Kunstvereins-Bericht für 1862 (1863) / t_799

Nekrologe.

Andreas Fortner, Bildhauer und Ciseleur,

geboren am 16. Juni 1809 in Prag, lernte von seinem Vater, einem tüchtigen Silber­arbeiter, dessen Geschäft, und zeigte schon frühe besonders in Herstellung getrie­bener Arbeiten große Geschicklichkeit. Später veranlaßte ihn seine Vorliebe für die Kunst so wie der Umgang mit den Künstlern seiner Vaterstadt sich der Kunst zu widmen, in welcher Absicht er im Jahre 1840 nach München übersiedelte. Nach­dem er hier einige Zeit mit großem Eifer und nicht ohne Erfolg im Fache der Histo­rienmalerei gearbeitet hatte, führte ihn eine zufällige Veranlassung zu seiner frühe­ren Beschäftigung zurück. Sein Freund Eugen Neureuther hatte den Entwurf zu ei­nem großen Tafelaufsatze vollendet, den die Stadt Augsburg dem damaligen Kron­prinzen Maximilian zur Feier seiner Vermählung zu widmen gedachte. Bei der Aus­führung in Silber zeigten sich schwer zu bewältigende technische Schwierigkeiten. Fortner erbot sich, die Ciselirung des figürlichen Theils des Werkes zu übernehmen und löste seine Aufgabe in einer Weise, welche ihm allgemeines Lob erwarb. Die­ser Erfolg entschied über seine Zukunft, er widmete sich fortan dem Kunstzweig, welcher, seit ihn Cellini im sechzehnten Jahrhundert mit so glänzendem Erfolge be­arbeitete, wenig vertreten war. Bald erhielt er zahlreiche und mitunter umfangrei­che Aufträge, welche ihm übrigens durch die ächt künstlerische Weise, in welcher er dieselben ausführte, mehr Ehre als pekuniären Gewinn einbrachten. Wir nennen hier den reichen Tafelaufsatz für den Marquis Pallavicini, dann die zahlreichen Wer­ke, welche er für seinen großen Gönner den Freiherrn von Frankenstein in edlen Metallen und in Bronce ausführte, das Wasserbecken im Wintergarten des Grafen von Bassenheim und den von der bayer. Armee ihrem Feldmarschall Prinzen Carl gewidmeten Ehrensäbel. In der neuesten Zeit erhielt er den Auftrag, für den Baron Stiglitz in St. Petersburg ein Kabinet im Renaissance-Styl auszuschmücken und mit Geräthen etc. in gleichem Style zu versehen, welche Arbeit er bereits theils ausge­führt, theils im Entwurfe vollendet hatte, als ihn der Tod am 14. März 1862 der Kunst und seiner Familie entriß.

Seine ohnedies nicht feste und durch ernstes Unwohlseyn schon seit Jahren öfter unterbrochene Gesundheit scheint den geistigen und körperlichen Anstrengungen, welchen er sich in Folge des letzterwähnten Auftrages unterzog, nicht mehr ge­wachsen gewesen zu seyn.

Von der Liebe und Achtung seiner Kunstgenossen, die er sich durch sein ernstes Streben wie durch seinen biedern und bescheidenen Charakter erworben, war die allgemeine Theilnahme ein Beweis, welche sich bei seinem Ableben und der Beer­digung kund gab, und welche wohl geeignet war, seiner verwaisten Familie einigen Trost zu gewähren.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1862. München, 1863.


29-02-05 (Fortner)