Kunstvereins-Bericht für 1868 (1869) / t_1008

Nekrologe.

Ludwig Lange,

Professor der Architektur an der k. Akademie der bildenden Künste und k. griechi­scher Baurath, Ritter des k. bayer. Michaelordens und des k. griechischen Erlöseror­dens, geboren zu Darmstadt am 22. März 1808, war der Sohn eines hessischen Stabsau­ditors. In zahlreicher Familie aufgewachsen, entwickelte sich neben mancherlei geistiger Anregung in ihm frühzeitig der Drang zur Kunst, den der begabte und aufgeweckte Knabe zunächst an landschaftlichen Zeichnungen der Umgegend sei­ner Vaterstadt bethätigte. Aneignung wissenschaftlicher Kenntnisse, sowie Lange’s mehr und mehr vortretende Neigung zu rhytmischer Formengestaltung führten ihn bald auf das seinem Talente mehr zusagende Feld der Architektur, in der er den ersten Unterricht unter Lerch und Möller genoß. Auf seinen Reisen als Zeichner für das Bilderwerk »Originalansichten deutscher Städte« kam er 1832 nach München, wo er sich bald der Gunst und Freundschaft des damaligen Künstlerkreises zu er­freuen hatte; insbesondere wurden für Lange die innigen Beziehungen zu Karl Rott­mann von wohlthätigstem Einfluße. Als Letzterer gemäß seines hohen Auftrages 1834 die Kunstreise nach Griechenland antrat, wurde Lange sein Begleiter.

Der klassische Boden fesselte den für die Kunst der Griechen Begeisterten auf mehrere Jahre an sich, die Lange in der bescheidenen Stellung als Zeichnenlehrer am Gymnasium zu Athen zubrachte.

Zur Heimat 1838 zurückgekehrt, ließ er sich dann in München häuslich nieder, und erhielt nachdem er mehrfach mit Entwürfen hervorgetreten war, die ihm die beson­dere Aufmerksamkeit II. MM. der höchstseligen Könige Ludwig und Max zuwand­ten, 1847 die Professur der Baukunst an der Akademie. Sein hoher Schönheitssinn, das feine Stylgefühl und eine gefällige Verbindung der Architektur mit Plastik und Malerei, kurz das ästhetische Moment, machten Lange für diese Stelle ganz zur ge­eigneten Persönlichkeit, und die zahlreichen Schüler, die er von Jahr zu Jahr um sich hatte, werden stets mit dankbarer Freude des Mannes gedenken, der durch seine eigene Begeisterung für das Ideale lebenerweckend auch auf sie wirkte.

Wie er die Architektur mit der Landschaft verband, zeigt die Villa, die er in Berch­tesgaden für König Max ausführte; wie er materiellen und ästhetischen Bedürfnis­sen eines Gebäudes nachzukommen, Zweck und Charakter eines Bauwer­kes nach Innen und Außen zu berücksichtigen verstand, davon gibt sein mustergül­tiges Museum in Leipzig das beste Zeugniß. Das Zweckmäßige, das Wohnliche und Behagliche suchte Lange in seinen Werken mit dem malerisch Anmuthigen zu verei­nen. Seine architektonischen Plane berücksichtigten die Mitwirkung der Schwester­künste für Vollendung des Ganzen.

In rastloser Thätigkeit sahen wir Lange seit einer Reihe von Jahren mit größeren ar­chitect. Concurrenz-Arbeiten hervortreten, die fast sämmtlich als preisgekrönt, das hohe Talent ihres Schöpfers bekundeten.

Eine heftige Lungenentzündung, die Lange im Frühjahre 1867 befiel, sollte trotz seiner sonst so rüstigen starken Körperkonstitution unheilvolle Folgen haben. Um­sonst suchte Lange das milde Klima Südtyrols und Italiens auf, das Leiden war nicht mehr zu bewältigen. Während seines langen Krankseins noch immer thätig, war er bemüht, seine hoffnungslose Lage durch Begeisterung für Ideale der Kunst zu ver­gessen.

Lange war eine großartige edle Künstlernatur; sein am 31. März 1868 erfolgter Tod raubte seiner Familie den liebevollen Gatten und Vater, seiner Schule den eifrigen Lehrer, seinen Freunden und überhaupt der Münchner Künstlerwelt einen ihrer würdigsten Genossen.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1868. München, 1869.


38-13-24 (Lange)