Kunstvereins-Bericht für 1872 (1873) / t_960

Nekrologe

Friedrich Kirchmayer,
Bildhauer,

geboren zu München im Jahre 1813, war der Sohn des Bildhauers Joseph Kirch­mayer. Nachdem er eine Zeit lang die Akademie seiner Vaterstadt besucht hatte, gelang es ihm, in Ludwig Schwanthaler’s Atelier Verwendung zu finden, unter des­sen Leitung er verschiedene Modelle ausführte. Im Jahre 1839 reiste Kirchmayer nach Petersburg, um dort unter Bildhauer Lemaire an den Statuen für das Giebel­feld der Isaakskirche zu arbeiten. Nach fast dreijährigem Aufenthalte, während wel­cher Zeit er auch mehrere Büsten zu fertigen Gelegenheit hatte, kehrte er in die Heimath zurück. Das Verlangen nach weiterer Ausbildung führte ihn bald darauf nach Italien. Er besuchte Rom zum Studium der Antike und verweilte auch einige Zeit in Neapel. Im Jahre 1844 finden wir ihn wieder in München, wo er bis zu sei­nem am 10. Dezember 1871 erfolgten Tode eine unermüdliche Thätigkeit in seinem Fache entwickelt hat. Bald war es die griechische Mythologie, bald das Christent­hum, aus welchen er die Idee zu verschiedenen Arbeiten schöpfte. So entstanden ein heimkehrender Odysseus, eine Tänzerin, mehrere Apostelfiguren in Lebensgrö­ße, eine Madonna mit dem Jesuskinde, ein Crucifix in Stein, dann ein paar Brun­nenmodelle und in letzter Zeit außerdem eine beträchtliche Anzahl der mannigfal­tigsten Entwürfe, von dem anspruchslosen Künstler in stiller Zurückgezogenheit ausgeführt.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1872. München, 1873.


MR-290 (Kirchmayer & Seibold)