Kunstvereins-Bericht für 1837 (1838) / t_562

Biographische Notizen.

Gottlieb Bodmer, Lithograph,

geboren im Jahre 1804, war der Sohn eines Schullehrers im Landgerichte München. In seinem 16. Jahre in die hiesige Academie getreten, widmete er sich der Histori­enmalerei, ergriff aber nach dem Tode seines Vaters, da er ausser einem Cabinets­stipendium wenig Hülfsmittel hatte, das Portraitfach, und malte in den Jahren 1824 bis 1829 in München viele Portraite, wobei er dem als Mensch und Künstler gleich achtbaren Hofmaler Stieler vieles verdankte.

Im Jahre 1829 durch den Buchhändler Frankh veranlaßt, Raphaels Madonna di St. Sisto, in der Dresdner Gallerie befindlich, durch die Lithographie wieder zu geben, ergriff er unter der Leitung seines Freundes Winterhalter, der für einen der ersten Lithographen jener Zeit gilt, dieses ihm bisher fremde Fach.

Zur Zeit der Beendigung dieser Arbeit hatten sich Frankhs Verhältnisse geändert und Bodmer sah sich zur eigenen Herausgabe des Werkes genöthigt, welche er mit sehr günstigem Erfolge bewerkstelligte. Hiedurch ermuntert lithographirte er bald darauf zwei Bilder von Heinrich Heß – die Christnacht und ein Altarbildchen, – wel­che ihm die Anerkennung von ganz Deutschland erwarben.

Im Jahre 1831 unternahm der Künstler eine Reise nach Paris, wo er sich während ei­nes Jahres, im vertrauten Umgange mit Grevedon und Maurin Noël einen hohen Grad von technischer Vollkommenheit in seiner Kunst erwarb.

In Paris entstanden damals unter andern Amor und Psyche, ein ungemein zartes Blatt nach Gerard, le premier bain nach Court, zwei Polen nach Cogniet, und Mon­na Lisa, nach Leonardo da Vinci.

Nach seiner Rückkehr lithographirte er in München verschiedene Darstellungen, gediegen und anerkannt, und errichtete eine großartige, lithographische Anstalt, deren vorzügliche Leistungen in aller Welt verbreitet und geschätzt sind.

Bodmers neuere größere Werke, – der Abschied König Ottos von Griechenland, nach Foltz, der Schweizer Grenadier nach Kirner, die königliche Familie nach Mon­tens Composition, sowie das Bildniß Sr. Maj. des Königs mit Allegorien, sind zu rühmlich bekannt, als daß sie hier einer lobenden Erwähnung bedürften, und haben ihm die Anerkennung als eines der ausgezeichnetsten Lithographen unserer Zeit verschafft.

So in der Blüthe des künstlerischen Wirkens, wie des Alters ergriff ihn ein unheilba­res Körperleiden und entriß ihn, nach einer vergeblichen Badecur, am 18. July 1837 in einem Alter von 34 Jahren der Kunst, seinen vielen Freunden und uns allen.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1837. München, 1838.


06-01-43 (Bodmer)