Münchener Künstlerbilder (1871) / t_1218

Ludwig Schaller,
Bildhauer.

Für die Kunstwelt hat der Name Schaller schon von früher her einen guten Klang. Der Vater unsers Ludwig, Anton Schaller, stammte aus Waldmünchen in der bayeri­schen Oberpfalz und war ursprünglich zum Töpfer bestimmt, schwang sich aber durch Talent und Fleiß bald zu den ersten unter den Zöglingen der k. k. Porzellan-Manufactur in Wien auf und zeichnete sich später nicht blos als Porzellan-Maler, sondern auch als Zeichner so hervorragend aus, daß ihm, da er besonders im Ge­biete der Anatomie die eingehendsten Studien gemacht, die Stelle eines Profes­sors der Anatomie und der Elementarzeichnung an der k. k. Akademie in Wien übertragen wurde. Von den Oelbildern, welche von dieser Zeit an aus seiner Hand hervorgingen, ist namentlich eine halb lebensgroße Venus bekannt geworden. Auch im Gebiete der Literatur war Anton Schaller tätig und schrieb einige Abhand­lungen über die Kunst.

Anton’s Bruder Johann, jünger als jener, war gleichfalls in der Porzellan-Manufactur beschäftigt, aus welcher er sich zur Kunst durcharbeitete. Er ging im Jahre 1812 als Pensionair nach Rom und ward im Jahre 1823 von dort, wo er tüchtige Werke ge­schaffen, wie die berühmte im Kaisergarten zu Wien aufgestellte Gruppe des »Bel­lerophon im Kampfe mit der Chimära«, als Professor der Bildhauerei an der dorti­gen Akademie berufen. Eine gleichfalls weitbekannte Arbeit desselben Künstlers ist das in den Jahren 1831-33 ausgeführte »Monument Andreas Hofer’s« in der Franciskanerkirche zu Innsbruck. Von großer Bedeutung sind namentlich auch die Portraitbüsten dieses tüchtigen Künstlers.

Auch Ludwig’s älterer Bruder Eduard folgte den Traditionen der Familie und erhielt seine Bildung an der Akademie zu Wien. Nach längerem Aufenthalte in Prag wen­dete er sich 1832, von einer Reise nach Italien zurückkehrend, nach München und vollendete daselbst seine Ausbildung unter Cornelius, worauf er nach seine Vater­stadt zurückkehrte, um sich dort den Ruf eines der vorzüglichsten Meister, beson­ders im Gebiete religiöser Kunst, zu begründen.

Unser Ludwig nun ist am 10. October 1804 in Wien geboren. Aus Anlaß früh sich zeigender Anlagen zum Künstler bestimmt, erhielt er bald gediegenen Unterricht im Zeichnen und in dem, was dem künftigen Plastiker besonders noth that. Dabei las der vierzehnjährige Knabe Alles, was ihm von Werken über die Geschichte der Völker, ihre Sitten und Gebräuche u. dgl. zugänglich wurde, und sah sich auch in den alten Classikern, besonders Homer, in der Mythologie, nicht minder aber in der Anatomie fleißig um. Seine Lieblingslectüre aber bildeten Shakespeare und Cervan­tes. Von den deutschen Dichtern kamen ihm zuerst Goethe und Schiller in die Hand, die er mit wahrer Gier verschlang. Bald bildete er sich einen kleinen Kreis gesinnungsverwandter Genossen, der jedoch die Unzufriedenheit der Professoren der Akademie auf sich zog, welcher sie alle angehörten. Jenen schien nemlich nur die Antike von Bedeutung, und sie wiesen ihre Zöglinge mit Strenge auf sie allein hin. An dem in jeder Zeit entbrannten Goethe-Schiller-Streite nahm Schaller lebhaf­ten Antheil, und es war die größere Objectivität Goethe’s, die begreiflicher Weise den jungen Plastiker fesselte.

Hatte sich derselbe bisher mit besonderer Vorliebe dem Helenenthum zugewen­det, so machte sich nun, da er im achtzehnten Lebensjahre stand, ein starker Um­schwung seiner Anschauungs- und Empfindungsweise bemerkbar. Der ganze Zau­ber des Mittelalters hatte ihn erfaßt, er verweilte Stunden lang im Stefansdome und in der Kirche Mariä Stiegen, er schwärmte für alte Burgen, Schlösser und Klös­ter und vergaß in ihnen und in Gottes freier Natur den Schmerz unbefriedigten künstlerischen Strebens. Mit dem größten Unwillen nur besuchte er die Akademie, die ihm Formen in die Hand gab, welche seinen Empfindungen widersprachen. Es kostete ihn bittere Kämpfe, aus denen er jedoch siegreich hervorging, um sich statt der angelernten von innen heraus christlich-mittelalterliche Formen zu bilden.

Von größtem Einflusse auf Schaller’s Dichten und Trachten in jener Periode war na­mentlich die Lectüre des Nibelungenliedes, das er in Büsching’s Übersetzung ken­nen lernte. Er verwendete einige ersparte Gulden darauf, in der Ferienzeit den Weg stromaufwärts zu machen, den das Lied die Helden die Donau herab kommen läßt. Sein Wegweiser hierbei war das Lied selbst, und er gewann schon damals die unumstößliche Ueberzeugung, daß der Verfasser desselben, wenigstens des zwei­ten Theiles, in Oesterreich zu suchen sei, denn, bemerkt eine Sammlung von Noti­zen von des Künstlers Hand, welche mir vorliegt, »denn man kann Land und Leute nicht besser portraitiren, als es der Dichter thut.«

Er wendete sich mit immer größerer Entschiedenheit dem kirchlichen und ge­schichtlich-deutschen Elemente zu, und legte seinen Compositionen, von poeti­schen Einflüssen hingerissen, gerne einen geheimen mystischen Sinn unter, indem er Poesie und Geschichte zu verbinden suchte. Darum hieß er den Professoren der alten hellenischen Richtung wohl ein Überläufer in’s Lager der Nazarener. Aber es war nicht diese schiefe Stellung allein, welche ihm das Leben schwer machte; sein Kopf war der Hand voran geeilt, die Behandlung des Marmors machte ihm, der bis­her nur in weichem Thon gearbeitet hatte, Schwierigkeiten, welche nur Geduld überwinden konnte. Aber durch den Kampf mit dem Hergebrachten in seinem in­nersten Nervenleben aufgeregt, fühlte er nur zu oft, daß auch sie, die Himmlische, ihn verließ. Seine Gegner erhielten dadurch neue Waffen, es hieß: Haben wir es nicht voraus gesagt; nun seht, wie er zurückgeht! Arm, kränklich, innerlich unzufrie­den, suchte er in der Narkose des Rauchtabaks, im Wirtshausleben sich zu betäu­ben und verschlimmerte seine Lage nach allen Seiten hin: da führte ihn eines Tages sein innerer Trieb in die Hofkirche zu den Augustinern, um dort sich an dem Anblick der Denkmäler des Kaisers Leopold von Franz Zauner und der Prinzessin Maria Christina von Canova zu stärken. Es predigte eben Pater Werner, der berühmte Kanzelredner, über das jüngste Gericht, indem er Miachel-Angelo’s riesige Compo­sition dabei zu Grunde legte, mit einer Lebendigkeit und Wahrheit, welche auch Schaller mächtig ergriff und ihn zur Einkehr in sich selber brachte.

In den ersten Tagen des Jahres 1828 wendete sich der rühmlich bekannte Bildhauer Johann Leeb in München an Schaller’s Oheim, den Professor an der Wiener Akade­mie, mit dem Ersuchen, ihm einen jungen tüchtigen Bildhauer zu schicken, dessen er sich bei der Ausführung vorliegender Aufträge bedienen könnte. Der Oheim zog hie und da Erkundigung ein und umging den Neffen, sei es, weil er selber nicht all­zuviel Hoffnung in dessen Zukunft setzte, sei es, weil er in seiner strengen Recht­lichkeit auch den leisesten Schein des Nepotismus vermeiden wollte. Inzwischen hatte Ludwig Kenntniß von der Sache erhalten und bat rasch entschlossen seinen Oheim, bei dem er eben in Arbeit stand, um seine Verwendung in der Sache, er­hielt dessen Zusage, verständigte mit blutendem Herzen die geliebten Eltern von seinem Vorhaben und reiste bald darauf, von seinem Oheim mit erbetenen Emp­fehlungsbriefen an Cornelius und Conrad Eberhard versehen, nach München ab.

Von seinen in Wien gelieferten Arbeiten mag hier nur der Statue des »Perseus mit dem Medusenhaupte« Erwähnung geschehen, welche ihm den akademischen Preis verschafft hatte.

Mit seinem Eintreffen in München am 14. April 1828 begann für ihn ein neuer Le­bensabschnitt. Sein Gesichtskreis erweiterte sich zwar augenblicklich, aber noch lange fühlte er nach seinen eigenen Worten eine gewisse Kleingeisterei und Be­schränktheit der künstlerischen Anschauung. Von allen Künstlern Münchens machte Cornelius den mächtigsten Eindruck auf ihn. Derselbe hatte bereits den Göttersaal in der Glyptothek vollendet und arbeitete eben an seinen Gemälden für den Saal der Heroen ebendort. Diese Vorbilder, noch mehr aber die eiserne Nothwendigkeit des Lebens, ließen Schaller wieder sein Griechenthum hervorsuchen. Professor Leeb hatte allen Grund, mit seinem neuen Gehilfen zufrieden zu sein und übertrug ihm bald Arbeiten, die er Andern abgenommen hatte. Die freundlichen Worte, wel­che Thorwaldsen’s Schüler, der Däne Hermann Freund, bekanntlich einer der ersten Bildhauer, welche sich mit der Darstellung der nordischen Mythologie befaßten, über seine Leistungen ihm sagte, waren die erste Anerkennung, deren er sich in München zu erfreuen hatte.

Nach drei Monaten ging Schaller zu Ernst Meier über, der sich damals mit den Sta­tuen für das Giebelfeld der Glyptothek beschäftigte. Die Aufforderung war ihm um so erwünschter geworden, als es dort sich um Kolossalfiguren handelte. Die von Schaller rasch hergestellte erste Statue ward von Cornelius und Klenze besichtigt, und der junge Künstler hatte das Glück, daß gerade von ihm herrührende Stellen des Ersteren ganzen Beifall erhielten. In diese seine Lehrzeit fällt auch der Carton eines den Kindermord behandelnden Basreliefs. In der Gestalt der Rahel machte er seinen Schmerzen Luft. Schwanthaler’s Wesen, bei dem er nun in Beschäftigung trat, sagte ihm besser zu. In seiner Werkstätte fertigte er die beiden letzten Wände des Bacchusfrieses und eine große Menge anderer Arbeiten für die fürstlich Turn und Taxis’sche Reitschule und den Königsbau. Der Meister erkannte sein Talent und wußte es fruchtbringend für sich selber zu benutzen, da durchriß Schaller wie ein gehetzter Hirsch das Netz und erklärte sich im Frühling des Jahres 1831 für selb­ständig.

Einige Portraitbüsten, darunter die Eduard Duller’s und Karl Spindler’s, verschafften ihm die Mittel, eine »Pandora« im Relief auszuführen, die er im Kunstverein aus­stellte. Während er sich mit deren Ausführung beschäftigte, trug er sich schon mit dem Gedanken einer neuen Schöpfung. Auf das Gemüth des fünfjährigen Knaben schon hatte der Anblick des Sternenhimmels einen erschütternden Eindruck ge­macht. In jener Nacht, in welcher der Donner der Kanonen von Aspern herüber­scholl, lag er im Grase und folgte den über ihm kreisenden Gestirnen. Seither fand er nur in ihrem Anblick Ruhe. Nun drängte es ihn, seine Gedanken und Empfindun­gen künstlerisch zu gestalten, er zeichnete und zeichnete, daß er darüber ganz des Lebens Nothdurft vergaß. Der Kunstverein hatte seine »Pandora« zurückgewiesen und Schaller war ganz ohne alle Mittel. Seine Freunde und ein paar Landsleute, dar­unter Moritz von Schwind, sahen mit Besorgniß seine Lage. Man schrieb ohne Schaller’s Vorwissen an den Oheim, und als dieser Mittel schaffte, war des jungen Künstlers Stolz so verletzt, daß er fast Lust hatte das Geld mit Dank heimzuschi­cken.

Schaller bestimmte seine neue Composition für das Schlafzimmer eines Palastes und ordnete demgemäß um einen größeren Kreis, der Luna mit Harpokrates auf rehbespanntem Wagen stehend, von der Dämmerungsstunde geleitet, aufnahm, vier Reliefs gleich dem mittleren auf goldnem Grunde. Hesperus senkt die Fackel und erfrischt die lechzende Erde mit Thau. Die Jungfrau von Sirius bewacht schau­kelt sich in ihrem Schleier. Berenike sitzt auf einem Wölkchen, indeß Eros ihre ge­opferten Locken über den Himmel streut, von ihr am Gängelband geleitet. Lucifer beschließt den Reigen, die Fackel schwingend und Rosenknospen im Haar, taucht er sanft in die Wellen, um darin zu versinken. Die Dioskuren, Plejaden, Hyaden und Orion umgeben im Kreise die äußeren Reliefs. Das Werk ist von ausgezeichneter Schönheit und im ernsten würdigen Style behandelt.

Nach sechs Wochen ununterbrochener Anstrengung waren die Entwürfe dem Ab­schlusse nah und nun ging Schaller trotz aller Erschöpfung sofort an das Modelli­ren. Innerhalb weiterer sechs Wochen war die »Jungfrau« in Gyps vollendet. Er hielt sich für gerettet, die Wirkung seines Werkes war eine schlagende, und den­noch wies es der Kunstverein zurück. Schaller, aller Mittel entblößt, erhielt die Hi­obsbotschaft bei seinem Freunde Schwind. Er war der Verzweiflung nahe. Des an­deren Morgens aber schwebte ihm ein holdes Bild von seiner Seele, mit wenig flüchtigen Zügen entwarf er den Umriß einer in Ohnmacht sinkenden »Psyche«, und als ihn Schwind des Mittags aufsuchte, konnte er ihm bereits die Thonskizze vorzeigen, die seinen Beifall erhielt. Mit dem wunderbar lieblichen Figürchen voll feinster Empfindung drang Schaller endlich bei der Vereinsbehörde durch und nahm sofort die Arbeit an den Sternbildern wieder auf.

Im zweiten Jahre seiner Selbständigkeit erhielt er den Auftrag, eine Porträtbüste der Königin Therese anzufertigen. Obwohl er die Arbeiten Anderer zu Grunde le­gen und nur die letzte Hand nach der Natur anlegen sollte, ward ihm dennoch die Gnade zu Theil, das Werk ganz nach demLeben modelliren zu dürfen. nach seinen eigenen Worten wollte er nicht ein Idealporträt schaffen, sondern das Wesen in sei­ner uns sichtbaren Erscheinung in die Plastik einführen und hielt an dem Grundsat­ze stets getreulich fest.

So war das Jahr 1833 herangekommen, und Schaller ward beauftragt, zwei Säle der Pinakothek mit Reliefs aus dem Leben Johann’s van Eyck, Hans Holbein’s und Al­brecht Dürer’s zu schmücken. Waren auch die einzelnen Momente der Wahl des Künstlers entrückt, so fühlte er sich doch durch die Anerkennung seines Werkes ei­nerseits und die Bedeutung des Auftrags andrerseits gehoben und arbeitete mit solchem Fleiße an dessen Ausführung, daß er nicht blos damit, sondern auch mit den Entwürfen von vier allegorischen Figuren für die Decke des Schlafgemachs der Königin im Königsbau (Malerei, Plastik, Architektur und Naturwissenschaft) zu Ende kam und dafür großes Lob erntete. Schwanthaler’s Schüler waren unvorbereitet auf Schaller’s Art zu denken und empfinden einzugehen. Ihre Ausführung der Schal­ler’schen Entwürfe war auf’s äußerste forcirt und befriedigte ihn in keiner Weise. Leider mußte er für die Fehler Anderer eintreten und ward nur durch das inzwi­schen aus Rom heimgekehrten Schwanthaler Worte: »Diese Reliefs sind mit Shaks­peare’schem Geist erfunden« entschädigt.

Er suchte auf einer Fußreise nach Innsbruck Erholung für Leib und Seele. Sein ers­ter Gang dortselbst war, obwohl ein heftiges Fieber ihn schüttelte, der zum Kaiser­grab in der Franciskanerkirche. Hören wir hierüber seine eigenen Worte: »Eine grö­ßere Todtenfeier hat die Plastik nie begangen. Dem Christenthume allein war es vorbehalten, sich zu solcher Anschauungs-, zu solcher Darstellungsweise aufzu­schwingen. Nur eine deutsche Seele war eines solchen Gedankens fähig, und nur deutsche Einfachheit und Reinheit des Gemüthes, nur deutscher Fleiß konnte es zur Vollendung führen.«

Leidend heimgekehrt ging er mehr zur Zerstreuung als aus Begeisterung an die Ar­beit und feierte in der lebensgroßen »Statue der Hygieia« gleichsam das Fest sei­ner Genesung. Sie kam in den Besitz des Banquiers Hoftig in St. Gallen, der in sei­nem Garten einen kleinen Tempel darüber errichten Ließ. Ihr folgten eine Anzahl kleinerer Gruppen und Einzel-Statuen; seine damalige Thätigkeit fand jedoch ihren Gipfelpunkt in der vom Könige Ludwig (1840) ihm übertragenen Herstellung des »Prometheus« und des »Phidias« für die Nischen der Glyptothek in Marmor.

In dieselbe Zeit fällt eine sehr umfassende und figurenreiche Composition, in wel­cher Schaller die verschiedenen »olympischen Spiele« behandelte. Er führte in rei­cher Bewegung den Wettkampf im Reiten, im Rennen der Wagen, im Diskus-Wer­fen, im Faustkampf, im Ringen und Laufen vor und zeigt die Bekränzung der Sieger sammt Pindar als dem unsterblichen Sänger der Spiele. Der Entwurf war ursprüng­lich zur plastischen Ausführung bestimmt, er gelangte jedoch später durch Schwind’s Vermittlung und unter seiner Aufsicht im Akademie-Gebäude zu Carlsru­he zur Ausführung mittels Farbe, roth auf braunem Grunde. Ebendort fanden seine Sternbilder Aufnahme an der Decke eines Saales.

Director Martin Wagner hatte damals eben einen längeren Aufenthalt in München genommen, um die vereinigten Sammlungen zu ordnen. Bald darauf nach Rom zu­rückgekehrt, sprach er sich über Schaller’s »Prometheus« und »Phidias«, namentlich auch gegen Thorwaldsen, in der anerkennendsten Weise aus. Als Letzterer nicht lange nachher in München durchreiste, hatte Schaller das Glück von dem Meister freundlichst aufgenommen zu werden. In einer längeren Unterredung erschloß ihm derselbe seine große Künstlerseele und sprach mit ebenso großer Offenheit wie Klarheit über ihre Kunst. Den günstigsten Eindruck auf Thorwaldsen machten die Sternbilder, und beim Abschied umarmte und küßte er den Kunstgenossen mit ei­ner Herzlichkeit, deren Gedächtniß einen der höchsten Glanzpunkte in Schaller’s Seelenleben bildet.

Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder; Leipzig 1871.


30-02-14 (Schaller)