Kunstvereins-Bericht für 1870 (1871) / t_40

Nekrologe.

Max Emanuel Ainmiller,Maler, Inspektor der k. Glasmalerei und Ehrenmitglied der k. Akademie der bild. Künste,

geboren zu München den 14. Februar 1806, war der Sohn eines unbemittelten Schullehrers daselbst. Der frühe Tod des Vaters zwang ihn schon in seinem 13. Le­bensjahre, nicht blos auf den eigenen Unterhalt bedacht zu sein, sondern auch wo möglich noch Mutter und Schwester zu unterstützen. Nachdem er eine Zeit lang die Münchener Akademie besucht hatte, woselbst er, in der Absicht, sich der Bau­kunst zu widmen, hauptsächlich im Ornamentenfache sich auszubilden bemüht ge­wesen war, wurde er auf Verwendung des Malers Frank in die k. Porzellan-Manufak­tur als Zeichner aufgenommen. Sein Talent und Eifer veranlaßten Ainmiller’s Vorge­setzten, dem erst achtzehnjährigen Jünglinge im Gebiete der Glasmalerei, für de­ren Pflege damals in der Porzellan-Manufaktur eine eigene Abtheilung bestand und zu welcher sich Ainmiller lebhaft hingezogen fühlte, eine ganz selbstständige Thä­tigkeit anzuweisen. Es war vorwiegend die technische Seite dieser Kunst, welcher er nun seine volle Aufmerksamkeit widmete, und man darf wohl behaupten, daß dieselbe die hohe Stellung, welche sie dermalen unter den Schwesterkünsten ein­nimmt, zum wesentlichen Theile den rastlosen Bemühungen Ainmiller’s verdankt. Zwar wurde er anfänglich vielfach verkannt; allein nachdem der berühmte v. Gärt­ner auf seine Leistungen aufmerksam geworden war und in richtiger Erkenntniß ih­rer Bedeutung den strebsamen Mann König Ludwig I. dringend empfohlen hatte, bot sich Ainmiller bald Gelegenheit, seiner Kunst die verdiente Anerkennung zu verschaffen. Unter seiner Leitung entstanden von dieser Zeit an – es war in der Mit­te der vierziger Jahre – in einer auf Anordnung des kunstsinnigen Königs eigens er­bauten Anstalt die herrlichen Glasmalereien für die Dome in Regensburg, Köln und Speyer; für die Kirche der Münchener Vorstadt Au, für die Universitätskirche in Cambridge und in neuerer Zeit für S. Paul in London, die Kathedrale in Glasgow und das Parlamenthaus in Edinburg. Auch in Petersburg, Agram und im Vatikan zu Rom hat sich der treffliche Meister durch seine Werke verewigt. Dadurch daß er im Jahre 1850 die k. Glasmalerei-Anstalt auf eigene Rechnung übernommen hatte, war es ihm möglich geworden, von deren technischer Leitung jedem ihm unberech­tigt erscheinenden Einfluß fern zu halten, und indem er ausschließlich seiner eige­nen Kraft und den in langjähriger Praxis gewonnenen Erfahrungen vertraute, ihr den europäischen Ruf zu schaffen, dessen sie sich erfreut.

In seinen freien Stunden war Ainmiller auch als Architekturmaler thätig und hat in diesem Fache der Kunst, insbesondere was Schönheit und Korrektheit der Zeich­nung anlangt, Bedeutendes geleistet. Die Münchener Akademie würdigte des Künstlers vielseitige Verdienste durch Aufnahme in ihren Verband; auch manch’ ho­her Orden, der Ainmillers Brust schmückte, legt Zeugniß von des trefflichen Man­nes Streben und Erfolgen ab.

Vor drei Jahren zeigten sich bei Ainmiller die ersten Symptome eines Gehirnlei­dens, unter dessen Einstuß es ihm ungemein schwer wurde, seinem Berufe in der bisherigen erfolgreichen Weise nachzukommen, wenn auch sein langjähriger treuer Mitarbeiter, der in Münchener Künstlerkreisen wohlbekannte Maler Leonhard Faustner, ihm eine höchst wirksame Stütze war; rasch nahm die Krankheit einen im­mer intensiveren Charakter an und führte schließlich am 8. Dezember v. J. den Tod des bis zum letzten Augenblick mit dem Aufgebot aller Kräfte thätigen Künstlers gegen Erwarten schnell herbei. Mit ihm ist wieder einer der Münchener-Kunstvete­ranen heimgegangen, deren Reihe der Tod in der jüngsten Zeit nur allzusehr gelich­tet hat.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1870. München, 1871.


NA-158 (Ainmiller & Flotow & Hertter & Neal & Schmidhuber)