Münchener Anzeiger (25.11.1858) / t_1248

München, 24. Nov. Wir verkünden somit den guten Münchnern, Groß und Klein, Alt und Jung, daß ihnen Gelegenheit geboten wird, bisweilen ein Stündchen fröhlich um wohlfeilen Preis zuzubringen. Nämlich: Nächsten Sonntag Nachm. 4 Uhr wird ein neues großes Marionetten-Theater (Lokal: Prannersstraße Nr. 11) eröffnet und zwar kein gewöhnliches oder von ordinärer Facon. Ueber 50 der herrlichsten Deko­rationen von einem wirklichen Künstler gemalt, mehr als 80 kostbare Figuren, ein Repertoire ausgezeichneter Stücke zur Erbauung und Belustigung, wozu, ganz namhafte Schriftsteller Beiträge geliefert und stets liefern werden! Ein überaus be­gabter Casperl wird sich bei aller Lustbarkeit stets in den Schranken des Anstandes zu halten wissen. Auch in kulturhistorischer und literärgeschichtlicher Hinsicht wird das Marionettentheater von Interesse sein, weil wir von den alten, originellen Pup­pen spielen (wie z. B. den ächten Doktor Faust u. a. m.) zu sehen bekommen wer­den, versteht sich: mit Hinweglassung dessen, was man sich dermalen nicht mehr vorzuführen erlauben dürfte. Also kommt und urtheilt selbst! Der Zettel wird das Nähere bekannt geben.

Münchener Anzeiger Nr. 327. Beilage zu den neuesten Nachrichten. Donnerstag, den 25. November 1858.


33-03-15 (Schmid)