Kunstvereins-Bericht für 1866 (1867) / t_1040

Nekrologe.

August Loeffler,
Landschaftsmaler,

geboren in München am 4. Mai 1822, entstammte einer alten Augsburger Familie, deren Glieder in früheren Zeiten in namhaften Aemtern und Würden gestanden hatten. Sein Vater war Kupferstecher im topographischen Bureau des General-Ouartiermeister-Stabes und trug gewiß durch seine verwandte Beschäftigung mit­telbar dazu bei, die Neigung seines Sohnes der Kunst zuzuwenden, für welche er sich bereits in seinem 15. Jahre entschied.

Den ersten Unterricht genoß er bei dem Bruder des berühmten Schlachtenmalers Albrecht Adam, dem Landschafter Heinrich Adam und später bei dem Landschafs­maler Julius Lange. Nachdem er jedoch in seiner künstlerischen Ausbildung so weit vorgeschritten war, daß er die Meisterwerke Rottmanns zu verstehen vermochte, wählte er sich fortan ausschließlich diesen großen Landschaftsmaler zum Vorbilde.

Sehr bezeichnend für die von ihm eingeschlagene Richtung ist es, daß Loeffler eine Sammlung von landschaftlichen Radirungcn und Stichen aus der niederländischen Schule, die er besaß, mit einem Male veräußerte, um sie durch Stiche nach den bei­den Poussins, Claude de Lorrain etc. zu ersetzen.

Zum Naturstudium zog es ihn der eingeschlagenen Richtung gemäß mehr nach dem Süden, so brachte er einen Sommer und Herbst in der Istrischen Hafenstadt Pola zu, wo neben dm landschaftlichen Reizen die Erinnerungen und Baureste des klassischen Alterthums eine bedeutende Anziehungskraft auf den Künstler übten. Die Frucht dieser Reise waren mehrere Bilder mit vorwiegend südlichem Charakter, in welchen er sich jedoch von einer schwankenden Befangenheit zwischen heimi­schen und fremdländischen Formen noch nicht loszumachen verstanden hatte.

Um diese Zeit wirkte Professor Schorn an der Münchener Akademie zunächst für Historienmalerei durch Vorbild und Unterricht im Sinne jener so schwierigen aber nothwendiqen Vermittlung zwischen sogenanntem Realismus und Idealismus, wie sie auch Loeffler für die von ihm eingeschlagene Richtung so sehr bedurfte. Stets schnell entschlossen, wenn er Etwas seinen Zwecken förderlich erkannte, erwirkte er sich den Eintritt in Schorn’s Atelier, wo er unter andern Schülern dieses Meisters auch mit Carl und Ferdinand Piloty, Ludwig Thiersch und Correns zusammentraf. Ein Bild, welches er damals im Wetteifer mit so hochbegabten Kunstgenossen aus­führte, dürfte zu den Besten seiner Arbeiten zu zählen sein.

Im Jahre 1848 wurde er von dem Maler Halbreiter mit der Ausführung eines gros­sen Rundgemäldes der Stadt Jerusalem beauftragt. Mit gewohnter Energie machte er sich an die Ausführung dieser Aufgabe, welche um so schwieriger war, als er au­ßer einer kleinen, von Halbreiter an Ort und Stelle aufgenommenen Zeichnung kei­nen andern Anhaltspunkt hatte und genöthigt war den Charakter der Gegend nach eigner Phantasie zu ergänzen. Dessen ungeachtet fand das Bild allgemeinen und unbedingten Beifall. Jetzt hatte Loeffler auch die Mittel in Händen, um seinen längst genährten Wunsch, den Süden zu sehen, in Ausführung zu bringen. Er gieng im Jahre 1849 über Triest und Griechenland nach Smyrna, um Syrien, Palästina und Egypten zu bereisen. Einige Jahre später nahm er einen längeren Aufenthalt in Griechenland, von welchem er nach fünf Vierteljahren wieder heimkehrte. Berei­chert mit vielen Studien und den mannigfaltigsten Eindrücken vollendete er nach seiner Rückkehr in rascher Folge eine Reihe von Gemälden, theils nach bestimmten Motiven theils nach eigner freier Erfindung. Sie alle zeichneten sich durch schöne Verhältnisse, einen sichern bestimmten Aufbau und entschiedene Wirkung aus, durchweg Vorzüge, welche er dem Studium der Rottmann’schen Bilder verdankte. Zwei dieser Gemälde kamen in den Besitz des letztverstorbenen Königs von Preu­ßen und sechs hatte er im Auftrag des Königs Wilhelm von Württemberg ausge­führt. Einen Cyklus in Aquarell gemalter Ansichten aus dem Orient erwarb von ihm der Oesterreichische Loyd in Triest.

Nachdem er sich im Jahre 1850 verehlicht hatte, schien für den rüstigen gegen je­den Witterungs-Einfluß gehärteten kräftigen Mann auf lange hinaus ein neuer Le­bensabschnitt ruhigen und gereiften Schaffens und häuslichen Glücks sich zu eröff­nen. Allein schon im August 1866 nöthigte ihn eine schwere Erkrankung einen für längere Zeit bestimmten Aufenthalt in Schlesien, wohin er zum Unterrichte einer Dame berufen war, schnell aufzugeben und der Heimath zuzueilen. Im Verlaufe der Krankheit hatte sich ein tödtliches Lungenleiden entwickelt, welchem der im kräf­tigsten Mannesalter stehende Künstler am 19. Januar 1867 erlag Das zahlreiche Geleite von Kunstgenossen und Freunden, welches seinem Sarge folgte, gab Zeug­niß von der Liebe und Achtung, die er genossen. Er verdiente sie durch seinen bie­deren Charakter und sein ernstes Streben in der Kunst.

Außer seinen bereits angeführten Werken erwähnen wir noch vier großer stereo­chromischer Wandgemälde im Speisesaal des Kurhauses zu Kochel im bayerischen Gebirge. Sie stellen Ansichten von Memphis, Jerusalem, Athen und Rom dar; dann ein großes stereochromische« Wandgemälde im Hause des Banquiers von Hirsch zu Brüssel.

Auch König Ludwig I. ehrte das Andenken des zu frühe geschiedenen Künstlers durch Erwerbung einer Anzahl von Skizzen aus dessen Nachlaß.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1866. München, 1867.


16-HZ-01/02 (Löffler)