Kunstvereins-Bericht für 1859 (1860) / t_930

Joseph Holzmaier, Historienmaler,

geboren um das Jahr 1808 zu Frauen-Chiemsee, mußte bereits als Knabe von zwölf Jahren das elterliche Haus verlassen, um zu einem sogenannten Faßmaler und Ver­golder in die Lehre zu treten, bei welchem der lernbegierige Knabe sich bald zu ei­nem tüchtigen Gehilfen heranbildete. Seine häufigen Beschäftigungen in Kirchen weckten bald in ihm den Drang, in einer mehr würdigen Weise zur Ausschmückung des Hauses Gottes wirken zu können und führte ihn nach München, wo er unter der Leitung des Professors Schlotthauer seine ersten künstlerischen Studien mach­te. Ein bedeutendes Talent, verbunden mit tiefreligiösem Sinn und unermüdlichem Eifer erwarben ihm bald einen geachteten Namen auf dem Felde christlicher Kunst. Seine zahlreichen Arbeiten – meist in den Landkirchen Oberbayerns zerstreut – zeichnen sich durch tiefes Gefühl und angenehme harmonische Färbung aus.

Seit seinem 29. Jahre verehelicht und Vater von zwei Töchtern, lebte er in beschei­dener Stille und beglückter Häuslichkeit bis ihn ein Schlaganfall am 19. Dezember 1859 seiner Familie und der Kunst plötzlich entriß, während er in Ausführung eines Auftrages für das Bayerische Nationalmuseum begriffen war.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1859. München, 1860.


17-12-50 (Hauschild & Holzmaier)