Mährischer Wanderer (1835) / t_259

Zweikampf.

Ein sehr tragischer Vorfall trübte zu München die Freuden der erwachten Fastnacht 1833: Baron Keßling, Neffe des allgemein sehr hoch geachteten königl. Oberstall­meisters gleichen Namens, wurde von einem aus der Moldau gebürtigen Hrn. Rolla im Zweikampfe erschossen; ein Streit über das sogenannte Austanzen auf einem Museumballe gab Veranlassung zu diesem unseligen Duelle. Baron Keßling tanzte dann vorerst noch die ganze Nacht über auf einem Balle beim Minister der auswär­tigen Angelegenheiten, wechselte früh am Morgen die Kleider, fuhr nach einem auf dem rechten Ufer der Isar bei der sogenannten Menterschwaige gelegenen Hölz­chen, und wurde in demselben getödtet. Baron Keßling war Junker in dem da­selbst garnisonirenden ersten Kuirassierregiment, er war ein schöner hoffnungsvol­ler Jüngling, dem ein sehr bedeutendes Vermögen zugefallen wäre. Rolla ist mit seinem Sekundanten entflohen; er war ein ruder junger Mensch, von nicht sehr gu­tem Rufe, daher es auch getadelt wird, daß sich Keßling überhaupt mit ihm schlug.

(Planet 1833, Nr. 39.)

Mährischer Wanderer. Spiegelbilder. Belehrung und Warnung in Beispielen. Brünn, 1835.


AA-23 (Kesling)