Münchener Conversations-Blatt (19.4.1831) / t_519

Man liest wohl von einer Staatsrath v. Ringl’schen Mobilien-Auktion, nichts aber von einem Nekrolog des Verblichenen, wie wir in diesen Unterhaltungsblättern bereits früher zu hoffen uns erlaubt haben. Wären nicht auf Privatkosten herausgegebene öffentliche Blätter hie und da so gefällig und uneigennützig, das Andenken ver­dienter Staatsbeamter durch Aufnahme ihrer Nekrologe zu ehren, so würde dieses, wie schon bei mehreren Gelegenheiten bezüglich auf das Regierungsblatt (s. Nr. 89 d. B.) in wiederholte Anregung gebracht worden ist, seit einiger Zeit gänzlich un­terblieben seyn. Das neueste Beispiel haben wir wieder von dem verlebten königl. Herrn Obermedicinalrathe von Haberl dahier erfahren, dessen Nekrolog die »Flo­ra« lieferte, wo man ihn nach Umfluß von Jahren freilich nicht suchen wird, so wie jenen des k. Staatsraths etc. v. Widder in einem »Landboten-Blatt.« Sogar der »rei­sende Teufel« modo »furchtlose Bayer« sah sich genöthigt, nach unserm Blatte Nr. 92 ein Blümchen auf das Grab des seeligen Anton Baumgartner zu legen. Vor Zei­ten rechnete sich’s auch die Akademie der Wissenschaften zum Verdienste, selbst von Nichtmitgliedern, aus verschiedenen Ständen nach ihrem Tode biographische Notizen in Druck zu geben. Dieses wäre bei Baumgartner um so gewisser nicht mehr als billig, als derselbe durch seine angestrengteste Sorgfalt und Wachsamkeit sich um dieselbe und ihre kostbaren Attribute (Bibliothek) hohe Verdienste erwor­ben hat, weil ihm speziell die Leitung und Aufsicht des Dienstpersonals für die Feu­erlösch-Requisiten, Wasserleitungen und Hauskamine übertragen ward, mit wel­chem er täglich ein Protokol abhielt.

Münchener Conversations-Blatt Nro. 109. Mitgabe zum Bayer’schen Beobachter. München. Dienstag, den 19. April 1831.


09-01-17 (Baumgartner & Parrot)