Kunstvereins-Bericht für 1867 (1868) / t_792

Ludwig Foltz,
Architekt, Bildhauer und Professor an der polytechnischen Schule,

geboren den 23. März 1809 zu Bingen am Rhein, war der Sohn braver und gottes­fürchtiger Eltern. Der dritte von acht Brüdern, genoß er den ersten Unterricht auf der Realschule seiner Vaterstadt und widmete sich, angeregt von den allerwärts in dem herrlichen Rheinstrom sich spiegelnden Burgen, Domen, Abteien und Klös­tern, der Baukunst. Zu diesem Zwecke besuchte er, sechzehn Jahre alt, Straßburg, woselbst er unter der Leitung des Baumeisters Arnold Verwendung bei der Re­staurirung des Münsters und dem Baue eines Schulhauses fand. Nach zwei Jahren in die Heimath zurückgekehrt, zog er die Aufmerksamkeit des Baurathes de Lassaux auf sich, welcher ihm den Ausbau des Schlosses Rheineck unterhalb Ander­nach im Auftrage des damaligen Professors, später Ministers Bethmann-Hollweg übertrug. Bei dieser Arbeit gewann er die Ueberzeugung, daß ein tüchtiger Bau­meister sich nur aus dem Bauhandwerk naturgemäß entwickeln könne. Er bat da­her seine Vorstände um zeitweilige Einstellung des Baues und Urlaub auf ein Jahr, um das Steinmetz-Handwerk zu erlernen. Nach Ablauf seines Urlaubs kehrte er aus der Werkstätte des geachteten Scholl in Mainz auf die Burg Rheineck zurück und bewies bei der Fortsetzung des Baues die Richtigkeit seiner Anschauung.

Im Jahre 1830 ging er nach München, wo er Behufs seiner Ausbildung als Bildhauer die Akademie zwei Jahre hindurch besuchte. Im Wissen und Können hinlänglich vorbereitet, kam er in das Atelier von Ludwig Schwanthaler, dem er bald ein Lieb­lingsschüler wurde, um somehr als er neben seinem glühenden Eifer für die Kunst namentlich für die still neben Schwanthalers hellenischer Geschmacksrichtung her­schreitende Vorliebe desselben für deutsche Art und deutsches Wesen so viel Herz und Verstandniß zeigte.

Nach mehrjähriger Thätigkeit als Bildhauer kehrte der Künstler zu seinem Hauptfa­che, der Architektur zurück. Veranlassung hiezu bot ihm der Minister Graf von Ar­mannsperg, welcher auf seine vielseitige Bildung als Steinmetz, Bildhauer und Bau­meister aufmerksam gemacht, ihm den Ausbau seines Stammschlosses Egg bei Deggendorf übertrug. Nachdem er sich dieses Auftrags zur höchsten Zufriedenheit des Besitzers entledigt hatte, siedelte er, inzwischen glücklich verheiratet, nach dem alten Regensburg über und wurde daselbst nach kurzer Zeit als Lehrer an der Gewerbschule angestellt.

Die wohlgelungene Ausführung mehrerer Bauwerke, namentlich des Schlosses Egg veranlaßte den höchstseligen König Max II., dem Künstler die Erbauung einer Villa auf der sogenannten Ostenbastei in Regensburg zu übertragen. Nach glücklicher Vollendung dieses Baues wünschte ihn der König in seiner Nähe zu haben, welcher Wunsch seine Versetzung nach München als Professor an der polytechnischen Schule zur Folge hatte.

Die Herstellung des ganz in Verfall gerathenen und seit langer Zeit andern Zwe­cken dienenden k. Residenztheaters beschäftigte ihn hier zunächst. Zwei Jahre nahm ihn diese Arbeit in Anspruch, während welcher es ihm gelang, diesen Tempel der heiteren Muse ganz in seinem früheren Glanze herzustellen. Durch die Verlei­hung des Verdienstordens vom heil. Michael sprach der hohe Auftraggeber seine Zufriedenheit mit den Leistungen des Künstlers aus.

Eine Menge Arbeiten im Fache der Architektur und Bildhauerei füllte demnächst die Zeit des Künstlers aus, namentlich erhielt er viele Aufträge von Seiten des ho­hen Adels, welchem der glückliche Ausbau des Schlosses Egg eine ähnliche Her­stellung seiner Stammschlösser wünschenswerth erscheinen ließ. Hiebei benützte Foltz mit vielem Glücke die Bildhauerei zur Erhöhung des innern Komforts, indem er Gegenstände des Luxus und täglichen Gebrauchs in künstlerische Formen brachte.

Die letzten Jahre finden wir Foltz fast ausschließlich für die Domkirche zu unserer lieben Frau beschäftigt. Zwölf Apostelstatuen im Mittelschiff mit reichen Baldachi­nen und Trägern aus Sandstein, bei dreißig von ihm modellirte Statuen verschiede­ner Heiligen, zwei reiche Kronleuchter, eine große Monstranz, fünf Altäre und eine Menge anderer Gegenstände sind theils von seiner Hand, theils nach seinen Ent­würfen ausgeführt. Während er im Dome selbst als Bildhauer wirkte, war er außer demselben als Architekt thätig, indem er gleichzeitig den auf der Nordseite dessel­ben gelegenen Häuserkomplex ausführte.

Mit den eben so mannigfaltigen als umfassenden Arbeiten der Domrestauration sollte seine künstlerische Thätigkeit ihren Abschluß erhalten. Schon längere Zeit an Verdauungsbeschwerden leidend suchte Foltz in diesem Sommer Linderung im Ma­rienbad, fand sie aber leider nicht. Kaum zurückgekehrt, steigerte sich das Uebel zur ernsten Erkrankung, in deren Folge er am 10. November des vergangenen Jah­res verschied.

Vier Töchter und zwei Brüder dann eine große Zahl von Freunden und Künstlern umstanden trauernd seinen Sarg.

Geradheit und strenge Rechtlichkeit, ein liebevoller menschenfreundlicher Sinn, Anspruchslosigkeit und eine bis zur Selbstverläugnung gehende Bescheidenheit als Künstler waren die Grundzüge seines Charakters und sichern ihm ein ehrendes An­denken bei Hoch und Niedrig!

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1867. München, 1868.


29-13-10/11 (Foltz)