Münchener Ratsch-Kathl (25.4.1900) / t_380

Ein edler Stifter!

Der schönste Schmuck eines Bürgers ist der von ihm bethätigte Gemein- und Wohlthätigkeitssinn. Weder Titel noch Orden überstrahlen diese hehre Bürgertu­gend und bringen den Träger derselben auch nur entferntest dem Herzen der Mit­bürger und des Volkes so nahe, wie diese edelsten Kundgebungen einer für Hohes, Schönes und Gutes empfindende Seele. Wir bringen an der Spitze unseres Blattes das Bildniß eines Mannes, der in vollem Sinne des Wortes diese hervorragenden Ei­genschaften in sich vereinigt. In ihm erfüllt sich das Dichterwort: »Der Mensch sei edel, hilfreich und gut« und unser Mitbürger, Rentier Mathias Pschorr, dem wir die­se Zeilen zu widmen aus vollem Herzen heraus gedrängt werden, erglänzt in diesen seinen edlen Bürger-Eigenschaften als ein hellleuchtender Stern im Rahmen der menschlichen Tugenden des Gemein- und Wohlthätigkeit-Sinnes. Die Gaben, wel­che ihm ein gütiges Geschick im Verein mit Fleiß und regem Arbeitsgeist verliehen hat, sind ihm nicht Zweck zum persönlichen Genuße, sie bieten ihm vielmehr die Quelle, aus der er für die Verwirklichung von Gutem, Hogen und Edlen schöpfen kann. In solchen Händen sind denn auch die matriellen Güter des Lebens bestens aufbewahrt, denn sie werden zum Segen für die Allgemeinheit und zum Motive für Schaffung von Schönem und Hohem.

Unsere Leser werden sich noch mit Freude erinnern, wie vor circa drei Jahren Ma­thias Pschorr der Stadtgemeinde eine nahezu eine Million bewerthete Schenkung unter der einzigen Bedingung angeboten hat, daß seinem seligen Großvater für eine Büste ein Platz in der Ruhmeshalle eingeräumt werde. Damals ergingen sich einige Blätter in billigem Hohn, denn die Büste eines Bürgers erschien ihnen an der Seite der Bildnisse von berühmten Männern der Kunst und Wissenschaft nicht an­gemessen. Wir vertraten schon damals die Meinung, daß Jedem Ruhm und Ehre gebühre, der durch Gemein- und Wohlthätigkeitssinn eine hohe edle Seele bekun­det und der als Bürger einer Gemeinschaft durch Fleiß und reges Schaffen Quellen des Erwerbes erschließt, die im Laufe der Zeit die wirthschaftliche Existenz der All­gemeinheit beleben. Seine kgl. Hoheit der Prinz Regent Luitpold von Bayern gab derselben Auffassung dadurch Ausdruck, daß er die Aufstellung der Büste Josef Pschorr’s in der Ruhmeshalle veranlaßte.

Und wiederum war es ein edler Zug, den Mathias Pschorr bei seinem Streben und Wunsche bekundete: »Die Liebe und Dankbarkeit des Kinderherzens für den Groß­vater.« Aus der Willfahrung dieses feines Herzenswunsches, erblühte unsere Stadt neue Freude: Der Mann, welcher der Stadt für Wohlthätigkeitszwecke ein solch bedeutendes Geschenk übergab, wird zu ihrer weiteren Verschönerung, jenem Fürsten, der in der Geschichte Bayerns und Münchens eine solch’ hervorragende Stellung einnimmt, – Kaiser Ludwig der Bayer – ein hehres Denkmal errichten, welches – nebenbei bemerkt – eine ganz eminente Summe für seine Herstellung beanspruchen dürfte und dessen Grundsteinlegung schon im Herbste ds. Js. erfolgt. Brauchen wir da noch mehr zu sagen, wo solche Thatsachen sprechen? Nein! aber auszurufen drängt es uns: »Hut ab vor einem solchen Manne und Mit­bürger!« Am Schlusse bleibt uns noch anzufügen übrig, daß Herr Mathis Pschorr, der nun im 66. Jahre steht, der alten Bürgergarde als Lieutnant und Adjutant ange­hörte und als solcher verschiedenen Escorten bei Einzug fremder Fürstlichkeiten in München beigeordnet war.

Münchener Ratsch-Kathl. Mittwoch, den 25. April 1900.


NA-037 (Pschorr)