Mittheilungen der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft (1901) / t_1754

Das äussere Bild des Verstorbenen [Max von Wilmersdörffer] ist bekannt von dem lebenswahren Medaillenporträt, das wenige Wochen vor dem Tode von M. Gube hergestellt wurde. Nun ist der genannte Künstler auch schon bei den Toten. Max Gube, K. Bayer. Hofgraveur, starb am 15. Juni vorigen Jahres. Auch in ihm hat die Gesellschaft ein langjähriges und rühriges Mitglied zu beklagen. Mitten aus erfolg­reicher Tätigkeit, im kräftigsten Mannesalter ist er abberufen worden, eben als sein künstlerisches Schaffen sich der Reife und Vollendung zu nähern schien. Von edels­tem Streben erfüllt, unablässig ringend mit den Aufgaben, die er sich nie hoch ge­nug setzen konnte, tapfer kämpfend mit mancherlei Mühsal, die ihm, wie so man­chem Berufsgenossen, nicht erspart blieb, ist ihm das Leben nicht leicht geworden. Ein Leben voll Müh und Arbeit ist es gewesen, und dennoch ist ihm nicht der Lohn geworden, den redliches Bemühen verheisst, die Zufriedenheit mit sich selbst. Nie war ihm vergönnt, in freiem, vom Erwerb unabhängigem Schaffen um die Palme zu ringen, und so blieb ein stolzes Ungenügen, eine ewige Unrast sein Teil, das mehr noch als die Werke seiner Hand für seine wirkliche Künstlernatur zeugte. Vielfach gehemmt, gestört und zu früh zerstört, ist dies Leben nicht frei von einem tragi­schen Zug.

Zu Ratibor in Schlesien am 20. Mai 1849 geboren, stammte Gube aus einer Familie, in der das Talent zum Graveur erblich war. Der russische Hofmedailleur Hr. Gube, der berühmteste seines Namens, war sein Grossonkel. Nach Absolvierung der Han­delsschule seiner Vaterstadt besuchte er die Kunstakademie in Berlin und kam dort in das Atelier des Tierbildhauers Wolf. In mancherlei Gelegenheitsarbeiten für Jagdsport- und Hundezüchtereiausstellungen hat Gube die gute Schule später nicht verleugnet. Seine Ausbildung als Medailleur erhielt er indes in dem strengen Unterricht des Wiener Akademieprofessors Radnitzky, dem der Schüler zeit seines Lebens die grösste Verehrung bewahrte und dessen gesunde, besonders auf eine gute technische und handwerkliche Grundlage gerichtete Lehre er nicht genug preisen konnte. 1875 siedelte er nach München über. Zunächst waren es vorwie­gend Aufträge für den Siegelgraveur und Exlibrisstecher, mit denen Gube sein Brot verdiente. Ein gutes heraldisches Verständnis befähigte ihn hierzu besonders. Als Steinschneider war er bald so geschätzt, dass er mehrfach von König Ludwig II.. mit bedeutenden Arbeiten betraut wurde. Die sanguinischen Hoffnungen, die Gube auf die königliche Gunst gebaut hatte, stürzten freilich bei dem tragischen Ende des Königs jäh zusammen. Es war dies die grosse Enttäuschung seines Le­bens, die der Künstler niemals ganz verwunden hat.

Erst Ende der achtziger Jahre begann Gube sich von neuem auf die Medaille zu verlegen. Auch hier liess der verdiente Erfolg nicht lange auf sich warten. Eine Me­daille auf Prinz Alfons und Gemahlin machte ihn rasch in den höchsten Kreisen be­kannt. In rascher Folge modellierte er Prinz und Prinzessin Ludwig Ferdinand, Graf Gatterburg, Kardinal Haller von Salzburg, Prinz Ludwig von Bayern, Fürst Fugger-Babenhausen, Erzbischof A. Gruber von Salzburg, Kardinal Erzbischof Tornvczy von Salzburg u. s. w. Auch Prinz-Regent Luitpold gewährte Gube mehrere Sitzungen. Zu seinen gelungensten Arbeiten rechnen wir ferner die sprechendähnliche Medail­le auf M. v. Wilmarsdörffer, auf Dr. Hirsch und Gemahlin, sowie das lebendig aufge­fasste Doppelporträt von sich und seiner Gattin. Ein Verzeichnis seiner sämtlichen Werke auf dem Gebiete der Medaille findet sich von pietätvoller Freundeshand in der Frankfurter Münzzeitung 1904 S. 146 zusammengestellt. Eine sehr lebendige Auffassung, die sich nicht genug tun konnte im Aufsuchen der kleinsten Details, ein ausgesprochener Sinn für die stoffliche Eigenart, der kein technisches Mittel unge­nützt liess, den Charakter der Haut, des Haares oder Gewandes getreulich wieder­zugeben, endlich eine grosse Sicherheit im Heraldischen, das sind die Hauptvorzü­ge seiner Arbeiten. Die grosse technische Erfahrung, die er immer noch zu vertie­fen bestrebt war, vermissen wir namentlich bei den Zusammenkünften unserer Ge­sellschaft, bei denen er nur selten fehlte und häufig in seiner lebendigen Weise in die Debatte eingriff. Dem temperamentvollen Künstler werden alle, die ihn ge­kannt, ein ehrenvolles Andenken bewahren, seine Werke aber bezeugen sein hohes Streben und seinen unablässigen Fleiss über das Grab hinaus.

Mittheilungen der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft. München, 1905.


11-03-06 (Gube & Maendler)