memento! Franz Xaver Gabelsberger

Franz Xaver Gabelsberger

Erfinder der Gabelsberger-Kurzschrift, einem Vorläufer der Deutschen Einheitskurzschrift

https://www.suedfriedhof-muenchen.de/wiki/07-10-54-gabelsberger/

Grab der Familie Gabelsberger auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2013)
Grab der Familie Gabelsberger auf dem Alten Südfriedhof München (Juni 2013)

Am 4. Januar 1849 starb Franz Xaver Gabelsberger »plötzlich in Folge eines Schlagflusses, welcher ihn auf öffentlicher Straße heute Morgens 10 Uhr ereilt hat«.

Bei einem so plötzlichen Tod fehlte der katholischen Kirche allerdings nicht nur der unabdingbare Leidensweg des Verblichenen sondern auch die Vergabe der »Eintrittskarte« zum Himmel durch die Geistlichkeit in Form der Sterbesakramente. Dementsprechend ging der Pfarrer bei seiner Rede am offenen Grab Gabelsbergers in Anwesenheit hunderter Trauernder mit keinem Wort auf dessen Verdienste ein, sondern gab nur der Hoffnung Ausdruck, der Verstorbene möge Gnade vor Gott finden, obwohl dieser ohne geistlichen Beistand gestorben sei: »Mehr weiß ich von ihm nicht zu sagen.«

Die fassungslose Trauergemeinde wußte jedoch sehr wohl, was noch zu sagen gewesen wäre…

Über diesen Eklat bei der Beerdigung Gabelsbergers auf dem Alten Südfriedhof wurde in zahlreichen Tageszeitungen berichtet. So in der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 12.1.1849:

»Das Begräbniß des Ministerialraths Gabelsberger hat eine Art zelotischen Scandals auf dem Gottesacker veranlaßt. Gabelsberger war in ganz München und Hunder­ten seiner Schüler und Freunde auswärts bekannt als ein Mann der Liebe und des Friedens, als ein Muster an Sanftmuth, Biedersinn und Rechtschaffenheit. Dem er­zeugt Gott in den Augen von Tausenden die Gnade, ihn abzurufen ohne Leiden und Kummer auf dem Krankenbett. Aber die Kirche läßt sich Rechte auf die Seeln so wenig nehmen wie ihre Stolgebühren. Darum ging die kurze Rede am offenen Grabe in Gegenwart von vielleicht Tausend Menschen dahin, ein solcher rascher Tod durch Schlagfluß sei ein Strafgericht des Herrn; also für die arme Seele zu be­ten! Vielleicht wäre der Priester an Ort und Stelle gemishandelt worden, wenn die Entrüstung dort Zeit gehabt hätte, sich nach außen zu entladen. Dafür ist sie wie ein Blitzstrahl über ganz München hingefahren und widerhallt in tausend Verwün­schungen über den unausrottbaren Fanatismus noch zur Stunde fort.«