Kunstvereins-Bericht für 1872 (1873) / t_812

Carl Friedrich Fries,
Historien- und Genremaler,

war der Sohn eines Apothekers aus Winweiler in der Rheinpfalz und daselbst am 20. November 1831 geboren. Er besuchte die Lateinschule in Kaiserslautern, hier­auf das Gymnasium in Zweibrücken, absolvirte letzteres in München, wohin seine Eltern im Jahre 1847 übergesiedelt waren, und studierte dann noch zwei Jahre lang auf der Universität. Einer schon frühzeitig sich entwickelnden Neigung für die Kunst hatten die Eltern kein Hinderniß in den Weg gelegt, vielmehr dieselbe zu för­dern gesucht, indem sie ihm Unterricht im Zeichnen ertheilen ließen.

Fries beschloß jetzt, es auch mit dem Malen zu versuchen und ward zu diesem Zwecke Schüler des rühmlichst bekannten Genremalers Moriz Müller, genannt Feu­ermüller. Nachdem er sich die Elemente der Technik angeeignet hatte, besuchte er die Akademie, gieng dann nach Wien, wo er unter Professor Rahl Studien machte, und schließlich 1855 zur weiteren Ausbildung nach Italien. Hier lernte er Anselm Feuerbach kennen und brachte mit diesem mehrere Jahre in Venedig und Rom zu, eifrig mit dem Studium der älteren italienischen Meister beschäftigt. Hierauf begab er sich nach Neapel, wo er ebenfalls einen längeren Aufenthalt nahm und mehrere Kirchenbilder und Portraits, unter anderen für die Familie Mancini malte.

Im Jahre 1861 nach München zurückgekehrt, zeigte Fries bald, daß er in Italien et­was Tüchtiges gelernt habe. Wir verweisen zum Beispiel nur auf eine »Himmelfahrt Mariä« nach Tizian, welche Freiherr v. Schack für seine Gallerie erwarb. Ebenso sei eines trefflichen Genrebildes »Badeleben in den Abruzzen« hier Erwähnung gethan.

Als König Maximilian von Bayern das von ihm erbaute Nationalmuseum mit Wand­gemälden aus der vaterländischen Geschichte ausschmücken ließ, ergieng auch an Fries ein dahin zielender Auftrag, dessen er sich mit sehr günstigem Erfolge entle­digt hat.

Leider war dem wackeren Künstler nur eine kurze Laufbahn beschieden. Er starb am 20. Dezember 1871 in St. Gallen an den Folgen einer Erkältung, die er sich auf der Reise dahin zugezogen hatte, nach nur viertägigem Leiden.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunstvereins in München während des Jahres 1872. München, 1873.


28-01-09/10 (Burger & Fries & Savoye)