Münchener Conversations-Blatt (2.4.1831) / t_517

Der bis an sein Ende um das allgemeine Beste hochverdiente k. Baurath Herr Baumgartner, dessen leidenvolles Hinscheiden wir vorgestern zuerst angezeigt ha­ben, lieferte in früherer Zeit manchen gemeinnützigen vaterländischen Beitrag in hiesige Volksblätter, in letzterer Zeit und noch im Voraus den historischen Tagska­lender in dem »Tagsblatte,« wodurch manche schöne Erinnerung unter uns erhalten wurde, für die wir ihm dankbar sind.

Oftmals ärgerte er sich während seines Krankenlagers über die Redaktion dieses Blattes; aber was würde der Verlebte zu seiner um sechs Stunden zu früh gemach­ten Todesanzeige sagen, formalia: »Der um die Staat (Stadt) München so hochver­diente k. Baurath Anton Baumgartner ist gestern Morgens 4 Uhr (10 Uhr) gestor­ben etc.,« oder endlich zu der Drohung, daß sogar seine Biographie dort erschei­nen soll?

Nothwendiger Weise dringt sich hier der in diesen Blättern bei mehreren Todesfäl­len bereits niedergelegte Wunsch wiederholt auf, es möchte auch dieser, um den Staat, besonders in der früheren Stellung, in allgemeinen und besonderen gefahr­vollen Epochen sehr verdiente Beamte wenigstens nach seinem Tode eine Aus­zeichnung genießen, daß nämlich dessen Nekrolog, durch eine würdige Feder aus seinen reichhaltigen Papieren gezogen, in dem k. Regierungs-Blatte einen ehren­vollen Platz finde.

Uebrigens besaß dieser wackere Patriot und eifrige Staatsdiener ein ausgebreite­tes Wissen, besonders im geschichtlichen Forschungsfache, und schätzbare Samm­lungen an Manuskripten und gedruckten Werken; er war, so zu sagen, ein lebendi­ges Repertorium, ein Biograph ohne gleichen. Seine unersetzlichen Eigenschaften hei gefahrvollen Gelegenheiten und außerordentlichen Vorfällen sind Münchens Bewohnern ohnehin bekannt. Friede seiner Asche!

Münchener Conversations-Blatt Nro. 92. Mitgabe zum Bayer’schen Beobachter. München. Sonnabend, den 2. April 1831.


09-01-17 (Baumgartner & Parrot)