Kunstvereins-Bericht für 1866 (1867) / t_878

Maximilian Haushofer.

Landschaftsmaler und Professor an der Akademie der bildenden Künste in Prag,
geboren zu Nymphenburg am 12. Sept. 1811, war der Sohn eines Schullehrers da­selbst. Menschenfreundliche Herzen nahmen sich des Knaben, welcher bereits in der frühesten Jugend zur Waise geworden war, an und sorgten für seine Erziehung. Seine bald zu Tage tretende geistige Begabung brachte ihn auf die Bahn wissen­schaftlicher Ausbildung, auf welcher er bis in sein 21. Jahr rüstig vorwärts schritt. Seiner lebhaften Phantasie, welche auf kleineren, in das nahe Gebirge unternom­menen Ferienreisen die entsprechende äußere Anregung erhielt, sagte jedoch das Studium der Jurisprudenz wenig zu und so entschloß er sich denn im Anfange der Dreißiger Jahre diesem, seinem mehr auf Gefühlsleben angelegten Geiste keine Befriedigung gewährenden Berufe zu entsagen und sich der Kunst zu widmen. Eine entschiedene Anlage, unterstützt von der aus seinen wissenschaftlicben Studien geschöpften allgemeinen Geistesbildung, brachten ihn auf der neubetretenen Bahn schnell vorwärts. Bereits in den dreißiger Jahren nahm Haushofer unter Münchens Landschaftsmalern eine hervorragende Stelle ein. Namentlich waren es die damals noch wenig bekannten Umgebungen des Chiemsee’s, welche dem Künstler das Material zu den reizendsten Landschaftsbildern gewährten. Das von einem poeti­schen Hauche umwehte Frauenwörth mit seinem alterthümlichen Kloster war der Ausgangspunkt für seine malerischen Exkursionen. Auf diesem Inselchen ordneten sich die gehabten Eindrücke zu den reizendsten Konzeptionen, und auf demselben fand er seine spätere Lebensgefährtin.

Im Jahre 1844 folgte er einem Rufe als Professor an die Akademie in Prag, welcher sein Freund Ruben bereits längere Zeit als Direktor vorstand. In dieser Stellung bil­dete er während einer mehr als zwanzigjährigen Wirksamkeit eine Reihe trefflicher Schüler und half die Keime deutscher Kunst weit über die Grenzen des Vaterlandes verpflanzen. Alljährlich besuchte er mit seiner Familie die lieblichen Ufer des Chiemsse’s, um sich hier auf der geliebten Fraueninsel von seinen anstrengenden Arbeiten zu erholen und kehrte stets neugestärkt zu seinem Berufe im fremde Lan­de zurück.

Leider war diesem schönen Künstlerleben ein vorzeitiges Ziel gesetzt. Eine Läh­mung des Herzens, in welche ein altes, durch Verkältung in seinem Fortgange be­schleunigtes Leiden dieses Organes verlief, machte seinem Leben nach viermonatli­chem Leiden an den Ufern des Starnbergersee’s ein Ende. Ein gütiges Geschick hatte ihm vergönnt, in der Heimath und im Anblicke seiner geliebten Berge seine Künstlerseele in die Hände des Schöpfers zurückzugeben.

Er hinterläßt eine Wittwe und zwei bereits im Mannesalter stehenden Söhne, wel­che der trauernden Mutter eine liebreiche Stütze sein werden.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1866. München, 1867.


33-13-10 (Haushofer)