Kunstvereins-Bericht für 1872 (1873) / t_1611

Friedrich Lossow,
Thiermaler,

geboren zu München am 13. Juni 1837, war der Sohn des bekannten, seiner Zeit von König Ludwig I. namentlich mit Büsten vielbeschäftigten Bildhauers Arnold Lossow. Schon während er die Elementar-, und später die Lateinschule besuchte, verrieth er eine ausgeprägte Vorliebe für Darstellungen aus dem Thierleben und versuchte sich auch fleißig in solchen, ohne jedoch einen regelmäßigen Unterricht zu erhalten. Indessen förderte er bald so auffallende Proben eines ungewöhnlichen Talentes zu Tage, daß es sich unmöglich verkennen ließ, wie viel besser er seinen Platz hinter der Staffelei als dem Studiertische ausfüllen würde, und man beschloß, ihn auf die Akademie zu schicken, wo er zunächst den Antikensaal besuchte. Was er hier zeichnen sollte, sagte jedoch Lossow’s Geschmack wenig zu, und statt der ihm gegebenen Aufgabe entstanden sehr oft Thierstudien, welche mit weit mehr Liebe und Verständniß durchgeführt waren, als jene nach der Antike. Er trat daher bald wieder aus, entschlossen, es mit der Kuust nun allein zu versuchen. So ganz sollte er sich jedoch nicht überlassen bleiben; seine Arbeiten zogen vielmehr die Aufmerksamkeit manches bedeutenden Künstlers auf sich und Männer wie Theo­dor Horschelt, Friedrich Voltz und v. Kotzebue sind mit Rath und That oft und ger­ne zur Hand gewesen, wenn es galt, dem jungen, ebenso strebsamen als beschei­denen Fachgenossen über Schwierigkeiten, denen er noch nicht gewachsen war, hinwegzuhelfen. In verhältnißmäßig kurzer Zeit hatte es Lossow so weit gebracht, daß seine Arbeiten nur noch eine vollendetere Technik in der Malerei hätten auf­weisen sollen, um sie als ganz vorzügliche Leistungen bezeichnen zu können. Um diese sich zu erwerben, trat er im Anfang der sechziger Jahr bei Carl v. Piloty als Schüler ein. Wie rasch es ihm gelungen ist, auch in der angedeuteten Beziehung sich zu vervollkommnen, beweisen die Bilder, deren Entstehung in die erwähnte Zeit oder bald nach derselben fällt. Wir erwähnen beispielsweise nur eine »Ratten­jagd«, eine »ländliche Scene am Backofen« und eine »Hunde- und Affenkomödie auf der Reise«. Neben ihren Vorzügen vom künstlerischen Standpunkte aus ist es der in den meisten seiner Werke zu Tage tretende prächtige Humor, der sie so an­ziehend macht. Außer seinen, in der Folge der Zeit sehr gesuchten Oelbildern ver­danken wir Lossow auch eine Menge Zeichnungen für den Holzschnitt, für welche er eine ganz besondere Befähigung besaß und in denen er seine köstliche Laune noch viel glänzender zur Freude für Alt und Jung entwickelt hat. Dieselben fanden ihren Platz theils in den Fliegenden Blättern und Münchener Bilderbogen, theils sind sie als Illustrationen zu gegebenen Stoffen in eigenen Werkchen erschienen. Zu seinen letzten Arbeiten in diesem Fache gehören die beiden Blätter aus dem jüngsten Kriege m den Münchener Bilderbogen, die jedoch ganz im Gegensatze zu früheren Werken von herzergreifender elegischer Stimmung sind. Der wackere Künstler, dessen Gesundheit seit Jahren erschüttert war, hat wohl damals schon die Ahnung eines frühen Todes in sich getragen. Nur allzubald sollte diese Ahnung auch in Erfüllung gehen. Am 19. Januar 1872 ist er nach langer schmerzlicher Krankheit verschieden.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1872. München, 1873.


09-05-51/52* (Lossow)