worden: besondere Anmerkungen geben über die Rettungs-Art nähere Kenntniß, machen auch die Namen jener Personen bekannt, welche in diesen gefahrvollen Stunden ihres eigenen Lebens vergessend, sich in den Strom gewagt, und durch die glücklich errungene Rettung Einzelner den reichsten Lohn des Erden-Lebens gesammelt, sich in den Geretteten und in den Gesinnungen gerührter Menschen­freunde das unvergängliche Denkmal reinster Dankbarkeit gestiftet haben.

Kurze Zeit vor dem Einbruche der Isar-Brücke führte eine Todtengräbersfrau auf dem Schubkarren ein Todtenkreuz, welches zur Bezeichnung eines Grabes be­stimmt war, über die Isar-Brücke: dicht war das Gedräng; das Wort »Schaut auf«, an welches sich der Zusaz einer scherzenden Laune »der Tod kommt« reihte, bahnte den Weg durch die Menge: und rettete vielleicht dadurch Manche.

Wäre dieses um ein halbes Jahrhundert früher geschehen, und hätte nicht bessere Erziehung auch die lezte Klasse der Menschen vernünftiger sehen und urtheilen ge­lehret: man hätte in dem Zufalle eine Prophezeiung und der Himmel weiß was noch mehr gelesen.

In dem Augenblike, als der erste Bogen bricht, jagt ein vierspänniger Wagen über die Brücke: Eine Polizei-Patrouille will den schnellfahrenden Fuhrmann arretiren: der Polizei-Soldat, welcher nacheilt, sieht unter den lezten Rädern den Abgrund, und sich durch dieses Nacheilen – gerettet.

Richard Erdmann (sub Nro. 28 bemerkt) geht mit seiner Gattin von der Au über die Brücke: er will auf seine Taschenuhr sehen: dieser Moment entscheidet über sein Leben; ein Bogen bricht: er ruft seiner Frau zu eilen: der Bogen, auf dem beide wa­ren, springt; er schleudert die Gattin über die Spalte; diese ist gerettet, Erdmann sinkt in die Fluthen, ihm nach stürzt sein Hund, welcher lange Zeit auf einem Sand­haufen nach seinem Herrn wimmerte, und dann durch gute Menschen herausgeholt wurde.

Joseph Kammermeier (sub Nro. 64) ) Kutscher stürzt mit dem vierten Bogen: er sinkt zufällig auf ein Quadereck des Pfeilers, hält sich fest, schreit um Hülfe, Nie­mand kann über die Ruine in die Nähe kommen, es stürzt eine Mauer-Seite nach, die Welle spült den Kammermeier mit dem Strome fort; Kammermeier behält Be­sinnung, schwimmt auf dem Rücken, später auf dem Bauche; am Kalkofen rettete er sich durch zugeworfene Stangen.

Die Frau des Tuchscherers Schrazenstaller (welche die allgemeine Zeitung Nro. 259 S. 1035 andeutet) rettet sich mit ihrem Gatten beim Durchbruche der Brücke, kommt auf das jenseitige Ufer, sieht den benannten Kutscher stehen, endlich in die Wellen sinken, wird krank und stirbt aus Schrecken an derselben Stelle.

Katharina Reichart (Nro. 12.) beredet ihren Gatten und Gesellen, auch die Hausfrau (Nro. 11., 13., 14.) die Brücke zu besuchen: sämmtliche Personen wurden ein Opfer der Fluthen; fünf Kinder des Reichart, worunter ein Säugling ist, sehen auf die Hül­fe guter Menschen.

Kaufmann Strohhamer (Nro. 23.) gehet mit seinem Sohne dahin: verödet stehet nun ein geachtetes Haus.

Barbara Baudrexel (Nro. 39.) will mit ihren drei Kindern in der Abendluft Bewegung suchen: der Vater, nun ganz allein, beweinet den Gang nach der Brücke.

Wolfgang Schäfer, welcher bisher mit Harfenspiel hilflose Aeltern nährte, will zur Musik, Vater und Mutter beklagt die verlorne Stüze.

Die Siegerischen Töchter, welche ihren Aeltern gleiche Hilfe durch künstliches Nä­hen erwarben, sind verloren.

Eben so bejammert Bierbrauer Faßel seine drei Kinder, die Zeugen einer ungestört glücklichen Ehe.

Vier Kinder ringen hilflos die Hände über den Tod der Wittwe Lindner (Nro. 19.)

Der königliche Kreisrath Gietel (Nro. 36.) betrauert den Tod eines hoffnungsvollen Sohnes, Meister Glink den Verlust seines Sohnes Ulrich Glink, (Nro. 35.) der ein Muster der Feiertags-Schule war, zweimal für erfundene gute Ausführungen be­lohnt wurde, neben seinen Brüdern auf der Brücke stehend den Tod fand.

Mehrere Meister von verschiedenen Gewerben geben im Beklagen verlorner Ge­sellen das schönste Zeugniß über den Fleiß und die Redlichkeit der Verlornen, manche ließen die Leichen stundenweit auf den hiesigen Kirchhof führen, und stif­teten deren Andenken auf diese Weise die schönste Erinnerung.

Jeder der vernommenen Väter, Mütter, Freunde und Meister findet in der Eile, mit welcher ihre Angehörigen auf die Brücke zogen, ein Vorgefühl des eingebrochenen Unglückes: jeder Theilnehmende findet in dieser Gutmüthigkeit nur die Aeußerung zarter Sorge und des Mitleidens…

Die Hoffnung, daß diese mit Wahrheit beschriebenen Nachrichten Linderung für Theilnehmende und Unglückliche schaffen können, leitete deren Bekanntmachung; möge dieselbe jeder Leser gütig aufnehmen, vorzüglich jene Kinder bemitleiden, welche seit diesem schrecklichen Abende Waisen geworden sind!!!

Verzeichniß der durch das Einstürzen mehrerer Joche der hiesigen zweiten Isar-Brü­cke verunglückten Personen.

Joseph Reiter, von Vehburg; 53 Jahre; Vater von 6 unmündigen Kindern, Kornhänd­ler dahier.
Xaver Strohhamer, von Passau; 46 Jahre; Vater eines Sohnes, Kaufmann dahier.
Franz Xaver; 13 Jahre; dessen Sohn.
Magdalena Maier, von Achdorf bei Landshut; 38 Jahre; ohne Kinder, dahier, verehe­lichte Strumpfstrickerin.
Magdalena Wagner, von Torfen, Landgerichtes Erding; 45 Jahre; ledige Dienst­magd.
Franziska Tlamka; 9 Jahre; Tochter des Schneidermeisters Tlamka.
Anton Füchtner von Beiersberg; Landgerichts Wolfrathshausen; 34 Jahre; lediger Brauknecht.
Magdalena Sieger, von hier; 21 Jahre; ledige Näherin.
Elisabeth, deren Schwester; 23 Jahre.
Jakob Höchel, von Neuöttingen; 17 Jahre; Maurermeisters-Sohn, Maurer-Lehrling.
Joseph Reichart, von Ried, Landger. Füssen; 44 Jahre; verh. Vater v. 5 Kindern, Stri­ckermeister dahier.
Katharina, dessen Gattin, v. Achdorf b. Landshut; 43 Jahre.
Johann Stock, von Treyßa in Hessen; 23 Jahre; lediger Strumpfstrickergesell.
Anna Herrmann, vorhin Mannhart; 44 Jahre; verh., Mutter mehrerer Kinder, Alt­metzgerin.
Maria Woll; 50 Jahre; Taglöhnerin.
Michael Schmid, von hier; 29 Jahre; lediger Kamm-Machergeselle.
Max Hainleth, von Donauwörth; 54 Jahre; Vater von 4 hilflosen Kindern, Instruktor.
Sebastian Loisader, von Ichenhausen; 26 Jahre; lediger Schneidergesell.
Maria Anna Lindner, von hier; 36 Jahre; Stadttambours-Wittwe, Mutter von 4 hilflo­sen Kindern.
Max Xaver Franz, von hier; 29 Jahre; Kanzellist bei der Ministerial-Sektion der Stif­tungen.
Georg Schinsbeck, von Ingolstadt; 54 Jahre; verh. Vater eines Sohnes, Hafnermeis­ter dahier.
Max Berthold, von hier; 26 Jahre; ledig, Mezger-Sohn, gelernter Mezger.
Wilhelm Kinstler, von Mannheim; 36 Jahre; lediger Schneidergesell.
Johann Beintner, von Kesselbach, Landgerichts Landshut; 43 Jahre; lediger Haus­knecht im Ammerthalerhofe.
Joseph Lex, von Singolding bei Erding; 40 Jahre; Bothenknecht in Erding.
Niklas Stümpfel, von Nördlingen; 46 Jahre; unverheur., Lodermeister dahier.
Georg Brückel, aus der Au; 50 Jahre; verheurathet, Vater eines Knaben, Zimmer­mann.
Richard Erdmann; 33 Jahre; verh., Diurnist bei der kön. Zentralbuchhaltung.
Joseph Wißmiller, von Schärding; 18 Jahre; lediger Nagelschmiedsgesell.
Anton Koch, von Mutterdorf in Böhmen; 20 Jahre; lediger Schuhmachergesell.
Michael Kobris, von Landsberg; 39 Jahre; lediger Uhrmachergesell, seit 9 Jahren in demselben Hause.
Johann Tymper, von Wien; 28 Jahre; lediger Uhrmachergesell.
Friedrich Baureis, von Baireuth; 36 Jahre; lediger Buchdruckergesell.
August Kux, von Halberstadt; 31 Jahre; lediger Buchdrucker.
Michael Glink; 21 Jahre; lediger Kistlergeselle.
Joseph Wilhelm Girtel, von hier; 27 Jahre; absolv. Jurist.
Gottfried Hennig, aus Berlin; 20 Jahre; lediger Schwertfegergeselle.
Marie Großmann, von Haimhausen; 30 Jahre; ledige Köchin.
Barbara Baudrexel, von hier; 39 Jahre; Stadtmusikantens Frau, Mutter dreier Kin­der.
Marie Anne; 11 Jahre,
Joh. Baptist; 8 Jahre,
Friedrich; 5 Jahre; deren sämtliche Kinder.
Felizitas Keller, von hier; 52 Jahre; Maurers Frau u. Kindsmagd.
Anne Fastel, Brauers Tochter; 8 Jahre.
Max Fastel, Brauers Sohn; 6 Jahre.
Johann Fastel, Brauers Sohn; 4 Jahre.
Wolfgang Schäfer, v. hier; 24 Jahre; ledig, Harfner.
Mathias Wurzer, von Kirchdorf, Landgerichts Regen; 28 Jahre; Webergeselle.
Stephan Roider, von Schleedorf, Landger. Neumarkt; 30 Jahre.
Aquilin Endmeier, v. Diesbach, Landgerichts Schärding.
Philipp Plank, von Höchstädt; 48 Jahre; Webergeselle.
Ant. Degel, von Märingerzell, Landgericht Friedberg; 25 Jahre; verh., Vater eines Kindes, Schreiner-Gesell.
Joh. Franz Fronhofer, von Deugen, Landgericht Kellheim; 28 Jahre; ledig. Polizei-Soldat.
Helene Brunner, von Erding; 25 Jahre; ledig.
Magdal. Geschwendner, von Lehel; 48 Jahre; Dienstmagd.
Franz Fischer, von Esching; 40 Jahre; Schumacher-Geselle.
Joh. Kneil, von hier; 57 Jahre; ledig, im Hofstalle.
Thomas Kupka, aus Wackstadt in Mähren; 29 Jahre; ledig, Tuchscherer-Gesell.
Ambros Michel, von Oberwittig im Großh. Würzburg; 34 Jahre; ledig, Schumacher-Gesell.
Joh. Doll, v. Giesing; 52 Jahre; verh. Taglöhner.
Anna Kisserin, von Kempten; 25 Jahre; ledig, Magd.
Franz Finstner, von Klafberg; 28 Jahre; ledig, Schumacher-Gesell.
Jakob Stephan; 36 Jahre; ledig, Hausknecht; durch den Lorenz Sagerer von Haid­hausen gerettet.
Jos. Kammermeier, von hier; 33 Jahre; ledig, Kutscher; durch Ant. Maushart u. Nußbaum jun. Gerettet.
Ignaz Hund; 40 Jahre; Uhrmacher-Meister, von hier; durch einen Unbekannten ge­rettet.
Joseph Braun; 61 Jahre; Taglöhner.
Georg Lechner; 40 Jahre; Hinterläßt eine arme Wittwe mit fünf Kindern.
Elis. Obermeier; 58 Jahre.Anna Herzog; 40 Jahre.
Barb. Wagner; 20 Jahre.
Georg von Bachner; 17 Jahre; Papierfabrikanten Sohn.
Kasp. Langenmantel; 19 Jahre; Taglöhner.
Georg Dollinger; 49 Jahre; Hinterläßt eine arme Wittwe mit einem Kinde.
Anna Bordendeller; 36 Jahre.
M. Anna Strasser; 40 Jahre.Veronika Michelthalerin; 21 Jahre.
Ursula Hutschneider; 72 Jahre.
Johann Enderl, aus dem Iller-Kreise; 24 Jahre; des 4ten Bat. Gemeiner.
Niklaus Böcker; Bombardeaux I. Klasse.Joseph Schell; Legionist.
Joseph Ilg; 19 Jahre; Fuhrwesen-Soldat; Durch einen Chevauxlegers, wahrschein­lich aber auch durch Beihilfe des Fr. Sagerer Mauerer, und Xav. Gastel gerettet. Franz Sagerer rettete noch einen Unbekannt.
Peter Werner; 58 Jahre; Werkstätt-Schreinermeister bei der Ouvr. Komp.
Richard Schedler; 42 Jahre; Serg. dieser Kompagnie.
Franz Krös; Ouvrier; Durch die Wasserarbeiter Lukas Harretiser, Georg Kleßel und den Wäscher Kajetan Koch auf einer Sandbank bei Bogenhausen (obgleich verwun­det) gerettet.
Thomas Frauenhofer; 22 Jahre; Chevauxleger; Rettete sich durch Schwimmen.
Ignaz Brunnbauer; 22 Jahre.Joh. Meier, Jun.; 21 Jahre.
Mich. Seebauer; 24 Jahre.
Christoph Reingruber; 20 Jahre.
Konrad Jäger; 32 Jahre; Serg. der Gendarmerie.
Elis. Schrazenstaller, von hier; 37 Jahre; Tuchmachers Frau; Starb durch Schrecken.
Magdalena Mann, Schleifermeisters Tochter; 28 Jahre; ledig, bei den Aeltern.
Franziska Fichtlin, von hier, Stallknechts-Tochter; 25 Jahre; Dienstmagd; Vermißt.

Anmerkung.
Unter den Verunglückten ist eine schwangere Frau: sieben andere Personen sind zur Zeit als vermißt angegeben, und höchst wahrscheinlich auch einige Passanten, über die noch keine Kenntniß erhalten werden konnte, verunglückt, so, daß die Gesammtzahl der Verunglückten auf 100 – 104 angenommen werden möchte. Die wenigsten Leichen sind gefunden.

Nachrichten über den am 13. September heuerigen Jahres erfolgten Einsturz mehrerer Joche der hiesigen zweiten Isar-Brücke aus zuverläßigen Quellen geschöpft und bekannt gemacht zum Besten solcher Kinder, die durch diesen Unglücksfall ihre unbegüterten Eltern verloren haben. München den 17. September 1813. Mit einer Abbildung der Ruine dieser Brücke von Dominik Quaglio.


04-01-43/44 (Reuther)