Nachricht über die jüngst errichtete erste Dampfbrauerei in München (1843) / t_488

Zugabe.

Während ich mit der Ausarbeitung dieser Auflage beschäftigt war, führte Herr Za­cherl, Besitzer des wegen Großartigkeit des Betriebs und der ansehnlichen Baulich­keiten wegen auch im Auslande viel bekannten Brauanwesens in der Vorstadt Au, welche die Isar von der Haupt- und Residenzstadt München trennt, den längst in seinem Unternehmungsgeiste vorgehabten Gedanken aus, den kostspieligen Ver­such einer Brauerei mittelst Dampf anzustellen. Das mit Umsicht und Beharrlichkeit unternommene Werk arbeitet nun mit sicherem Gange und hat bereits schon an 70 Suden gemacht, die sämmtlich zur vollkommensten Zufriedenheit des Besitzers ausfielen und selbst seine bescheidenen Erwartungen übertrafen.

Die Anlage dieser Dampfbrauerei wurde vorzüglich begünstiget durch die seltene Räumlichkeit des Hofes, welche dieses Brauanwesen darbietet, deren sich kein ein­ziges Brauanwesen in der Stadt in solcher Ausdehnung zu erfreuen hat, worin auch die Hauptschwierigkeit liegt, dieses gelungene Werk in den Braustätten Münchens mit größtentheils sehr beschränkten Hofräumen durch nachahmende Ausführung zu vervielfältigen.

Das Zacherl’sche Brauanwesen bildet im Grundriß ein Rechteck mit langgestreckter Basis. Etwa in der Mitte durchschneidet diesen Grund rechtwinkelig auf die Län­genseite das Sud- und Kühlhausgebäude, und die in der Mitte desselben ange­brachte Durchfahrt verbindet die beiden großartigen Hofräume, wovon der Um­fang des vordern an die Straße gränzenden Hofes mit den zusammenhängenden Wohn- und Braugebäuden, der Umfang des hinteren durch angränzendes fremdes Besitzthum abgeschlossenen Hofes an seinen Langenseiten mit den Nebengebäu­den als Branntweinbrennerei, Brunnenhaus mit Druckwerk, Stallungen für Pferde und Mastvieh etc. umgeben ist.

Im Sudhause befinden sich zwei Braukessel von gleichem Inhalte neben einander, jeder mit seinem Biergrand und Maischbottich versehen. Auf jeder Pfanne kann man 18 Schäffel Winterbier und 20 Schäffel Sommer- oder Lagerbier sieden. Ansto­ßend an das Sudhaus ist nun im vordern Hofe das Dampfbrauwerk unter einem of­fenen mit einem Pultdache geschützten Raume angebracht. In diesem Raume be­findet sich in der Erde die Schüre für den Dampfkessel, der daranstoßende Brau­kessel und der vor demselben stehende Maischbottich. Zwischen dem Maisch­bottich und der Braupfanne ist der Biergrand, wie bei jeder andern Brauerei, ange­bracht. Ueberhaupt unterscheidet sich die hier ausgeführte Dampfbrauerei von ei­ner gewöhnlichen Brauerei nur dadurch, daß das Maischen durch eine Maschinen­vorrichtung, welche man durch Dampfkraft in Bewegung setzt, verrichtet wird, während bei der gewöhnlichen Sudmethode Menschenhände das anstrengende Maischgeschäft besorgen. Von der Heizung des Dampfkessels kann man die Hitze unter die Darre leiten. Dieß ist hier aber nicht der Fall, sondem die Darre erhält ihre Hitze von den Sudöfen der im Sudhause stehenden Braupfannen.

Die Dampfmaschine arbeiet nur mit einer Pferdekraft, und kann 7 bis 8 Schäffel Malz absieden. Der Braukessel wird auf folgende Weise mit Dampf geheitzt. Von dem Dampfkessel streicht der Dampf durch eine Röhre in den Raum des Doppel­bodens vom Braukessel, der auf die gewöhnliche Weise eingemauert ist; dieser Doppelboden wird dadurch gebildet, daß der eigentliche Braukessel bis zur Hälfte seiner Höhe in einen zweiten Kessel hineingesteckt und damit gehörig dampfdicht verbunden wird. Aus dem Doppelboden führt eine andere Röhre den Dampf wie­der ab, die Röhre selbst läuft durch einen mit kaltem Wasser gefüllten Behälter, wo­durch der Dampf sich wieder verdichtet und dieses Wasser von höherer Temperatur, als die des kalten Wassers ist, fließt wieder in den Dampfkessel zurück, wodurch eine schnellere Dampfentwicklung erzeugt wird. Die Brauknechte, welche die Maschine bedienen, heben bei der Kesselheizung mit Dampf vorzüglich das gleichförmige Sieden der Maische hervor, was bei der ge­wöhnlichen Heizung nicht erzielt werden kann; denn bei der gewöhnlichen Heizung ist nur über der Stelle, worunter das Feuer am lebhaftesten brennt, die größte Sud­wallung zu bemerken, bei der Dampfheizung aber ist dieses Wallen auf der ganzen Fläche der Flüssigkeit im Kessel gleichmäßig verbreitet. Bei der gewöhnlichen Hei­zung muß daher ein eigener Pfannenknecht angestellt seyn, der das Feuer in der Schüre fleißig unter dem Braukessel gleichförmig vertheilt. Ist ein solcher Pfannen­knecht darin nachläßig, so erhält die Pfanne Brennmale, welche eine Reparatur des Kessels nöthig machen, wodurch nicht selten ein längeres Einstellen des Siedens zum größten Schaden des Brauers herbeigeführt wird. Diese Besorgniß fällt aber bei der Dampfheizung ganz hinweg.

Ober dem Maischbottiche befindet sich die von einem Brauknechte mittelst Ge­trieb und gezähnter Stange hinauf und herab bewegbare Maischvorrichtung, wel­che mittelst eines endlosen Riemens mit der Dampfmaschine in Verbindung gesetzt ist. Dieser Maischapparat besteht aus zwei senkrechten Stäben, wovon ein jeder mehrere wagrecht stehende breit gedrückte flache Schienen (Schaufeln) hat, die sich in entgegengesetzter Richtung in dem Maischbottich bewegen und das Maischgeschäft so nachdrücklich verrichten, daß die erhaltene Maische eine viel sü­ßere Würze gibt, als man durch das gewöhnliche Maischen nicht erhalten kann. Der ganze Maischapparat ist von Eisen.

Zu einem Gebräu von 6 bis 8 Schäffel braucht man eine Klafter Holz und 3 Mann können die Maschine und das Sudwerk mit leichter Mühe bedienen. Man erspart also namentlich an Arbeitslohn; denn zu einem Sudwerke von 8 Schäffel braucht man zum Maischen immer 6 bis 8 Mann.

Der Dampfkessel, liefert nicht nur das heiße Wasser zu seinem eigenen Sudwerke, sondern gibt auch noch eine reichliche Menge davon ins anstoßende Sudhaus ab. Wenn der Sud vollendet ist, so wird der Dampf mittelst einer eigenen Röhre in zwei auf dem Hofpflaster stehende mit Wasser gefüllte große Bottiche geleitet, und bringt dieses Wasser auch noch auf einen großen Hitzgrad, welches man dann zum Reinigen der Geschirre verwendet.

Die Dampfmaschine und der sinnig ausgedachte Maischapparat ist von dem im Dampfmaschineriewesen rühmlichst bekannten königl. Hofbrunnenmeister, Herrn Höß, und den Dampf-, sowie den Braukessel sammt der nöthigen Zugehör an Röh­ren etc. lieferte der wegen Solidität derartiger Arbeiten vielfach erprobte Kupfer­schmiedmeister, Herr Feßler, beide in München. Die Kosten dieser kurz beschriebe­nen Brauvorrichtung beliefen sich etwas über 9000 Gulden, wobei die Maurer- und Zimmerarbeit mit eingerechnet ist.

Sollte ein Brauer oder Gutsbesitzer mit Braubetrieb zur Ausführung eines ähnlichen Werkes Lust haben, so dürfte es zu ihrem Vortheil gerathen seyn, sich mit diesen Meistern in ihrem Fache in unmittelbare Korrespondenz zu setzen, um mit zuverlä­ßigem Rath und mit solider Arbeit bedient zu werden.

Benno Scharl: Beschreibung der Braunbier-Brauerei in Bayern mit damit verbundener Branntwein­brennerei und Essigsiederei nebst Nachricht über die jüngst errichtete erste Dampfbrauerei in Mün­chen. München, 1843.


02-01-18 (Zacherl)