Münchener Conversationsblatt (19.6.1847) / t_86

Am Grabe Heinrich Bärmann’s.

Wie wehmuthsvoll und ernst erklinget das Geläute
Vom Thurm des Friedhofs auf den Trauerzug herab,
Als sollten diese Glöcklein wissen, wem man heute
Zur stillen Grabesruh die letzte Ehre gab!

So tiefergreifend tönen ihre Laute,
Als kämen sie aus tief beklemmter Brust,
Wie Klagen, die der Freund dem Freund vertraute,
Des gleichen Schmerzgefühles sich bewußt.

Ein Stern der ersten Größe ist entschwunden
An dem der Kunst geweihten Horizont,
Ein Mann, dem seine Zeit den Kranz gewunden,
Womit sie ihre Lieblinge nur lohnt.

Bärmann war Künstler in des Worts Bedeutung,
In seinem vollen, hochgestellten Sinn,
Ihn führte unter liebevoller Leitung
Sein Genius auf des Ruhmes Gipfel hin.

Es waren freie, edle, geistige Gestalten,
Die er in Bildern uns’rem Innern vorgeführt,
Wie sie in Tönen nur und Harmonien walten,
Wodurch Musik das Menschenherz ergreift und rührt.

Er wußte magisch uns zu sich empor zu heben,
Weil er Gefühles-Innigkeit mit Kunst verband,
Und dem entzückten Hörer liebend hinzugeben
Was ihn begeisterte, und wir er’s selbst empfand.

Als Künstler groß, als Mensch gemüthvoll, herzlich,
Ein liebevoller Gatte, Vater und ein treuer Freund,
Wir alle, die ihn kannten, fühlen heute schmerzlich,
Er sey es würdig, daß man ihn beweint.

Er hat des Lebens Grenzen ehrenvoll erreicht,
Er ruhe sanft, dem Edlen ist die Erde leicht.

München am 13. Juni 1847. F. L.

Münchener Conversationsblatt No. 49. Samstag, 19. Juni 1847.


05-17-35* (Bärmann)