Münchener Kunst-Anzeiger (15.6.1865) / t_1834

Aeltere Malwerke.

Der im Jahre 1862 in München verstorbene Thier- und k. Hoftheatermaler Michael Schnitzler hatte die Idee gefasst, seiner Familie die schönsten Bilder aus seiner Blüthezeit zu hinterlassen, um ihr nach dessen Tode den reichsten Lohn seines Stre­bens zu sichern. Der Name des Meisters wurde vor einer Reihe von Jahren mit Aus­zeichnung genannt, denn seine mit grösstem Fleisse durchgeführten Thier-Stillle­ben gehören zu den Meisterwerken ihrer Art. König Ludwig I. nahm vier Gemälde in die neue Pinakothek auf, Schnitzler selbst brachte aus dem erwähnten Grunde lange Zeit nichts mehr zur Ausstellung, und kam daher durch eigene Schuld gleich­sam ausser Curs. Die schönsten Bilder sind noch gegenwärtig im Besitze der Fami­lie: ein Rehkopf und ein Gemskopf mit Geflügel, eine Wildente auf einem Marmor­tisch mit Geflügel, eine an der Schnur hängende Wildente mit Geflügel, zwei leben­de Nusshäher auf dem Baumaste, ein lebender Hase, ein lebender Hahn mit Hen­ne, und andere kleinere Gemälde mit Geflügel und Federwild. Alle diese Thiere können nicht getreuer und minutiöser dargestellt werden, als dies Schnitzler ge­than hat. Freunde dieses Genres finden Auskunft Sonnen-Strasse Nr. 2/4.

Münchener Kunst-Anzeiger Nro. 3. Für Künstler, Kunstfreunde und Kunsthändler. 15. Juni 1865.


14-02-55 (Mössmer & Schnitzler)