Kunstvereins-Bericht für 1862 (1863) / t_5

Nekrologe.

Albrecht Adam,

Herzogl. Leuchtenberg. Hofmaler, Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste und Staatspensionär,
geboren 1786 zu Nördlingen, war der Sohn eines Konditors, welcher ihn sowie ei­nen jüngern Sohn zu demselben Geschäfte bestimmte. Das mit diesem verbundene Manipuliren mit bildsamer Masse scheint das dem Knaben inwohnende Kunstver­mögen schon frühe geweckt und eine im Besitze des Vaters befindliche Sammlung von Kupferstichen sowie die Unterweisung eines talentvollen Dilettanten dasselbe weiter entwickelt zu haben. Durch den Marstall des Fürsten von Wallerstein, wel­cher zu jener Zeit vorzügliche Pferde enthielt, war dem talentvollen Jüngling Gele­genheit geboten, sich vorzugsweise mit dem Studium dieses Thieres zu befassen. Mit diesem sowie dem gelegentlichen Betriebe des väterlichen Geschäftes ver­brachte er seine Zeit bis zum Jahre 1803, wo er sich zum Behufe weiterer Ausbil­dung nach Nürnberg begab.

Aufmunterung und geregelter Unterricht, welche er hier fand, veranlaßten ihn, das väterliche Geschäft ganz aufzugeben und sich ausschließlich der Kunst zu widmen. Wenn auch seine Mittellosigkeit im Anfange ihn nöthigte, durch Formschneiden seinen Unterhalt sich zu erwerben, so setzte ihn der Eifer, mit welchem er an seiner künstlerischen Bildung arbeitete, bald in den Stand, durch Portraitmalen, kleine Jagdstücke etc. sich seine Eristenzmittel in würdigerer Weise zu beschaffen. Nach dreijährigem Verweilen in Nürnberg besuchte er die Heimath, ging jedoch nach kurzem Aufenthalt von da nach Augsburg. Hier verband er mit der Portraitmalerei das Studium militärischer Gegenstände, wozu ihm in jener bewegten Zeit alle Gele­genheit geboten war. Die Bekanntschaft des geschickten Schlachtenmalers Lorenz Rugendas, die er zu dieser Zeit machte, war ganz geeignet, sein Talent auf die Dar­stellung kriegerischer Szenen hinzulenken. Im folgenden Jahre begab er sich mit seinem Freunde Rugendas nach München und fand daselbst für diese Richtung nicht nur reichen Stoff, sondern auch in dem Oberststallmeister Frhrn. von Keßling und dem Flügeladjutanten des Königs, Grafen von Frohberg-Moutjoie, einflußrei­che Gönner. Eine Reise nach Wien, wohin er letzteren im Jahre 1809 begleitete, gab dem jungen Künstler Gelegenheit, seine Mappe mit den mannigfaltigsten Stu­dien und Skizzen zu füllen, und durch das Portraitiren vieler ausgezeichneter Män­ner, welche die politischen Ereignisse in Oesterreichs Hauptstadt zusammen ge­führt, dann die Darstellung interessanter militärischer Szenen sich eine Quelle reichen Erwerbes zu öffnen. Durch diese Arbeiten zog er die Aufmerksamkeit des Vizekönigs von Italien auf sich, welcher sich von dem ebenso bescheidenen als ta­lentvollen Künstler in einem Grade angezogen fühlte, daß er denselben veranlaßte, förmlich in seine Dienste zu treten. Und jetzt war dem Künstler die Bahn zu einer ruhm- und erfolgreichen Thätigkeit eröffnet. Die paradiesischen Fluren Italiens, wo­hin er seinen Herrn und Gönner zunächst begleitete, sowie die Schneefelder Ruß­lands, wohin er ihm im Jahre 1812 folgte, lieferten ihm den Stoff zu seinen Darstel­lungen. Die Waffenthaten der großen Armee in ihrer Glanzperiode wie nicht min­der das namenlose Elend auf dem verhängnißvollen Rückzuge aus Rußland schil­derte er in seinen Gemälden mit erschütternder Wahrheit.

Der Raum gestattet nicht, hier in die Einzelnheiten dieses bewegten Künstlerlebens einzugehen oder die Werke aufzuzählen, welche den Ruhm A. Adams gründeten nnd erhöhten. Die Letztern sind so zahlreich, daß nicht leicht ein fürstliches Kabinet oder eine Sammlung solcher entbehrt. Nicht nur der künstlerische Werth, sondern auch die Unmittelbarkeit, in welcher uns jene weltgeschichtlichen Ereignisse in Adams Werken entgegentreten, verleihen denselben ein hohes und dauerndes In­teresse.

Seit dem Jahre 1813, nachdem die kriegerischen Ereignisse durch den Wiener Frie­denskongreß ihren Abschluß erhalten hatten, hielt sich Adam fortwährend in Mün­chen auf. Er hatte sich auf der Westseite der Stadt ein Grundstück gekauft, auf wel­chem er sich ein seinen Bedürfnissen und seinem Geschmacke entsprechendes Haus erbaut und im Kreise seiner Familie eine schöne Häuslichkeit geschaffen hat­te. Hier theilte er seine Zeit zwischen künstlerischem Schaffen und der Bildung sei­ner gleich dem Vater reich begabten Söhne. Noch im hohen Alter war ihm beschie­den, die Bilder seiner Jugend noch einmal sich aufrollen zu sehen, indem er den eh­renvollen Auftrag erhielt, die Thaten der österreichischen Armee unter ihrem grei­sen Führer Radetzky in einer Reihe von Gemälden zu verherrlichen. Diese Arbeiten, denen er sich mit jugendlicher Begeisterung hingab, verbreiteten durch die Aner­kennung, welche ihnen von dem hohen Auftraggeber und in den weitesten Kreisen gezollt wurde, einen leuchtenden Glanz auf den Abend dieses reichen Künstlerle­bens.

Sein letztes größeres Werk war die im Auftrage Seiner Majestät des Königs Maxi­milian ausgeführte Schlacht bei Zorndorf, welche durch das Feuer der Komposition, Wahrheit und minutiöse Durchführung vergessen ließ, daß ein in den siebenziger Jahren stehender Greis ihr Schöpfer war.

Adam bewahrte sich seine Körper- und Geistesfrische bis nahe vor seinem Tode, welcher nach kurzem Krankenlager am 28. August des verflossenen Jahres ein an Schaffen und Ehren reiches Leben zum Abschluß brachte. Unter seinen zehn Kin­dern befinden sich drei Söhne, würdige Nachfolger eines berühmten Vaters.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1862. München, 1863.


27-01-25 (Adam)