Münchener Künstlerbilder (1871) / t_1751

Konrad Eberhard,
Bildhauer und Maler.

Es giebt Familien, in denen die Kunst seit Generationen eine Heimatstätte gefun­den hat. Die Bildhauer Eberhard sind im schwäbischen Oberland, im Algäu wie in Vorarlberg, gar wohl bekannt und manche Kirche und Kapelle bewahrt ihre Arbei­ten. Unser Konrad hat die Anlagen durch den Vater vom Großvater herüber ererbt, die beide in derselben Richtung thätig waren, und er und sein Bruder Franz traten freudig in die Fußtapfen ihrer Voreltern. Schon ihr Großvater hatte das Geschäft schwunghaft betrieben und, wohl erkennend, daß weitere Ausbildung nur in der Welt errungen werden könne, seinen Sohn nach Oesterreich gesendet, um in Wien und Gratz zu lernen.

Konrad Eberhard, nur um ein Jahr jünger als sein Bruder Franz, ward am 25. No­vember 1768 in dem Flecken Hindelang im Algäu geboren und ging mit Jenem ge­meinschaftlich bald dem Vater bei seinen Arbeiten an die Hand. Echt christliche Gesinnung, der größte Schatz des Hauses, ward früh in den Kindern geweckt und begleitete sie bis an ihr Lebensende. Die Kunst, auf dieser Grundlage basirend, ward ihnen Alles, ersetzte ihnen selbst die Familie. Konrad verdankt seine künstleri­sche Ausbildung wenigstens mittelbar einem hohen Würdenträger der Kirche, dem Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Trier, dessen Einzug in Hindelang auf einer Fir­mungsreise die beiden Brüder durch Errichtung eines Triumphbogens ehrten. Kur­fürst Clemens Wenzeslaus, in Sachen der Kunst wohlbewandert, ließ sich die Kna­ben vorstellen und sorgte für des Jüngeren Unterkunft in München. Noch im nemli­chen Jahre 1796 wanderte Konrad in die Hauptstadt, um bei dem trefflichen Bild­hauer, Hofstatuar und Professor an der Akademie, Roman Anton Boos in die Lehre zu treten. Nach zwei Jahren war er bereits im Stande seinen Unterhalt selbst zu be­streiten, verblieb jedoch bis zum Jahre 1806 bei seinem Lehrmeister und unter­stützte diesen in seinen bald selbständig ausgeführten Arbeiten. Um diese Zeit war König Max Josef auf den jungen Künstler aufmerksam geworden und der Kronprinz Ludwig verschaffte ihm die Mittel, nach Rom zu gehen und sich dort dem Studium der Antike hinzugeben, deren hohe Bedeutung dem strebsamen Künstler längst klar geworden war.

Die Weltstadt beherbergte damals Schick und Wächter, Koch und Reinhardt, Wag­ner, Rhoden, die beiden Schadow und Friedrich Müller, der auf dem Gebiete der Kunst und der Poesie nach dem Lorbeer strebte. Eberhard gönnte sich während seines mehrjährigen Aufenthalts in Rom nur die allernöthigste Ruhe, bald zeich­nend, bald malend, dann wieder in Thon und Marmor gestaltend. Ueber dem Stu­dium der Antike, deren Geist er in seiner ganzen Fülle in sich aufzunehmen ver­stand, übersah er jedoch der christlichen Kunst tiefe Bedeutung nicht. Sein ganzes Gemüthsleben wendete sich nach dieser Seite, und was er damals in Rom schuf, war ganz geeignet, die seit Jahrhunderten von Deutschen und Italienern verlassene Bahn wieder zu eröffnen. Neben der Innigkeit seiner Anschauung und der unwan­delbaren Glaubenstreue, welche er unter allen Verhältnissen bewahrte, war es eine unerschöpflich reiche Fantasie, die seine Werke belebte und ihm auf seinem christ­lichen Standpunkte jene hohe Stellung gab, welche Wächter sich durch seine im Sinne der Alten gehaltenen Compositionen aus dem Sagenkreise des griechischen Alterthums errang. Dabei kam es dem anspruchslosen, in strengster Zurückgezo­genheit lebenden, echt frommen Künstler nicht in den Sinn, sich in andrer Weise als durch seine Schöpfungen geltend machen zu wollen. Dabei wendete er sich aber von der antiken Kunst keineswegs ganz ab; wie die nun in der Münchener Glypto­thek aufgestellte »Muse«, seine »Leda mit dem Schwan« und der »sitzende Faun mit Bacchus« beweisen, welche alle der Zeit seines ersten Aufenthaltes in Rom an­gehören. Diese Arbeiten kamen in den Besitz theils des Kronprinzen Ludwig, theils seines königlichen Vaters und waren ganz geeignet, die Aufmerksamkeit des kunst­liebenden Publicums auf sich zu lenken.

Bald nach seiner Rückkehr nach München, im Jahre 1816, ward Eberhard in Aner­kennung seiner Verdienste und in Aussicht der ersprießlichen Dienstleistungen, welche von einem so reich begabten und wohlunterrichteten Lehrer erwartet wer­den konnten, zum Professor an der bayerischen Akademie der Künste ernannt. Zu gleicher Zeit ergingen zwei sehr ehrenvolle Aufträge an ihn, welche um so mehr hervorgehoben werden müssen, als die Wahl des Gegenstandes, in anerkennungs­werther Würdigung des innersten Wesens künstlerischer Thätigkeit, dem Künstler selbst vollkommen frei gegeben wurde. Der König mochte fühlen, daß die Arbeit unter dem Eindrucke der Umgebung in Rom werthvoller werden würde und wußte, wie lieb Eberhard der Aufenthalt dortselbst geworden war. Wider Erwarten erhielt dieser den erbetenen Urlaub und eilte, von der gnädigen Willfährde sofort Ge­brauch zu machen. Während er mit der Ausführung des Werkes – er hatte Dianen gewählt, die Amor zu Endymion führt – beschäftigt war, übertrug ihm der Kronprinz Ludwig bedeutende Antiken-Einkäufe. Neben Martin Wagner war es besonders Eberhard, der hierin eine große Rührigkeit entfaltete, und seiner Umsicht verdankt die Glyptothek manchen ihrer größten Schätze. Unrichtig jedoch ist, wenn Eber­hard als derjenige bezeichnet wird, der den berühmten »barberinischen Faun« für den Kronprinzen Ludwig erworben hätte. Es war vielmehr Martin Wagner, welcher den Ankauf dieses Meisterwerkes vermittelte und dessen Versendung nicht ohne persönliche Gefahr besorgte, nachdem die Behörden Roms mit aller Energie der­selben entgegengetreten waren. Bekanntlich führte diese Angelegenheit selbst zu diplomatischen Verhandlungen.

Eberhard vollendete die letztbezeichnete Gruppe nach 4 Jahren und zog sich, nach deren Durchführung wieder in’s deutsche Vaterland heimgekehrt, auf einige Zeit auf’s Land zurück, dessen Ruhe seinem einfachen Wesen wohl that. Er arbeitete zu­nächst in Schlehdorf, einem reizend gelegenen Dorfe am Kochelsee im bayerischen Oberlande, dann zu Starnberg, welches damals noch nicht wie jetzt der Modeauf­enthalt der Städter geworden war, zuletzt im königlichen Schlosse zu Berg am Starnbergersee. Hier war es, wo er das Denkmal der Prinzessin Karoline von Bayern ausführte, das im Jahre 1825 in der Hofkirche zu St. Cajetan in München aufgestellt wurde.

Es konnte nicht fehlen, daß manches der bessern Werke unsers trefflichen Künst­lers Rom nicht blos sein Entstehen verdankt, sondern auch dort zurückblieb. Mar­chese Massimi, der seine berühmte Villa mit Gemälden nach Cornelius‘ Entwürfen von der Hand Overbeck’s, Veit’s und Schadow’s hatte schmücken lassen, übertrug Eberhard die Herstellung von Basreliefs für einen der Säle seiner Villa, welche die »Ilias« zum Gegenstande haben sollten. Der Künstler unternahm behufs der Aus­führung dieses Werkes im Jahre 1821 eine Reise nach Rom, welche indeß den gewünschten Erfolg nicht hatte, da Marchese Massimi in­zwischen mit Tod abging und hierdurch die Sache rückgängig wurde. Später gingen die wenigen Compositionen, welche bereits in Alabaster ausgeführt waren, an Kö­nig Otto von Griechenland über, der sie in seinem Palast in Athen unterbrachte. Im Jahre 1826 wendete sich die städtische Gemeindebehörde von Perugia an Eber­hard mit dem Antrage, die Arbeit zur Wiederherstellung des von Johann von Pisa gearbeiteten berühmten Brunnens auf dem dortigen Marktplatze zu übernehmen. Der Künstler erklärte sich hierzu bereit und ging bald darauf nach Perugia ab, um die nöthigen Vorarbeiten in Angriff zu nehmen. Zu diesem Zwecke begleitete ihn auch sein Bruder Franz. Die Reise war jedoch eine durchaus erfolglose, indem die päpstlichen Oberbehörden ihre Genehmigung versagten und demzufolge sich das ganze Unternehmen zerschlug.

Außer den oben verzeichneten größeren Arbeiten weltlicher Richtung errang sich Eberhard durch die in Lebensgröße ausgeführte »Statue Albrecht Dürer’s« für Nürnberg, welche einem Preisausschreiben ihre Entstehung verdankte, den unget­heilten Beifall der Kunstfreunde. Auch für die Walhalla wurde er thätig, indem er die Büsten Peter Vischer’s, Wohlgemuths, von Lodron’s, Hörwarts und Münch’s in Marmor ausführte. Ferner sind seine Grabdenkmäler der Bischöfe Wittman und Sai­ler im Regensburger Dome Arbeiten von hohem Verdienste. Seine größten Trium­phe aber feierte Eberhard auf dem Gebiete der christlichen Kunst, auf welchem vorzugsweise zu schaffen er seinem ganzen Wesen nach bestimmt erschien. Diese Thätigkeit offenbarte sich aber auf dem Felde der Malerei und der Plastik zugleich, nachdem Eberhard längere Zeit geschwankt hatte, welcher von beiden er sich ganz und ungetheilt zuwenden solle. Das erste epochemachende Werk dieser Richtung war jene bekannte, von ihm noch während seines Aufenthaltes in Rom modellirte »Madonna« welche an Innigkeit und Reinheit der Empfindung den besten Werken der alten italienischen und deutschen Meister gleichkommt und so gewissermaßen zum Urbild der Gottesmutter für alle Neueren geworden ist. Der k. Obermedizinal­rath von Ringseis in München besitzt vier sehr werthvolle Basreliefs von Eberhard, eine »Kreuzabnahme«, den »Gang der Frauen zum Grabe des Herrn«, die »Bekeh­rung des Saul« und »die Vertreibung Adam’s und Eva’s aus dem Paradiese.« König Ludwig beschäftigte unsern Künstler auch bei den großartigen Bauten, welche während seiner Regierungsperiode in München entstanden. So kamen das Relief über dem Portale der Allerheiligen-Kirche, welches »Christus zwischen Maria und Johannes« zeigt, und die Statuen der Maria und des Johannes zu dessen beiden Seiten aus Eberhard’s kunstgeübter Hand. Von ihm sind die beiden Statuen, welche das Isarthor schmücken, »St. Michael« und »St. Georg«, ferner die Figuren des »heil. Benno« und »Ruppert«, sowie der »heil. Lucia« und »Ottilia« über den beiden Portalen des Blinden-Instituts. Indem er dem heiligen Benno die Züge seines Gön­ners Sambuga gab, trug er ihm gegenüber eine alte Dankesschuld ab, da dieser es gewesen, der ihn zunächst dem Könige Max Josef empfahl.

Ueber Eberhard’s hervorragendstes Werk auf dem Gebiete der Malerei, den im Be­sitze des Fräuleins von Lindner befindlichen Altar mit zwei Flügeln, wurde seiner Zeit in Dr. Schorn’s Kunstblatt, Jahrgang 1834, Nr. 5-8, ausführlicher berichtet, als unter den gegebenen Umständen hier geschehen kann. Der Vorwurf des Künstlers war nichts Geringeres als eine eingehende Darstellung der historischen Entwick­lung und Ausbreitung des Christenthums und seines endlichen Triumphes. Interes­sant sind die Porträts von Goethe, Dante, Cornelius und Plattner, welche der Meister darauf in sinniger Weise anzubringen wußte.

Eberhard’s Bedeutung, als der erste unter den Künstlern, welche es wagten, den im Laufe der Zeit abhanden gekommenen Gedanken einer christlichen Kunst wie­der zu denken und mit den tüchtigsten Mitteln in Ausführung zu bringen, kann nicht hoch genug angeschlagen werden. Er war es, der die Bahn eröffnete und eb­nete, auf der ein Overbeck und Cornelius zum ewigen Ruhme emporschritten. Wenn er aber in der Folge sich zu sehr dem Typischen zuneigte und dabei nothwendig die lebendige Natur aus den Augen verlor, so erklärt sich das aus sei­ner ganzen Eigenthümlichkeit und seinem Einkehren in sich selbst zur Genüge. Da­mit hing aber auch andrerseits zusammen, daß er in gewissen Kreisen nahezu ver­gessen war und erst die Nachricht von seinem Tode das Gedächtniß an ihn wieder auffrischte. War er in seiner unsäglichen Bescheidenheit doch nicht der Mann, der sich irgendwie geltend zu machen suchte. Seine ganze Richtung war und mußte ei­ner Zeit, in der die materiellen Verhältnisse, bis auf einen gewissen Grad wenigs­tens, die Oberhand erhielten, fremd bleiben, und als er gewissermaßen in unwill­kürlicher Opposition dagegen in seinen letzten größeren Compositionen, wie in seiner »Kirche Gottes auf Erden« und jener, worin er die Thronbesteigung des Kai­sers Franz Josef von Oesterreich feierte, über jenen Grad der Symbolisirung noch hinausging, der Overbeck und Schadow so viele Angriffe zugezogen, da glaubten Viele den Meister mit einem leichten Achselzucken gerichtet zu haben. Eberhard lebte bis zum Tode seines Bruders Franz im Jahre 1846 mit diesem in engster Fami­liengemeinschaft und unterzog sich den tausend Diensten, welche dessen in den letzten Jahren eingetretene Blindheit erheischte. Er suchte um Enthebung von sei­ner Function als Professor nach und erhielt sie unter gnädiger Anerkennung seines Wirkens. Bald machte sich das hohe Greisenalter geltend, der körperlichen Schwä­che gesellte sich geistige bei. Sein Eifer für das Christenthum ließ ihn den hohen Werth dessen verkennen, was er in weltlicher Kunst geschaffen. Er hielt es für sündhaft und verdammenswerth. In dieser krankhaften Stimmung, welche sich in ihm feststellte, vernichtete er alles dahin Gehörige. Selbst christliche Stoffe schie­nen ihm hie und da zu weltlich aufgefaßt und so traf sie gleiches Schicksal. Er war in der Zeit seines Glanzes mit den hervorragendsten Männern unsers Volkes in Ver­kehr gestanden, auch ihre Briefe verschonte seine Hand nicht, sie wanderten mit dem Uebrigen in’s Feuer.

Poesie und Musik erheiterten seine Mußestunden, in beiden hat er selbständig ge­schaffen, und so unter Anderem auch Goethe’s »Sänger« und »Erlkönig« in Musik gesetzt. Anspruchslos und mit Wenigem zufrieden, unterstützte er junge Talente auf das freigebigste und behielt noch genug, um selbst größere Arbeiten für from­me Zwecke unentgeltlich abzulassen, wie die von ihm gestiftete »Madonna mit dem Christuskinde« im Wallfahrtsorte Maria-Eich bei München.

Endlich fing auch er an zu kränkeln, doch schien sich das Uebel wieder zu heben und er erfreute sich an seinem neunzigsten Geburtstage eines leidlichen Befindens. Er hatte aber längst seine Rechnung mit der Welt abgeschlossen und sah mit wahr­haft erhebender Ruhe seinem Ende entgegen. So verschied er am 12. März 1859, ohne Schmerz und Bangen, kurz vor Mitternacht, nachdem er nur acht Tage lang zu Bett gelegen. Eberhard war ein Mensch von den höchsten Tugenden, kindlich un­befangen, treu im Glauben, von tadelloser Sittenreinheit, ein wackerer Freund. Sei­ne äußere Erscheinung ließ in ihm eher einen Priester als Künstler vermuthen. Klein und unansehnlich, umwehte ihn doch ein gewisses Etwas, das wir den Abglanz sei­ner reinen Seele nennen möchten. Erschien er auf der Straße, so liefen ihm alle Kin­der zu, für die er immer ein liebreiches Wort hatte. Der »heil. Ruppert« an dem Blindeninstitut wie oben angeführt, von seiner eigenen Hand gemeißelt, und eine von seinem Schüler J. O. Entres modellirte Porträtbüste geben seine lebhaft an die alten Meister des Mittelalters mahnenden Züge in treffender Aehnlichkeit wieder.

Als Nachlese mögen einige Auszüge aus den Einschreibungen hier Platz finden, welche eine alte Eckische Bibel (Ingolstadt 1550) auf ihren Deckelblättern von des Verstorbenen und seines Bruders Franz Hand enthält. Sie charakterisiren die »Brü­der« mehr als ganze Abhandlungen. Franz, der Aeltere, begann die Familienchronik wie folgt:

»Anno 1809 den 31. Mai starb meine liebe Mutter Veronika Henggin, im 77. Jahre ihres Alters. Sie war Gebürtig aus dem Nesselwängle. Ihre Eltern waren Andreas Hengg, Gebürtig von Vils, und ihre Mutter Veronika Rieff, welche bei uns hier in Hindelang 1784 gestorben ihres Alters über 90 Jahr. Sie ruhen in Frieden.« »Anno 1813 den 6. Juli Vormittag zwischen 8 und 9 Uhr verschied aus diesem Leben, hof­fentlich in ein besseres, mein lieber Vater, Johann Richard Eberhard, Bildhauer da­hier in Hindelang, im Oberkirchdorf, im Haus Nr. 4. Seines Alters 74 Jahr, 2 Monat, 3 Tag. Er Ruhe in Frieden! Seine Eltern waren Melchior Eberhard, auch ein Bildhau­er, geboren aus dem vorderen Hindelang; die Bildhauerei erlernte er zu St. Florian, einem Kloster in Oberösterreich. Er starb den 12. September 1777, seines Alters 76 Jahr – und Afra Magerin, gebürtig von Lenden, starb den 12. Februar 1772, Ihres Alters 74 Jahr. Sie ruhen in Frieden!«

»Mein lieber Vater liegt in dem Grab seiner lieben Muster und mein Muter ligt in dem Grab meines Großvaters Melchior Eberhard – auf dem Kirchhof zu Hindelang neben der untern Kirchthür am Weeg. Die Aeltern meines Großvaters waren Mathi­as Eberhard, ein Leinenweber, gebürtig ob dem Beilenberg der Pfarr Altstadt, starb 1743, seines Alters 79. Und Brigida Zellerin, gebürtig aus dem Obernkirch­dorf, gestorben 1753, ihres Alters 87. Sie ruhen in Frieden. Dieser ihre Aeltern wa­ren Michael Zell, Jäger dahier, und Marie Wankmüllerin. Sie ruhen in Frieden.« »Die Aeltern meiner Großmutter, der Veronika Rieffin, waren Georg Rief, ein Stadelküf­fer im Nesselwängl, und Maria Schädlin von Thonheim. Dem Georg Rief fiel ein Salzfaß auf dem Fuß und mußte ihm der Fuß ob dem Knie abgenommen werden, als er 84 Jahr alt war. Er wurde wieder geheilt und erreichte ein Alter von 96 Jah­ren. Sein Vater war Mathias Rief, Jäger im Nesselwängle, der Mutter Nahm ist mir unbekannt. Sie ruhen in Frieden.« – Konrad fährt darauf weiter fort: »Anno 1836 den 18. Dezember ist mein lieber Bruder Franz Xaver Eberhard im 70. Lebensjahr Nachmittag drei Viertel auf Ein Uhr selig in Gott verschieden! nachdem er mit den heiligen Sterbsakramenten versehen worden, hatte er ein großes Verlangen nach dem ewigen Leben! So wie er mir durch ein christliches Leben voranginge, so auch in seinem seligen Tode! – Herr, Gib ihm die ewige Ruhe! und erbarme Dich meiner! erbarme Dich unser!«

»Wie mein liebster Bruder nur immer um mich besorgt war, so war er es bis zu sei­nem Tode; so sagte er: wenn du nur gesund bleibst; traure doch nicht um mich, denn wenn ich die Wahl hätte, noch länger zu leben, so sterbe ich doch lieber! sehe doch, daß du gesund bleibest und die zwei Monumente für die Bischöfe Sailer und Wittmann noch vollenden kannst.«

Als diese Denkmäler vollendet waren, schrieb Konrad: »Diese habe ich nun am Orte ihrer Bestimmung im Dome zu Regensburg vor 10 Täg aufgestellt, 1837 den 2. Juli. Diese Grabmäler wurden mit aller Feierlichkeit von dem Herrn Bischof und hohen Geistlichkeit eingeweiht.«

Weiter heißt es: »Nun habe ich für meinen lieben Bruder noch ein kleines Monu­ment verfertigt; es besteht in einem Basrelief, die Mutter Gottes mit dem segnen­den Christuskinde; ich habe dieses nach der Idee meines lieben Bruders, welches er öfter, im Klein, in Alabaster ausgeführt hatte, ins große von feinem Kalkstein ausgeführt mit zwei Thürlein, wenn die offen, so sieht man die heil. Namenspatrone meines seligen Vaters, Johann den Teuffer, und meiner sel. Mutter, die heil. Veroni­ka, den heil. Franziskus Xaver und den heil. Conrad, Bischof von Konstanz, meinen heil. Namenspatron. Auswendig auf der Thür ist Christus als guter Hirt, und mein blinder Bruder sagt zu Christus: Herr bleibe bei uns, es will Abend werden (ich Ihm zur Seite); vor der Todten Gruft der Pfarrer Wankmüller zu Hindelang sieht zum Fenster herein. Die Gegend ist die von Hindelang.«

»Dieses kleine Denkmal für meinen lieben Bruder und seligen Aeltern werde ich die nächste Woche nach Hindelang transportiren und der Herr Pfarrer, unser beiden liebster Freund, wird den Jahrtag für meinen seligen Bruder abhalten, so wie für unsere lieben seligen Aeltern und Anverwandte. Konrad Eberhard, gleichfalls Bild­hauer, lebe in meinem 69. Lebensjahr in München. Gott der Allmächtige wolle uns alle durch seinen Eingeborenen unsere Sünden verzeihen und durch die Mutter der Barmherzigkeit durch ihre Vorbitte, besonders in der Stunde unsers Absterbens von dieser Welt. Amen.«

Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Leipzig, 1871.


11-01-32 (Eberhard)